Las Vegas

Fern von Las Vegas liegen die Spielhöllen

an jedem Straßenrand. Auf jedes Spiel

kann man überall wetten.

 

Für 1 Euro gibt es gegenüber

was zu kaufen. Buchhandlungen

werden immer weniger.

 

Die Lagerarbeiter beim Versandhändler

bekommen den Mindestlohn. Für Bücher

langt der nicht.

 

Bücherregale sind aus der Mode

gekommen. Wer dauern umzieht,

verzichtet auf die Last.

 

Der Brockhaus liegt im Keller.

Statussymbole sehen heute

anderes aus.

In der wärmeren Jahreszeit

16.03.2017

In der wärmeren Jahreszeit ging Franz gerne ins Schyrenbad. Altes Freibad. Direkt an der Isar. Lag auf seinem Weg. Kein großer Umweg. Auf dem Heimweg schnell noch ein paar Runden zur Abkühlung. Manche gingen hin zum Sonnen. Andere zum Schach spielen.  Auch Biertrinker gab es dort. Franz drehte nur ein paar Runden, ruhte kurz, drehte noch ein paar Runden. Radelte dann heim. Vielleicht, wenn der Hunger kam, aß er ein Eis. Oder Pommes. Am liebsten war er am Abend dort. In diesem Sommer würden die Freibäder länger auf haben. Dies gefiel ihm. Die Abendstimmung war angenehm. Weniger Geschrei. Weniger Leute. Mehr Platz im Wasser. Es dauerte noch ein wenig, noch war es nicht so weit. Aber er freute sich schon darauf. Früher kam das Wasser von der Isar. War entsprechend kalt. Jetzt immer 24 Grad. In Holland hatte Wilders die Wahlen nicht gewonnen. Viele waren darüber erleichtert. Nur Erdogan nicht. Der zürnte. Schlechte Stimmung dorten. Auch in München war die Stimmung aufgeheizt. Türken fühlen sich provoziert von den Deutschen. Die Deutschen von den Türken. Als wären Kreuzritter unterwegs.

In den Ställen werden die Kühe langsam nervös

Die gefällten Bäume lagen umher, wartend

auf Ordnung, am Straßenrand wurde das

Bankett gerichtet, die alten Halme des vergangenen

 

Jahrs harrend noch auf den Pflug, anderswo

wurde die Gülle ausgefahren, leise ziehen

die Wolken am Firmament, es müsste

 

mal wieder regnen, vergnügt fährt

der Bauer über seine Scholle. In den Ställen

werden die Kühe langsam nervös.

Feierabendbier

Das Feierabendbier tranken sie vor dem Supermarkt. Eine freundliche Runde. Vielleicht war es auf das Frühstück. Oder das Mittagessen. Frühlingsfröhlichkeit. Kaum vergangen der Winter. Sie waren heute nicht so produktiv gewesen. Erwartete wohl auch kaum jemand von ihnen. Wo sie wohnen? Wer will das so genau schon wissen. Die Passanten machen einen leichten Bogen um sie herum. Wollen nicht in Kontakt geraten. Die Leistungsgesellschaft schafft eben nicht nur Gewinner. Die, die hier tranken, fuhren keinen Audi Q7. Auch keinen 7er von BMW. Der eine oder andere hatte ein Fahrrad, schon etwas klapprig und verrostet. Für den Nachhauseweg. Oder für den Proviant. So ein Tag war lang und das eine oder andere Bier musste getrunken werden. Manchmal tranken sie auch stärkere Sachen. Aber nicht immer. Erst einmal ein Bier zum Spülen. Frauen waren keine dabei. Fast sahen die Männer zufrieden aus. Sie hatten keine Eile. Mussten keinen Zug erwischen. Den Bus brauchten sie auch nicht. Wer die Männer waren? Keiner wusste es so genau. Keiner wollte es wissen. Alle gingen vorbei. Langsam verfärbte sich der Himmel rot. Abendstimmung.

Die Knospen des Aprikosenbaums

Die Knospen des Aprikosenbaums

sind prall, kräftig scheint

 

der Mond in der Nacht, Kälte bringt

die Dunkelheit, Krokusse erblühen

 

in Gelb und Violett. Die Teeschale

steht bereit.

Aufgeräumt war die Vorstadt

Am Samstag sorgte die Waschanlage

für Ordnung. In langen Schlangen die

Woche über hineingedrängt in die Stadt.

Morgen für Morgen. Woche für Woche.

 

Das Glück hing am Kleingarten.

Thujahecke umrankt. Toskanastil.

Unterwegs vorbei an Logistikcenter.

Der Rasenmäher wurde im März

 

geprüft. Probelauf. Für alle Fälle.

Der Laubbläser vertrieb die Winterreste.

Die LKWs liefern von hier nach dort.

Käse. Öl. Autos. Tiere. Am Rand, vereinzelt,

 

ein Bussard. Wartet auf sein Frühstück.

An der Tankstelle noch schnell ein Coffee

to go. Daheim war die Zeit zu knapp.

Aufgeräumt war die Vorstadt.

Etwas mit Reis

14.03.2017

Noch schnell zum Einkaufen, bevor der Hunger kam. Die Sonne verschwand. Noch gab es den Tengelmann. Vor der Türe lungerte manchmal einer herum. Nicht die Welt. Jeder musste zu Geld kommen. Im Frühling war wieder mehr Saison für Gabensammler. Es gibt in der Stadt nicht nur Gewinner. In München fuhren eh zu viele mit einem Porsche herum. Franz fuhr lieber Fahrrad. Wie sein Großvater. Der hatte zwar auch ein Auto, ist aber selten gefahren. Lieber geputzt und in die Garage gestellt. Franz hatte keine Garage, brauchte auch keine. War früher auch gerne Käfer gefahren. Wie Großvater. Die Auswahl war angenehm überschaubar im Supermarkt. Es gab viel, fast zu viel an Auswahl, aber es hielt sich noch in Grenzen. Am liebsten ging er zum Markt. In der Au gab es einen schönen. Kaufte dann Gemüse, Käse, Fisch. Auch Wein, wenn es ihm nicht zu schwer wurde. Meist hatte er Packtaschen dabei, manchmal auch nur den Rucksack. Doch heut Abend wollt er was kochen, vielleicht  Reis. Er musste sich noch umschauen. Machte seine Pläne meist erst im Geschäft. Ein paar Freunde wollten vorbeikommen. Mit Stäbchen aß er selten. Aber etwas mit Reis würde es werden.

Ausreißer, Grazer Wandzeitung

Jetzt sind ein paar meiner Texte, die auf der Wandzeitung „Ausreißer“ erschienen sind, auch online lesbar.

Wandzeitung „Ausreißer“

Giesinger Karstadt

Früher war Franz gerne in den Giesinger Karstadt gegangen. Hatten alles. Lebensmittel. Schrauben. Werkzeug. Staubsaugerbeutel. Zur Not sogar Kleidung. Hat Franz da aber nie gekauft. War um die Ecke. Immer was los. Man traf die Leute vom Viertel. Später wurde daraus ein Hertie. Hat aber nichts geholfen. Dann abgerissen. Der Bau war immer hässlich gewesen. Jetzt gab es viele Läden. Drogeriemarkt. Wollworth Ramsch und Tengelmann. Aber den gibt es ja eigentlich auch nicht mehr. Alles chic. Alles sah gleich aus. Ob die Läden in Laim waren oder Schwabing, in Haidhausen oder Giesing. Sah kein Mensch. Alles glatt. Glänzend. Poliert. Auch Giesing änderte sich. Normal für eine Großstadt. Doch die alten Leute wurden verdrängt. Die Mieten stiegen. Zum Glück gab es noch das Schuhmachergeschäft. In der Zugspitzstraße. Franz trug gerne Schuhe hin. Wenn der Absatz mal wieder neu gemacht werden musste oder was anderes fehlte. Altes Geschäft. Der Inhaber hatte nur vor Jahren gewechselt. Verstand sein Handwerk.

Zum Verweilen kein rechter Ort

Manchmal wollte Franz Dinge machen, die er noch nie gemacht hatte. Heute ging er in den  McDonalds im Hauptbahnhof. War noch nie da gewesen. Warum auch. Bestellte sich da einen Kaffee und schaute den Leuten zu. Das Personal wirkte nicht glücklich. Die Reisenden schon. Zum Verweilen kein rechter Ort. Aber darauf kam es am Bahnhof gar nicht an. Wenn er schon da war, wollte er auch in die Buchhandlung gehen. Die hatten keine schlechte Auswahl für eine Bahnhofsbuchhandlung. Manchmal schaute er auch nach Zeitschriften. Heute aber keine Lust. Sonne schien. Wollte lieber noch ein wenig durch die Stadt radeln. Am Abend musste er arbeiten. Vorher noch Wäsche waschen. Den Schreibtisch aufräumen. Post beantworten. Die Reise nach Rom hatte ihm gefallen. Der Frühling in München war aber auch nicht zu verachten. Erdogan lief gerade zu großer Form auf. Ganz Europa schaute auf ihn. Auch die Holländer. Der Wahlkampf dort war seltsam. Alle schauten auf Wilders. Der machte mächtig Druck. Sonderbare Typ, kein Fall für Franz.