Das Leben ist keine Steckdose. Schon wieder hat er die Post zu schwer frankiert. Sicher ist sicher. Das Blütenmeer der Krokusse springt in die Morgenaugen. Sein Herz fließt über der Wiese dahin. Morgenfrost in der aufgehenden Sonne. Zum Erleuchten hatte die Nacht die Sterne gebracht. Doch davor hatte er die Abzweigung nach Italien verpasst. Der schiefe Turm muss noch warten, eine Weile wird er noch stehen. Bach-Kantaten in der Fastenzeit. Für das Frühstück blieb nur wenig Zeit. Während der Bahnfahrt Bilder von Klee im Kopf, die Welt in Linien, Felder, Rechtecke. Beim Aussteigen aus dem Zug reden drei Italiener übers Essen. Coole Hunde. Auf der Jagd. Der Abend ist ihr Freund. Die älteren Herrschaften strömen in die Oper. Die Schuhe glänzen. Der Abend voller Träume.
Autor: orangeblau
Las Vegas
Fern von Las Vegas liegen die Spielhöllen
an jedem Straßenrand. Auf jedes Spiel
kann man überall wetten.
Für 1 Euro gibt es gegenüber
was zu kaufen. Buchhandlungen
werden immer weniger.
Die Lagerarbeiter beim Versandhändler
bekommen den Mindestlohn. Für Bücher
langt der nicht.
Bücherregale sind aus der Mode
gekommen. Wer dauern umzieht,
verzichtet auf die Last.
Der Brockhaus liegt im Keller.
Statussymbole sehen heute
anderes aus.
In der wärmeren Jahreszeit
16.03.2017
In der wärmeren Jahreszeit ging Franz gerne ins Schyrenbad. Altes Freibad. Direkt an der Isar. Lag auf seinem Weg. Kein großer Umweg. Auf dem Heimweg schnell noch ein paar Runden zur Abkühlung. Manche gingen hin zum Sonnen. Andere zum Schach spielen. Auch Biertrinker gab es dort. Franz drehte nur ein paar Runden, ruhte kurz, drehte noch ein paar Runden. Radelte dann heim. Vielleicht, wenn der Hunger kam, aß er ein Eis. Oder Pommes. Am liebsten war er am Abend dort. In diesem Sommer würden die Freibäder länger auf haben. Dies gefiel ihm. Die Abendstimmung war angenehm. Weniger Geschrei. Weniger Leute. Mehr Platz im Wasser. Es dauerte noch ein wenig, noch war es nicht so weit. Aber er freute sich schon darauf. Früher kam das Wasser von der Isar. War entsprechend kalt. Jetzt immer 24 Grad. In Holland hatte Wilders die Wahlen nicht gewonnen. Viele waren darüber erleichtert. Nur Erdogan nicht. Der zürnte. Schlechte Stimmung dorten. Auch in München war die Stimmung aufgeheizt. Türken fühlen sich provoziert von den Deutschen. Die Deutschen von den Türken. Als wären Kreuzritter unterwegs.
In den Ställen werden die Kühe langsam nervös
Die gefällten Bäume lagen umher, wartend
auf Ordnung, am Straßenrand wurde das
Bankett gerichtet, die alten Halme des vergangenen
Jahrs harrend noch auf den Pflug, anderswo
wurde die Gülle ausgefahren, leise ziehen
die Wolken am Firmament, es müsste
mal wieder regnen, vergnügt fährt
der Bauer über seine Scholle. In den Ställen
werden die Kühe langsam nervös.
Feierabendbier
Das Feierabendbier tranken sie vor dem Supermarkt. Eine freundliche Runde. Vielleicht war es auf das Frühstück. Oder das Mittagessen. Frühlingsfröhlichkeit. Kaum vergangen der Winter. Sie waren heute nicht so produktiv gewesen. Erwartete wohl auch kaum jemand von ihnen. Wo sie wohnen? Wer will das so genau schon wissen. Die Passanten machen einen leichten Bogen um sie herum. Wollen nicht in Kontakt geraten. Die Leistungsgesellschaft schafft eben nicht nur Gewinner. Die, die hier tranken, fuhren keinen Audi Q7. Auch keinen 7er von BMW. Der eine oder andere hatte ein Fahrrad, schon etwas klapprig und verrostet. Für den Nachhauseweg. Oder für den Proviant. So ein Tag war lang und das eine oder andere Bier musste getrunken werden. Manchmal tranken sie auch stärkere Sachen. Aber nicht immer. Erst einmal ein Bier zum Spülen. Frauen waren keine dabei. Fast sahen die Männer zufrieden aus. Sie hatten keine Eile. Mussten keinen Zug erwischen. Den Bus brauchten sie auch nicht. Wer die Männer waren? Keiner wusste es so genau. Keiner wollte es wissen. Alle gingen vorbei. Langsam verfärbte sich der Himmel rot. Abendstimmung.
Die Knospen des Aprikosenbaums
Die Knospen des Aprikosenbaums
sind prall, kräftig scheint
der Mond in der Nacht, Kälte bringt
die Dunkelheit, Krokusse erblühen
in Gelb und Violett. Die Teeschale
steht bereit.
Aufgeräumt war die Vorstadt
Am Samstag sorgte die Waschanlage
für Ordnung. In langen Schlangen die
Woche über hineingedrängt in die Stadt.
Morgen für Morgen. Woche für Woche.
Das Glück hing am Kleingarten.
Thujahecke umrankt. Toskanastil.
Unterwegs vorbei an Logistikcenter.
Der Rasenmäher wurde im März
geprüft. Probelauf. Für alle Fälle.
Der Laubbläser vertrieb die Winterreste.
Die LKWs liefern von hier nach dort.
Käse. Öl. Autos. Tiere. Am Rand, vereinzelt,
ein Bussard. Wartet auf sein Frühstück.
An der Tankstelle noch schnell ein Coffee
to go. Daheim war die Zeit zu knapp.
Aufgeräumt war die Vorstadt.
Etwas mit Reis
14.03.2017
Noch schnell zum Einkaufen, bevor der Hunger kam. Die Sonne verschwand. Noch gab es den Tengelmann. Vor der Türe lungerte manchmal einer herum. Nicht die Welt. Jeder musste zu Geld kommen. Im Frühling war wieder mehr Saison für Gabensammler. Es gibt in der Stadt nicht nur Gewinner. In München fuhren eh zu viele mit einem Porsche herum. Franz fuhr lieber Fahrrad. Wie sein Großvater. Der hatte zwar auch ein Auto, ist aber selten gefahren. Lieber geputzt und in die Garage gestellt. Franz hatte keine Garage, brauchte auch keine. War früher auch gerne Käfer gefahren. Wie Großvater. Die Auswahl war angenehm überschaubar im Supermarkt. Es gab viel, fast zu viel an Auswahl, aber es hielt sich noch in Grenzen. Am liebsten ging er zum Markt. In der Au gab es einen schönen. Kaufte dann Gemüse, Käse, Fisch. Auch Wein, wenn es ihm nicht zu schwer wurde. Meist hatte er Packtaschen dabei, manchmal auch nur den Rucksack. Doch heut Abend wollt er was kochen, vielleicht Reis. Er musste sich noch umschauen. Machte seine Pläne meist erst im Geschäft. Ein paar Freunde wollten vorbeikommen. Mit Stäbchen aß er selten. Aber etwas mit Reis würde es werden.
Ausreißer, Grazer Wandzeitung
Jetzt sind ein paar meiner Texte, die auf der Wandzeitung „Ausreißer“ erschienen sind, auch online lesbar.
Giesinger Karstadt
Früher war Franz gerne in den Giesinger Karstadt gegangen. Hatten alles. Lebensmittel. Schrauben. Werkzeug. Staubsaugerbeutel. Zur Not sogar Kleidung. Hat Franz da aber nie gekauft. War um die Ecke. Immer was los. Man traf die Leute vom Viertel. Später wurde daraus ein Hertie. Hat aber nichts geholfen. Dann abgerissen. Der Bau war immer hässlich gewesen. Jetzt gab es viele Läden. Drogeriemarkt. Wollworth Ramsch und Tengelmann. Aber den gibt es ja eigentlich auch nicht mehr. Alles chic. Alles sah gleich aus. Ob die Läden in Laim waren oder Schwabing, in Haidhausen oder Giesing. Sah kein Mensch. Alles glatt. Glänzend. Poliert. Auch Giesing änderte sich. Normal für eine Großstadt. Doch die alten Leute wurden verdrängt. Die Mieten stiegen. Zum Glück gab es noch das Schuhmachergeschäft. In der Zugspitzstraße. Franz trug gerne Schuhe hin. Wenn der Absatz mal wieder neu gemacht werden musste oder was anderes fehlte. Altes Geschäft. Der Inhaber hatte nur vor Jahren gewechselt. Verstand sein Handwerk.