Rom – Rückkehr

Die Rückkehr aus Rom war nicht der Rede wert. Hatte den Flieger genommen. War billiger. Musste sparen. Essen gab es keines an Board. Zeitung auch nicht. Die Zeiten waren vorbei. Das Bordpersonal schien ihm auch weniger geworden. Reisen ging anders. Aber Franz hatte einen Termin. Musste sich beeilen. Mit dem Zug war er lieber unterwegs.

Am Kiosk

Die Verkaufsfläche ist klein. Der Kunde bleibt draußen. Und doch. Es gibt fast alles. Zumindest das, was man im Moment braucht. Zumindest fast. Wenn Franz an der Isar war, war der Gang zum Kiosk manchmal wunderbar. Für alle Fälle gab es einen Kaffee, gar nicht mal so schlecht. Zeitungen gab es sowieso. Wenn der Abend kam, gab es auch Bier. Zumindest erst dann für Franz. Rauchwaren sowieso. Das Eis war auch nicht so schlecht. An der Reichenbachbrücke wurde sicherlich reichlich Alkohol verkauft. Franz mochte schon Alkohol, aber nicht immer. Am Tag holte er eher eine Apfelschorle. Sein Gehirn musste ja noch arbeiten. Wenn er an der Isar war, kamen ihm oft gute Ideen. Die Wellen kamen und gingen. Der Fluss war immer neu. Angeschwemmt aus den Bergen die Wörter. Das Rauschen formte sich zu Sätzen. Drogen waren da unpassend. Der Verkäufer vom Kiosk war recht freundlich. Kannte ihn schon längst. Reichte ihm schnell den Kaffee. Manchmal redeten sie kurz. Über das Wetter. Über das Geschäft. Dann ging Franz weiter.

Die Heiligen drei Könige – März

Die Heiligen drei Könige sind längst wieder heimgereist. Die Freude über die Geburt verflogen. Beschwerlich die Heimreise. Das Kamel wollt nicht mehr recht. Auch der Esel war kaum noch zu gebrauchen. Auch auf die moderne Fortbewegungsmittel war nicht immer Verlass. Zug fahren war für Könige nie unproblematisch. Immer Winken und Grüßen  anstrengend. Aber sie liebten es. Einfach unauffällig gekleidet in die U-Bahn springen. Von der einen Station zur nächsten fahren. Von Stadt zu Stadt mit dem Zug. Ohne Gefolge. Wie früher. Wie damals. Ohne große Begleitung unterwegs sein. Sie hatten jetzt einen alten Bulli. Als Wohnmobil umgebaut. Ohne großen Komfort. Aber sie kamen überall hin. Wenn mal wieder eine wichtige Geburt anstand.

Rom IV

Franz sah nicht nur die schönen Dinge in Rom. Sah auch die übervollen Mülleimer. Die Obdachlosen, die immer mehr wurden, die Drogen, die die Sehnsucht nicht erfüllten. Die Piazza Vittorio war so ein Ort. Doch auch die Mafia war in Rom zuhause. Café Gatsby zum Verweilen. Auch für Sorgenkinder. Entstanden aus einem Hutgeschäft. Waren aus der Mode gekommen. Die Hüte. Natürlich tragen die Baristi Hut. Nicht immer ist mitten in Rom das süße Leben. Im Park das schnelle Glück. Danach die Tristesse. Franz mochte nicht nur das Glatte. Die Kerben erzählten oft die besseren Geschichten. Café Gatsby war so ein Ort. Coole Location. Kein Ort nur für Touristen.

Fernweh auf dem Balkon

Die Aussicht war grau. Oder weiß. Hin und wieder auch schwarz. Die gegenüberliegenden Balkone hatten sie alle. Oder zumindest fast. Wenn man genau hinschaute, nachzählte, blieb doch der eine oder andere Balkon übrig. Der keine hatte. Keine Satellitenschüssel. Gegen Fernweh. Für die Sehnsucht. Lieferten Programme aus der ganzen Welt. Auch deutsches. Sie liefen oft, die Fernseher. Gegenüber war immer was los. Zumindest auf dem Bildschirm. Oft sah man keine Menschen. Zumindest nicht auf dem Balkon. Nachts sah man die Farben gut. Die Farben des Fernwehs. Im Sommer konnte man das Fernweh auch gut hören. Dann war das Haus gegenüber lebendiger. Oder es schien zumindest so.

Der Adler bei der Jagd

Die Stellagen sind längst

leergeräumt, niemand verkauft

hier mehr Waren, Vögel fliegen

aus und ein, Mäuse hier

 

ihre Wohnung, manchmal verirren sich

Rehe und Hirsche bis vor der Türe

die Autoscouter wurden schon lange

nicht mehr benutzt, der Asphalt

 

grün, Betonwüsten hier und dort,

mitten im Urwald, das Riesenrad steht still.

Längst wieder heimisch geworden der Wolf,

auch Bären können gesichtet werden.

 

Seit damals leben hier keine Menschen

mehr, die Elche erfreuen sich der Ruhe

Menschen stören jetzt nur noch selten

den Adler bei der Jagd.

 

Rom III

Eingebettet zwischen den Hügeln die Stadt. Oder doch eher zwischen den hohen Häuserschluchten. Der Fisch in der Auslage hatte noch den Geruch des Meeres. Am Abend wurde groß aufgekocht. Gäste kamen. Ein größeres Essen. Schon seit Stunden war die Pasta geknetet. Franz kaufte für die Vorspeise noch Tintenfische. Nach der Pasta würde es auch noch Fisch geben. Gemüse musste er auch noch kaufen. Der Frühling war noch jung in Rom, die Auswahl war noch nicht ganz sein Geschmack. Zum Glück blieb der Tiber allein. Brot würde er um die Ecke kaufen, nicht vom Markt. Lange begutachteten die Käufer die Ware, bevor sie sie nahmen. Redeten über die Vor- und Nachteile, tauschen Rezeptvarianten aus. Römer redeten nicht nur über das Wetter. Sie redeten auch über das Essen. Dann redeten sie wieder über das Wetter. Schließlich über Politik. Oder Fußball. Aber am liebsten über das Essen. Beladen fuhr Franz in die Wohnung zurück. Er hatte schon Hunger.

Der Wind im Gesicht

09.03.2017

Wenn Franz in Rom war, ging er gern ins Pantheon. Das Licht gefiel ihm. In der Renaissance wurden dort Maler begraben. Raffael. Auch seine Verlobte.Die Rotunde hatte für die Antike gewaltige Ausmasse. Nicht weit entfernt war die Engelsburg. Gern schlenderte Franz auch dorthin. Aber nicht, weil sie besonders schön war. Er fand sie eher hässlich. Er mochte ihren Namen, Castel Sant’Angelo, auch ihre Geschichte. Mal Mausoleum gewesen. Grab führ viele Kaiser. Dann Fluchtburg. Päpste verschanzten sich hier bei Gefahr. Der Vatikan ist ja um die Ecke. Diente auch als Gefängnis. Zur Zeit der unheiligen Inquisition. Aber Franz liebte mehr das Leben in der Stadt denn die Sehenswürdigkeiten. Lief abseits der ausgetretenen Pfade, streifte durch Parkanlagen und durch alte Kirchen, ging in eine Bar für einen Kaffee, setzte sich in den Schatten eines Hauses und las und schrieb. Fuhr ein paar Runden auf dem Roller, mochte den Wind im Gesicht, freute sich auf das Gewühle vor der Ampel, die kindische Freude der Römer am Gestank. Manchmal lies er sich treiben, fuhr raus aus die Stadt, fern des Gewimmels. Genoss die plötzliche Ruhe. Im Sommer war er schon lange nicht mehr in Rom gewesen. Zu viele Touristen. Zu viele Verkäufer. Zu viele Bettler. Zu viel Fastfood. Am Abend wollte er gut Essen gehen.

endlos der vögel gesang

in der früh endlos der vögel gesang,

verborgen die sonne scheint.

 

im osten taget´s, die wolken ziehen

geschwind, der silberstreif

 

verschwunden,  vereinzelt nur lichter,

schläft die Stadt.

Fernweh gepackt

Franz hatte das Fernweh gepackt. Heute Nacht würde er nach Rom fahren. Roma Termini. Hatte einen Liegewagenplatz gebucht. War früher öfters über Nacht nach Italien gefahren. War früher bequemer gewesen. Jetzt musste er umsteigen. In Arezzo. Kein Problem. Der Zug ging um 20.10 Uhr. In der Früh würde er in Rom sein. Die Deutsche Bahn schickte keine Liege- und Schlafwägen mehr über Nacht auf Reisen. Machten jetzt die Österreicher.  8.35 Uhr war gerade recht. Ideal für ein Frühstück in der Bar. Ging nicht mehr über den Brenner. Unweit vom Pantheon gelegen im Caffé Sant Eustachio würde er seinen Kaffee trinken. Dort gab es wunderbaren Kaffee. Er traf sich dort mit einer Freundin. Sie lebte schon lange in Rom. Sie hatte ein Gästezimmer, welches sie gerne an Freunde vermietete. Franz war gerne dort. Für ein paar Tage den Frühling in Rom spüren. Manchmal lieh er sich einen Roller und fuhr durch die Stadt. Oder lief zu Fuß. Ein Stück mit dem Bus. Im Frühjahr war Rom noch nicht so voller Touristen. Man konnte die Stadt noch eher geniessen.