Die Pampelmuse

Für U. R.

Oh, wie schön der Name und ach wie bitter der Geschmack

gehasst von mir als Kind, wenn der Opa sie aß

viel zu sauer, die Pampelmuse und doch

sie duftet so herrlich und war so wunderbar groß.

Eine alte Dame ist Frau Pampelmuse und doch sehr fein

anders als die viel modernere Grapefruit, die viel

zu dick aufträgt. Doch traurig ist die Pampelmuse, kennt

sie fast keiner mehr, nicht mehr zu finden im Regal und

auch auf dem Markt macht sie sich rar, nur ihre Kinder,

die Orangen und die Grapefruits hüpfen haufenweis herum.

Hier und dort ist sie noch da und erzählt

von ihrer alten Heimat, wie sie kam zu diesem wunderbaren

Namen, nein, nicht von der Suse stammt die Pampelmuse.

Aber Suse, kauf mir eine, eine Pampelmuse.

Vorbei die Kirschblütenzeit

Die Kirschblütenzeit vorbei schon

das erste Frühjahrsglück, die Japaner

gehen wieder den gewohnten Gang, doch

wie groß die Freude, wenn der Gärtner

sieht, wie Früchte sind am entstehen

noch klein und zart und grün, weit

noch entfernt von der himmlischen Frucht.

Doch mein Mund erwart´es kaum die

roten Früchte zu spüren. Die Kirschen

im Garten, so wunderbar sind, die

Zeit der Kirschen kurz. Die Kinder

lieben die Kirschen am Ohr, die

Verliebten gar auch.

Le Temps des Cerises, ein kurzes

Glück, in Paris gewesen, auch

heut noch sehnsuchtsvoll der

Gesang

Eisheilige

Die Heiligen können kalt sein im Mai, ich hätte Handschuhe anziehen sollen auf dem Rad, die Bäcker in der Stadt sind meist nur noch Großbäckerfabriken, nur selten findet sich noch eine Bäckerei, in der Menschen Brot herstellen für Menschen, doch es gibt sie noch, diese Handwerker, die mit ihren Händen Brot kneten, Oberarme wie andere Oberschenkel vom Tageswerk, der Flieder umschwirrt auch in der Maikälte die Nase, schwere Süße, kein Duft für ein Parfüm, kein Duft, hätte auch am Abend Handschuhe anziehen sollen, Pfingstkälte, Eisheiligen ihr, dabei heut doch schon vorbei eigentlich, schon der 16. Ist, gibt es neue Eisheilige? Rosen warten noch auf ihren Auftritt, Blüten wollen balde kommen, in der Ferne rauscht der Zug, die Vögel schlafen längst

Opel Manta, Serie A

Manchmal haben Autos die falschen Namen, manchmal. Gesehen, ein altes Auto, ein Blitz in Orange, entsprungen einer anderen Zeit. Nicht gekannt das Fabrikat von der Ferne. Ein Italiener? Ein Amerikaner? Ein sportlicher Keil, elegant, wenig Chrom, schmale Linie. Beim Hingehen sichtbar, unvorstellbar, kein Italiener, kein Amerikaner, auch kein Franzose oder Brite. Opel, nicht zu fassen. 1900. Opel. Aus den frühen 1970er. Und, noch schlimmer. Manta. Kann nicht sein. Doch. Kein Betrug. Formvollendet schön. Schwarze Ledersitze. Aufgeräumtes Cockpit. Opel Manta, Serie A. Über vierzig Jahre her. Sie konnten schöne Autos bauen. Verlernt. Der Name? Verbraucht. Manta? Schlechter Witz.

Von New York nach Berlin

Amerika ist ein fernes Land. Nicht nur die Todesstrafe scheint aus der Zeit gefallen zu sein. Auch der Glauben hat doch besondere Spielarten. So auch der jüdische. Die Satmarer, eine ultraorthodoxe Gemeinde, nach der Soah gegründet, leben in New York eine besonders eigene Form der Strenge. Arrangierte Ehen, Sexualität als Tabu, die englische Sprache verpönt, Bücher verpönt etc. Um eine zweite Soah zu verhindern. Die Schriftstellerin Deborah Feldman ist dieser Welt entkommen. Ihr Leben abenteuerlich. Die Ehe ihrer Eltern war arrangiert, ihr Vater geistig behindert, die Ehe ihrer Eltern scheiterte, die Mutter outete sich später als Lesbe. Verstoßen von der Familie lebt die Autorin nun in Berlin, mitten in einem Stadtteil mit vielen Muslimen. Das Leben als Roman. Von New York nach Berlin.

Infantino und die Ethik

Wenn einer nach einem Skandal gewählt wird und neuer Chef wird, dann vermutet man, dass dieser den Skandal aufräumen, aufklären will. Verdankt der neue Chef doch dem Skandal erst seinen schönen Posten. Wenn einer Sepp Blatter nachfolgt, gäbe es genug zum Aufräumen. Doch Infantino sieht wenig Bedarf nach Aufklärung, womöglich hat er selber genug Sorgen, so dass eine funktionierende Ethikkommission nicht in seinem Interesse liegt. Erinnert schwer an Blatter, oder aber auch an VW und Co. Selbstreinigung ist aus der Mode gekommen. Die Staatsanwaltschaft muss es richten.

Abend in Arles

Als er an kam in Arles, mit dem Zug am Bahnhof, er suchte seine Herberge auf, es war früher Morgen, Nebel lag über der Stadt, er machte sich frisch, zog neue Kleider an, legte sich zur Erholung kurz auf das Bett, um dann in einem Café ein Frühstück einzunehmen, ein kleines, ortsübliches. Entlang lief die Rhone, so schön roch sie nach dem Meer, das noch nicht erreichte, erzählte Geschichten voller Sehnsucht. Ins Zentrum er ging, umrundete die Arena, ein Relikt der Römerzeit, Amphitheater. Kaufte eine Karte für den Abend. Stierkampf in der Arena. Keine Gladiatoren. Stiere. Van Gogh war schon lange nicht mehr hier. Grosse Ferias. Aufregung in der kleinen Stadt. Hitze und Aufregung. Der Abend kam schnell, er war froh unter den Menschen zu sein, gefüllt die Arena, ein Fest. Auf weißen Pferden die Reiter ritten herein, die Stiere bunt geschmückt. Fern der Einsamkeit freute er sich, die Fremden neben ihm freuten sich. Gladiatoren waren keine da, van Gogh schon lange nicht mehr hier gewesen. Morgen wollte er zum Meer. Morgen.

Hosentaschen

Vielleicht sollte man ja auch die Wörter lieber in Hosentaschen füllen. Keine Steine, Matchboxautos, Taschenmesser. Wörter. Für unterwegs, für auf der Straße, für im Bus, auf der Wiese, für wenn man im Baum sitzt und wartet. Einfach die Wörter in Hosentaschen. Es gibt ja Hosen mit kleinen, aber auch welche mit großen Taschen. So kann man schon am Morgen geschickt wählen. Braucht man für den Tag mehr oder weniger Wörter? So hat man dann immer die Wörter in der Nähe, kann reingreifen und eins hervorholen, wenn man es braucht.

Wörter in Kopfkissen

Für L.Z.

Wenn die Wörter ins Kopfkissen gefüllt werden, anstelle der Daunen, wie muss man wunderbar liegen. Die Nächte werden voller Träume, der Kopf findet die schönsten Geschichten. Die Feen schütteln die Wörter, die Kobolde verpflechten sie, der Koch macht eine wunderbare Mitternachtssuppe daraus, für wenn erwacht von unruhigen Träumen, die Engel singen ein himmlisches Lied. Ach wie erlabend der Schlaf, wie schön die Erinnerung an all die Geschichten. Am Morgen frisch und munter die Geschichten im Ohr an den Tisch gesprungen, alles notiert.