Mittagshitze

In der Mittagshitze

dösen die Katzen unter den

Olivenbäumen

hin und wieder wechselt

eine den Ort

die Grillen scheinen der Hitze

gut gewachsen zu sein

Eidechsen lugen

hervor.Wenn Wind aufkommt

wird die Sonne erträglich,

erst später erwacht das Leben

noch ruhen die Geschäfte

im vollklimatisierten Auto

auszusteigen widerstrebt

dem jungen Italiener

erst noch wird

telefoniert. Im Schatten

der Bar wird über Fußball

diskutiert. Eine Melone

fällt beim Transport

entzwei, matschiger

rot Brei hinterlässt

der LKW-Reifen.

Schon nahen die Ameisen

 

 

 

Lieder in der Nacht

Gelauscht dem Mond
den Sternen, leise sangen
sie ihre Lieder, der Wind
von Fern gab den Rhythmus
die Bäume raschelten im Takt.
Die Vögel längst schon schliefen
nur das Wasser rauschte leis
müde schien der Fluss
der Mond strahlte bei seinem Gesang
ich träumte, ich sei Schubert
und komponierte am Klavier
eine Melodei, für Mond
und die Sterne, mögen sängen
in der Nacht, der lauen,
der schönen, der warmen
von der Liebe sie sangen
und von Leid.

Der Bleistift

 

Kurz schon der Bleistift, kurz

am Ende ein Radierer, doch
welche Wörter soll er
die berühmten Schriftsteller
haben mit fast so berühmten
Schreibmaschinen geschrieben
jeder einzelne Buchstabe eingehämmert
in das eingespannte Papier.
Man hört, es sei wieder in Mode gekommen
das Schreiben auf einer Schreibmaschine.
Im Keller steht sie noch, meine Reiseschreibmaschine
nicht berühmt, längst vergessen, aus
der Mode gekommen. Die Dichter heute
stellen ihre Schrift lieber digital, kein
Hämmern mehr, doch der Bleistift
ist mir lieb, wird kleiner mehr und mehr
will gespitzt werden, liegt in der Hand
und wartet auf die Wörter, Wörter, die geschrieben
werden wollen

Die Asseln

Wenig geschätzt. Leicht auf dem Kompost zu finden. Oder im Gewächshaus. Oder unter dem Blumentopf. Die meisten Menschen würden sie wohl nicht als schön bezeichnen. Zahlreiche Beine bewegen ihren Körper. Vom Meer kommt sie her, kaum zu glauben. Weg vom Meer zur Landassel verwandelt, besitzt sie immer noch die Kiemenatmung. Dies führt zu der eigenen Lebensart, sich gerne im Feuchten aufzuhalten. Sie haben eben immer viel Sehnsucht nach dem Meer. Kaum liegt im Garten ein Blatt herum, wollen sie sich darüber hermachen. Auf dem Kompost eben, oder auch im Gewächshaus, wenn der Salat ein Blatt hängen lässt oder eine Tomate vom Strauch gefallen ist. So ist sie nah beim Menschen, doch wenig geliebt von ihm. Doch ihm Unterschied zur spanischen Nacktschnecke, die machen Gärtner in die Raserei treibt, bleibt sie vom Menschen meist verschont, verschont sie doch das gesunde Grün.

Kinderglück

Neulich

kam Karlsson

vorbei.

Ich flog

mit

Hand

in Hand

über die Dächer

Weit weg

Nun sitzen wir

oben

und schauen

auf euch herab

Die Wirklichkeit

Wenn für Heiner Müller die Aufgabe von Kunst darin besteht, die Wirklichkeit unmöglich zu machen, stellt sich die Frage, wenn Kunst Erfolg hat und überall Kunst ist, in welcher Wirklichkeit wir dann leben. Oder ist die Wirklichkeit dann keine Wirklichkeit mehr? Aber was ist dann an die Stelle der Wirklichkeit getreten? Die Unwirklichkeit? Ist dann alles Traum, Fantasie? Oder ist die Wirklichkeit nur konstruiert, also gar nicht real? Und wer am Kunstwerk wirkt, erwirkt nur der Wirklichkeit oder kann, wer am Handwerk wirkt, auch Wirklichkeit erwirken?

Das Augsburger Theater

Zwischen den Radieschen und dem Sellerie, zwischen Suppenhuhn und Hühnerei, zwischen Weinbergkäse und alten Gouda kann man auf dem Markt hinschlendern, hier und dort etwas mitnehmen, es sich gut gehen lassen. Dass das Augsburger Theater die große Bühne schließen muss, interessiert hier niemand. Und welcher Augsburger interessiert sich schon für Thomas Bernhard? Der war bekanntlicher Weise kein Augsburger, anders als Bertolt Brecht. Dafür sagte er schöne Sachen über die Stadt. „Morgen Augsburg“? Was könnte Bernhard dem Schauspieler schlimmeres sagen lassen in „Die Macht der Gewohnheit“. Welch Grauen für einen Theaterspieler. Da haben die Theatermacher dann ab der nächsten Saison wohl großes Glück. Die große Bühne gesperrt, eine Ausweichbühne nicht in Sicht. So kann der Schauspieler beruhigt um Augsburg einen Bogen machen.

Über die Toleranz

Für Voltaire ist die Toleranz die Menschlichkeit überhaupt. Ausgehend von der Hinrichtung des Johann Calas hat Voltaire sein Buch über die Toleranz verfasst. In Zeiten des Hasses auf die Hugenotten wurde Calas, dessen Sohn unter seltsamen Umständen erhängt im Elternhaus aufgefunden wurde, des Mordes an den eigenen Sohn bezichtigt, da er vermeintlich verhindern wollte, das sein Sohn zum Katholizismus konvertiert. Johann Calas wurde grausam gefoltert, man brach ihm Arme und Beine, flößte ihm Unmengen Wasser ein, erdrosselte und verbrannte ihn, doch Johann Calas beteuerte bis zuletzt seine Unschuld. Voltaire setzte sich für die Unschuld von Johann Calas ein und erreichte nach langem Hin und Her, das der König das Urteil aufhob und in einem zweiten Prozess posthum freigesprochen wird. Der Hass zwischen den christlichen Religionen ist heute eigentlich unvorstellbar. Und doch war die Intoleranz zwischen den Protestanten und Katholiken groß, Kriege wurden geführt, Blut vergossen. Die Toleranz zwischen den Religionen scheint heute oft fern und doch unabdingbar für die Menschlichkeit.

Über den Fanatismus

Für Voltaire ist der Fanatismus eine beinahe unheilbare Krankheit. Hat das Gehirn einmal davon Zuviel abbekommen, ist das Gehirn verseucht davon, ist Besserung kaum zu erwarten. Die Deutschen kennen genug Beispiele und auch die Franzosen. Die Bartholomäusnacht ist ein grausames Beispiel für religiösen Fanatismus. Eine Nacht der Barbarei, von Christen an Christen begangen. Als Dank für das viele Blut, welches in Paris, aber auch in ganz Frankreich floss, ließ Papst Gregor XIII ein Te Deum singen und eine Gedenkmünze prägen. Das Hals abschneiden des Anderen um in den Himmel zu kommen. Fanatismus. Fern der Toleranz.

Zwei Literaturkritiker

Verbunden in wunderbarer wertschätzender Abneigung, gerne wurden sie laut, wenn sie sich trafen und dies war nicht immer vermeidbar, hielt doch der eine und der andere sein Gesicht gerne in die Fernsehkamera, verriss gerne der eine Literaturkritiker den anderen. Welche glückliche Fügung, besaßen beide Kritiker Hunde. Kleine wohlerzogene Wesen, kultiviert. Als sich eines Tages der eine Hundebesitzer auf seiner täglichen Gassirunde befand und den anderen Hundebesitzer traf, da biss ein Hund dem anderen ein Ohr halb ab. Welche affektvolle Handlung. Etwas, was der eine Literaturkritiker dem anderen nie antuen würde. Sie sind ja gebildet und wohlerzogen. Nicht bekannt ist, ob der Hundebesitzer, dessen Hund nun ein Teil seines Ohres fehlt, auf Rache sinnt.