
Amaryllis


Baudelaires Sterne nicht gefunden beim
Gang durch die Stadt, Wolken, nichts als
Wolken am Firmament, nicht geliebt diese
Wolken, nicht geliebt, wollt die Sterne
erblicken über den Straßen von Paris.
Verloren. In der Dunkelheit.
Verloren. Schwarz der Himmel. Pechrabenschwarz.
Durchs Mark zieht das Geheuel
der Wölfe. Die Sterne
nicht gefunden.


wenn die nacht am tiefsten ist, nicht enden wollend
schon früh gehen wir zur ruh, die sonn´
wendet sich, welch vermessen, nimmt sie doch
nicht ihren lauf
wenn die nacht am tiefsten ist, die lichter brennen
gegen das dunkle an, auf der ofenbank
gewärmt die neuesten wörter zwischen dem knisternden
holz und der heißen glut
wenn die nacht am tiefsten ist, die schweren
schuh des wanderers zum wärmen, das gesammelte
schweigen wäre gold wert, heinrich böll kam
nur bis sparta, der engel schweigt
wenn die nacht am tiefsten ist

chanukkia-leuchter frisch poliert, bald
beginnen würde das lichterfest, schwer
gefüllte einkaufstüten füllen die straßenbahn
schwere nebelwolken drücken auf die
häuserdächer, weihnachtsmänner vom
studentenwerk haben ihre mützen längst
verloren, unendlich lang schien die nacht
der wintersonnenwende, kahle bäume
stieren dich an, bald beginnen würde das
lichterfest, neu der tempel errichtet
auf der wiese blühen keine krokusse
am fenster grüßt dich der christstern
bald beginnen würde, bald

die fleischerhaken im kühltransporter
leer, murmeltiere haben das weite
gesucht, verrutscht der wörter hall,
keine milch gibt heut die ziege, ein
lächeln läuft über dein gesicht
blätter verloren im dezembersturm
die buchenhecke, längst entzweigerissen
dein herz, verflogen im föhn der tage, im
regal des vorratkellers die ernte
des mirabellenbaumes unaufgeräumt
stapeln sich die blätter, die
morgengymnastikfindet täglich
im kopf statt
