
Alt die Klostermauern


Gelangweilt den James Bond an
die Wand geknallt, Zaubersprüche
haben schon lange nicht mehr
geholfen, verdeckt vom Morgennebel
liegen die Hügel, Katzen gehen noch
schnell nach Hause, die Spiegel an der Wand
längst matt, Spinnweben zieren das
Fenster, im verwachsenen Garten
küssen sich die Amseln, längst auf der
Schlachtbank gelandet sind die Kühe, das
graue Haar gehört geschnitten, sagt die
Enkelin, die nach dem Rechten schaut

Eisblumen abgeschüttelt im
Spätsommer, Wolken jagen Wolken am
Abendhimmel, noch wartet der Mais
auf seinen Drescher, längst eingefahren
das Korn, gäbe es hier Bären, würden
sie ihren Wintervorrat sich anfressen
bei der Eisdiele sind die Warteschlagen
längst abgebaut, Küsse mit
Zitroneneis jagen dir immer noch
einen Schauer über den Rücken
Eisblumen abgeschüttelt

der vorstadthölle nicht entkommen
reihenhaus an reihenhaus, am
samstag wird der rasen
gemäht, die schläge hinter
den gardinen sieht keiner
keiner will die schreie hören
über den genuss hinaus wird alkohol
konsumiert, nach außen hin
die heile welt gezeigt, alles
in ordnung, die kinder sind
pünktlich in der schule, blos
nicht auffallen, wochenende sind
das fegefeuer, ferien die steigerung
die lange reise durch die nacht
ein nicht enden wollender
alptraum für die heilige familie


dolce far niente
niente. groß oder klein. nach dem sturm ist vor
der ruhe. bloß keine eile jetzt. niente. rom
ist nicht weit. über den brenner. vielleicht einen
zwischenstopp am lago di garda. zur übung. damit man
nicht ohne vorbereitung ankommt. auch bolzano würde
sich anbieten. man könnte auch gleich auf die autostrada
verzichten. später am arno einen spaziergang machen
dolce far niente ist nicht so leicht zu haben. da muss man zeitig
anfangen. du sagst, die italiener hätten keine zeit mehr dafür?
