ruderboot

unter die erde haben sich die stauden
zurückgezogen, warteschleife, die münzen
fallen in den klingelbeutel, entzücken über
schönberg, die bremsen des fahrrades
heruntergekommen, für melancholie hat der
november keine zeit, leichter westwind
verzieht die nebelschwaden, rothkos orange
fließt ins glas, blutige küsse der nacht
dornenhecken geschleift, seichte wellen nur
treiben ans ufer, der zander will nicht an
den hacken, verlassen liegt das ruderboot

abgeräumter Acker

aus der Kammer entsprungen, Lexikaartikel
gewälzt, Rotkehlchen saß in der Ligusterhecke
Brosamen verloren auf dem Weg, der Nachtnebel
zog in unsere Glieder, Alexander Kluge rauchte
noch eine Zigarette, sorgenvoll sein Blick
angegriffen die Zeit, blutrotes Blätter flogen
uns um die Ohren, schwer die Schritte über dem
abgeräumten Acker, der Fasan segelte davon

Nachtvögel

früher fuhr der Eismann im Winter in den
Süden, in der Eisdiele wurden dann Lebkuchen
verkauft, kein Grau zeigt der Novemberhimmel

tizianrot glänzen dein Locken, Geranien vor
den Fenstern verräumt, noch stehen die
Christbäume im Wald, Äxte frisch poliert, tiefergelegt

rauscht der Dreier um die Ecke, Nachtvögel
abgehangen, Kasseiopeia grüßt aus dem geöffneten
Fenster, Kurzhaarschnitt, keine Spur von Sorgen

Allerseelenbrot

und hast das Allerseelenbrot gegessen, leerer
Kopf in der Nacht, düstere Schreie im November
die Meisen verschmähen die Brotkrumen, offenes
Fenster für die Flausen, Wackersteine im Magen
schleppt sich der Wolf, still liegt der Friedhof
Nieselregen legt einen Schleier, Rothkos Gelb wärmte
das Herz, zerknülltes Papier lag auf dem Schreibtisch

verloren die spuren des sommers

verloren die spuren des

sommers, frierend stehen die

sonnenblumen zwischen den

anemonen, der wind peitscht

die wolken voran, freibäder

verweist, nur hier und da

kämpfen radfahrer gegen die

frühen gewalten, den letzten

pfirsich vom baum geholt

kalt sein fleisch zwischen

den zähnen, die kornelkirschen

grüßen rot gegen den regen

whitmans captain längst

vergangen, das schiff woanders

Frühstücksmilch

Gierig die Frühstücksmilch getrunken. Haubenlerchen
abgezogen. Kalenderblätter aus vergangenen
Zeiten. Gestutzt hast du die Dornenhecke. Hügel
für Hügel nähern wir uns den großen Bergen. Gelb

gefärbt winkt der Ginko im Morgenwind. Novembernebel
verzogen. Sonnenstrahlen leuchten in deinen Augen
ruhig liegt noch die Stadt, sanft schiebt der
Fluss die Kiesel, verflogen, davon.

Sanddorn

Libellen flogen nicht mehr über dem See, weiße
Farbe hatten die Bergspitzen aufgelegt, Almabtrieb
vorbei, feuchte Wiesen lagen um das verlassene
Schloss, längst das Weite gesucht hat die Prinzessin,

die Kühe sehnten sich nach der Weite, wir sammelten
den Sanddorn mit spitzen Fingern, leere Acker zeigten
ihre tiefen Furchen, unsere Badelaken hatte wir im
Schrank verräumt, kalt unsere Wangen sich berührten