
ein Reserverad ist manchmal nicht verkehrt…



der frühe Schnee fraß die Rosen, umgeknickte
Sonnenblumen weinten um den Sommer, übermütige
Kinder beim Schneemannbauen, wolkenverhangenes
Firmament, über jeden Tropfen freute sich der
Lech, gefüllt der Samowar, keine Eulen in Athen
gesehen, nach Tula ist die Reise weit, Bitterkeit
in der Frühe, das Ende des Buches hinausgezögert
Hufe schwingende Zugvögel längst das Weite gesucht

Fahrenheit hatte andere Temperaturen gemessen
Seifenkistenrennen gingen immer. Entlaufen den
fallenden Blättern, der Orang Utan lief in Borneo
Hand in Hand, Sorgenfalten auf der Stirn
feuerrot lachten seine Haare, von weitem grüßte
die Bergkette, nicht zu Ende ging der Regen
Rituale lagen in der Schublade, Hand in Hand
gingen wir durch den Regen. Ich küsste deine Stirn
Franz hatte keine Revolution erwartet bei der Landtagswahlen in Bayern. Doch auf ein wenig Veränderung gehofft. Würde sicher noch kommen. Diese Veränderung. Auf den Verbleib von Seehofer in der Politik würde er nicht wetten wollen. Doch Schicksalswahl ging anders. Auch in Brasilien würde wohl nicht eine Schicksalswahl stattfinden. Wie schlimm auch immer die Ergebnisse ausfallen würden. Manche Gesten waren zutiefst sonderbar. Die Geste, ein Maschinengewehr in der Hand zu halten, erschreckend. Veränderungen standen wohl an. Verabscheuungswürdige Politiker fand man leicht, es war in Mode, die Demokratie mit den Füßen zu treten.
Die Wahl in Hessen wird sicher spannend. Franz war schon darauf gespannt. Es war nicht ausgemacht, welche Regierung es geben würde in Hessen. Berlin würde sich sicher auch verändern. Doch das Schicksal hing davon wohl auch nicht ab. Das Orakel, welches auch immer, könnte man befragen. Die alten Griechen taten dies. Frau Merkel würde aber nicht Schicksalsgöttin spielen. Nur die Wähler würden wählen. Das Land würde sich ändern. So oder so. Jedes System ändert sich. Franz liebte die Veränderung. Doch Veränderungen waren für Franz kein Schicksal. Morgen würde kein Gott in die Wahl eingreifen. Vielleicht würde Frau Nahles sich ärgern. Oder Frau Merkel. Doch dies wäre nur das Ergebnis der Wahl. Kein Schicksal. Vielleicht würde Seehofer endlich mehr Zeit für seine Eisenbahn haben. Vielleicht.

Schwer stand die Kasserolle auf dem Herd, beim
Metzger das Kalbfleisch, Bücher lagen auf dem
Rücken, Staub legte sich hier und da, mit
scharfem Messer die Tomaten, verloren hatten
sich die Tropfen des Herbstregens an dem Küchenfenster
Mozarts Klarinettenkonzert drang warm ins Herz
erzählt wurde das Vergangene und Kommende, an
Schlaf noch lange nicht zu denken, im Kühlschrank
wartete noch das Dessert, deine Küsse waren schneller
Der Herbstwind zog in die Jackentasche, lila Astern
in Seidenpapier unter dem Arm, Marcellos Oboenkonzert
lässt die Regentropfen hüpfen, laufe zurück und im Kreis
der Abendstern schick keine Grüße, Friedhof herausgeputzt
dahingezerrt die Liebe scheint, Schnee wird noch nicht
kommen, vereinzelnde Rosenknospen erblühen ein letztes
Mal, verlassen stehen die Fahrräder an der Häuserwand, wir
tanzen noch einen Tango im Regen
