wunde Lippen

die Himmelfahrtstage versäumt, ins Gesicht schlug
das Wasser des Sommers, unter den gebeugten Bäumen
gingen wir geschwind, engumschlungen, wunde Lippen
Krähen krähten noch nicht ihr Lied vom Fressen

Marillenknödel auf Nacht, Sterne beschienen
noch warteten die Winterstiefel auf ihren
Einsatz, der Mond hell, der Aufgang der Sonne
unendlich weit, wunde Lippen

wenn die gestirne kommen zu uns

später kommen die gestirne zu uns, später
noch breitet die linde über uns ihr dach aus
unsere zungen überschlagen sich vor glück
später laufen wir die alte allee runter, die
gesammelten blumen in deiner hand, später
wirst du sie zwischen bücher pressen, laut
juchzt das alte klavier, dein notizbuch wird
voll werden heute nacht, später, später
wir werden liegen engumschlungen, später
wenn die gestirne kommen zu uns

Christbaumkugeln rollen aus den Regalen

kurz geschnitten der Liguster. umkurvt
hast du die Löcher im Asphalt, Nelken
längst verwelkt, aufgebrochen sind die
Sommervögel, deine Strähnen aus der Stirn

Christbaumkugeln rollen aus den Regalen
der weggeblasene Nebel liegt im Keller
und wartet auf Auferstehung. Längst
weggespült hat der Fluss den Sommer

unter den steinen vergänglichkeit

die insekten ließen wir nicht durchs
fenster. frühstück ging anders. brillengläser
waren noch ungeputzt, die zeitung wartete
küchenmöbel harrten der polierung, blassblaue

astern winkten in die küche, auf dem friedhof
wurde alles gerecht, das ewige leben wollte
nicht mehr warten, bachs fugen frisch
gestriegelt auf klavier, dein blutdruck

driftete in den keller, später ließen wir
die fliegen doch herein, unter den steinen
die vergänglichkeit gesehen, schon
der morgenhimmel blutrot, wolken vertrieben