gegorene Äpfel

Die gegorenen Äpfel auf dem Kompost mundeten den
glücklichen Kühen. Beschienen von der untergehenden
Sonne tanzten sie über der Wiese. Der Nachbarjunge
lief mit seinem Drachen davon. Ungelesen noch die

Tageszeitung. Das später gereichte
Futter verschmähten die Vierbeiner ein wenig.
Mit Zufriedenheit trollte der Hund sich unter
den Küchentisch. Der Jungbauer kurvte stolz

mit seinem Fendt grüne Kurven über dem Hof,
Feierabendbier auf der Bank. Später gab
es Bratäpfel. Da schliefen die Kühe schon längst
im Stall. Die Küche war gefüllt.

Morgenfrost vertrieben

Im Herbst den Frühling gesucht. Als wäre
das Paradies um die Ecke. An den Bäumen
süße Orangen. Primavera. Botticelli ließ
die Frauen tanzen. Das Herbstlaub raschelt

unter den Füßen. Die Venus lungert auf der
Parkbank herum. Als wäre sie nicht abgeholt.
Morgenfrost vertrieben durch die Strahlen
der Sonne. Eingemummt die Radfahrer durch die

verlorene Stadt. Das Bleiben vergeht. Das
Vergehen bleibt. Risse zeigt der Asphalt.
Opernarien gegen die Stille. Verdichtetes
Leben gegen November.

Alleenbäume

Alleenbäume umkurvt, die alten Kastanien haben
ihr Früchte abgeworfen, Goulds krummer Rücken
über dem Klavier, hastig heben die Kinderhände
auf, Drachen sind keine zu sehen, Felder leer

daliegend, seine Stirn legt sich in Falten
kühl der Wind pfeifend, Wollmützen werden
über die Ohren gezogen, in der Küche Tee
und heiße Schokolade, das Service der

Großmutter hatte ein rotschwarzes Karomuster
der Henkel der Kanne notdürftig geflickt
die Allee gibt es nicht mehr, längst gewichen
der neuen Straße, alte Wurzeln herausgerissen

Hirschgeweih

Pakete lagerten beim Nachbarn, Baumstämme
abgeklopft, noch lange würde der Geigenbauer
warten müssen, nicht weichen wollende
Nebelwolken am Nachmittag, im Wiener Wald

liegen schon lange keine Hendl mehr auf
dem Grill, stolz trägt der Hirsch das Geweih
in der Früh, Vivaldis Sonata E minor
vertrieb den Herbst nicht, noch länger musste

er warten, unter den Füßen Blätterwald, aufgeräumt
die Freibäder, die Hände strichen müde über
das Cello, über Besuch freuen sich die greisen
Nachbarn, schon längst gebeugt der Rücken

Kürbissuppe

Zwischen den milchigen Bäumen des Herbstes
radelte er schnell, La Donna è mobile, nur
noch vereinzelt grüßten Sonnenblumen über den
Zäumen, lilafarbene Blumen hatten die Überhand

im Park verweilte niemand mehr gern
verzweifelt kämpfte der Gärtner mit dem
Laub, Cabrios ließen ihr erdenk geschlossen
Regentropfen kullerten in deinen Nacken, die

Härchen sträubten sich, zerschnitten lag
der Kürbis, später würdest du Ingwer, ich
küsste diesen Nacken, uns wärmen würde
die Suppe, an Essen war noch nicht zu denken

wunde Lippen

die Himmelfahrtstage versäumt, ins Gesicht schlug
das Wasser des Sommers, unter den gebeugten Bäumen
gingen wir geschwind, engumschlungen, wunde Lippen
Krähen krähten noch nicht ihr Lied vom Fressen

Marillenknödel auf Nacht, Sterne beschienen
noch warteten die Winterstiefel auf ihren
Einsatz, der Mond hell, der Aufgang der Sonne
unendlich weit, wunde Lippen