Einige Gedichte müssen nun die Werkstatt verlassen. Sie finden in Wien eine angemessene Heimat. Ihnen wird es dort sicher gut gefallen.
Autor: orangeblau
Der Clown singt einsam seine Lieder #2
Böll auf der Domplatte versenkt. Köln schwankt.
Einer ist immer der Dichter. Über die Brücke ist man
schnell woanders. Rhein links liegengelassen. Tünnes
und Schäl weggelaufen. Zwischen Himmel
und Erde kein Platz mehr. Äpfel waren aus.
Hlave Hahn musste reichen. Veggieburger.
Ein ganzer Hahn wäre auch Völlerei. Die
rheinische Republik längst abgewickelt.
Der Rhein fließt nur noch dahin.
Der Clown singt einsam seine Lieder.
Große Schatten
Schwarze Wolken verhagelten den
Sommer, der Rhein freute sich über
frische Nahrung, freudig schnappten
die Fische nach Luft. Über die Auen liefen
Bölls Frauen, müde spielt der Clown
auf der Gitarre, Adenauers Enkel saßen
längst an der Spree in ihren Strandkörben
große Schatten werfen die Türme des Doms
Die Hitze war gegangen
Die Hitze war gegangen. Freibäder leerer. In der Früh kühler Wind in der Stadt. Balkone blieben leer. Um Seehofer war es ruhiger geworden. Um Trump nicht. Machte der keinen Urlaub? Klar, Twitter gab es überall. Die türkische Lira rauschte in den Keller. Franz schwang sich aufs Rad und radelte wieder schneller durch die Stadt. Bergtour am Wochenende. Je nach Wetterlaune noch ein Schlenker zum See. Weiß und blau der Himmel über dem Land. Parteien klebten ihre Plakate. Als würden Menschen sie anschauen wollen. Die CSU ließ sich Zeit. Der Platzhirsch würde erst später zuschlagen. Franz hatte im Sommer mehr schreiben wollen, doch die Hitze machte ihn nicht kreativer. Doch den Herbst sehnte er nicht herbei.
Über das Staunen #2
Wenn Kinder mit großen Augen die Welt
durchwandern, ihr Blick umherschweift
und Fragen stellen, die Welt erkunden
und Neugierde mit offenen Mund hinausschreien
beginnt das Nachdenken über das Leben, das
über sich selbst Denken des Menschen, so beginnt
mit diesem Staunen die Suche nach Wissen
nach dem Warum des Lebens
So leicht das Leben #2
Einfach so, an einem Sommertage, der Himmel unverschämt blau, einfach so, eine wunderbare Laune der Natur, an einem Sommertage, liegt da auf der Wiese, liegt und lässt sich scheinen die Sonne ins Gesicht, gemildert nur der Schein durch seine Hand, still geworden, Ruhe eingekehrt, weder Schaf noch Ziege in der Näh, die Arbeit fern, Minutenglück als stände still sie, die Welt, die nackten Füße baumeln fast, so leicht das Leben, die Grillen singen ein Lied. Ziegenhirte, Schafhirte, einerlei. Vergessen die Welt, kein Sehnen und Suchen, da, einfach da.
Ultramarin #2
Übers Meer, so glaubte er zu finden das
richtige Blau, übers Meer. Hinter den Wellen
Nicht irgendein, ein himmlisches, nicht von
dieser Welt seiendes Blau zu malen Maria und
Jesus. Im Norden von Afghanistan fand er es, das
Blau, welches himmlisch war, viel zu blau für das
Meer, viel zu blau für den Fluss, nur für Jesus
und Maria brauchbar war es, nicht von dieser Welt
übers Meer gefahren, hohe Berge überlaufen fand er
das überseeische Blau und malte den Sohn Gottes
und die Gottesmutter Maria
Fontana di Trevi #2
In Rom überkam ihn immer die Sehnsucht nach dem Trevi-Brunnen. Hatte Fellinis Film gesehen, doch er war kein Fan von Anita Ekberg. In der Dunkelheit der Nacht, wenn die Menschen weniger wurden, ging er hin, setzte sich an den Rand und nach einer Zeit warf er eine Münze hinein. Warum, wusste er nicht, aber könnte es schaden? Die schwüle Luft war vergangen, ein frischer Wind kam auf und er begann durch die Stadt zu laufen. Fast, als würde er tanzen.
bei kirke #2
die insel lag ruhig beim vorbeifahren
eichen wucherten überall, auch sonst
viel baum sie bedeckte, ein paar häuser
sie besiedelten, eine villa gar. freundlich
die gastgeberin uns begrüßt, wir, die wir
fast verdurstet sind von der langen fahrt
übers meer, hungrig fallen wir über das
dargereichte essen, bis wir fallen
in einen unruhigen schlaf
Im Sommerhaus #2
Rittersporn, Rosen, Hyazinthen, die Bäume
hängen schwer mit ihren Früchten, Johannisbeeren
neckisch auf hohen Stämmen, Brombeeren ranken wild
Kinder springen über Wiesen, wenn Freunde kommen
wird der Abendstern begrüßt, die Schwalben und die
Kohlmeisen umflattern die Köpfe, im Sommer besuchen
uns auch die Wespen.