Das Freibad war viel zu voll und das Wasser zu warm. Keine Erfrischung. Kleinere Seen halfen da auch nicht weiter. Bei solchen Temperaturen musste der See hoch liegen. Hoch und eigentlich immer viel zu kalt. Franz wusste da Rat und fuhr mit Maria hin. Der Walchensee war nie wärmer als 22 Grad. Franz und Maria waren von Lenggries aus mit dem Rad hingefahren. Eher ruhig durch die Jachenau. wenig Touristen unterwegs gewesen. Das Wasser war türkis. Der Aufstieg zum See hatten sie gut geschafft. Kühl der See. Später würden sie in der Jachenau einkehren. Später. Sie würden großen Hunger haben. Der Proviant am See längst aufgezehrt sein. Die Sonne ging noch lange nicht unter. Sie mussten noch nicht heim. Ein Zug würde schon noch fahren.
Autor: orangeblau
pariser leben #2
im schatten von flaubert durch die alleen
gewandert, in der sonne geraucht, mittags
auf der parkbank den tauben nachgeschaut
sartres sein mit der fußspitze gespürt, keinen
halt gefunden, den geistern von universität
paris VIII davongelaufen, die kinderwägen
schiebenden mütter gehen ins café, bauern
sieht man hier keine, die libération unterm arm
geklemmt, kein lächeln im louvre, im quartier
saint-germain-des-prés nach verlorenen gedanken
gesucht, die bilder von godard verloren
Stadtflucht in der Hitze
Die Fahrt zum See musste sein. Schon in der Früh. Fast kühl noch die Luft. Im Zug zum Chiemsee. Franz und Maria mussten raus. Erst mal ins Wasser. Ganz schön lau schon in der Früh der See. Später mit dem Rad ein paar Runden gedreht. Schatten gab es nicht immer. Die Berge grüßten. Sie würden ein paar Tage bei Freunden bleiben. Stadtflucht in der Hitze. Später lagen sie wieder im Wasser. Sie froren nicht. Als wären sie am Mittelmeer. Zu warm eigentlich für eine Abkühlung. Franz mochte es lieber frischer. Am Abend würden sie Fisch grillen. Zander. Franz liebte den Zander aus dem Chiemsee. Tomaten würde es geben. Gurken. Was so wuchs im Garten. Und kühlen Wein. Riesling. Mehr nicht. Weniger nicht.
Über den Brenner #2
Nachtzug nach Rom. Liegewagenabteil.
Wer steigt zu? Zusammengewürfelte
Menschen für eine Nacht. Damals musste
man den Pass abgeben. Um in der Nacht,
am Brenner, nicht gestört zu werden. Auf
dem Gang ein Bier. Eine Zigarette. Nur nicht
zu früh hinlegen. Es ist, als würde man die
Zitronen schon riechen. Das Rattern über die
Gleise. Sekunde für Sekunde. Nach dem Brenner
wird es Stunde um Stunde wärmer. Der gereichte
Kaffee langt. Roma Termini in Sicht. Schnell noch
alles wieder in den Rucksack.
Wo werden wir schlafen? Egal.
Citta de Castello #2
Umgeben von der alten Mauer das Centro, gerne
radeln hier die Einwohner von einen Geschäft
zum nächsten, Rollerfahrer sind fast eine Minderheit
lässig im Spätsommerchick gekleidet wird hier und da
gehalten, gegrüßt, nach dem Abziehen des Helms müssen
erst einmal die Haare sortiert werden, auch aufs Smartphone
fällt der Blick, bevor er sich einen Kaffee gönnt. Ein leichter
Wind bläst durch die Straßen, die ersten Frauen tragen schon ihre
hohen Stiefel, erst gegen Mittag entsteht ein wenig Hektik, schnell
müssen noch Zutaten fürs Essen gekauft werden. An der Kasse
wird ein wenig gedrängelt.
Siegfried allein
Siegfried schwimmt über den Rhein davon. Die
Kleider der Opernhausgänger sind kürzer
geworden. Der Duft des Phlox liegt süß in der
Luft. Fußgängerzonengeher treffen nur hier und
da Radfahrer. In der Früh noch alles aufgeräumt
LKWs liefern in der Zone. Andere Heilige haben
die Italiener. Abgeerntet die roten Beeren
Nach Wasser dürsten die Anemonen. Siegfried
allein
Leichtes Leben #2
Einfach so, an einem Sommertage
einfach so, der Himmel unverschämt blau
einfach so, eine wunderbare Laune der Natur
an einem Sommertage, liegt da auf der Wiese
liegt und lässt sich scheinen die Sonne ins Gesicht
gemildert nur der Schein durch seine Hand, still
geworden, Ruhe eingekehrt, weder Schaf noch
Ziege in der Näh, die Arbeit fern, Minutenglück als
stände still sie, die Welt, die nackten Füße baumeln
fast, so leicht das Leben, die Grillen singen ein Lied.
Ziegenhirte, Schafhirte, einerlei. Vergessen die Welt
kein Sehnen und Suchen
erinnerungen verblassen #2
die eismacher wussten nicht, was sie
wollten, ziegenkäse-honig-eis eher ein
irrläufer, kapriolen des sommers, schwere
wolken überziehen den horizont, der donner
treibt die hunde ins haus, bordeaux riecht nach
atlantik, die trauben gewinnen an kraft
auf dem meer hölderlins reichtum über bord
fallengelassen, erinnerungen verblassen
Schwammerlsuppe unter alten Bäumen
der Vollmond nicht mehr weit, verborgene
Sterne am Abendhimmel, schwere Wolken
drücken herab, Wintervögel im Norden, verblüht
der süße Duft des Jasmins, im Wald die
Schwammerlsuppe unter den alten Bäumen, der
blonde Hans singt schon lange nicht mehr La Paloma
aus den Bergen schleppt der Lech schwere Steine
wir sollten auf Jagd gehen, durchnässt ziehen
die Radler ihre Kreise, immer noch
die hortensien verziehen keine miene
und regneten die tränen im garten, leise
gimpelte der dompfaff vor sich hin
sommermargeriten zeigten in strahlendes
weiß, schlafgestörte katze, trakls ulmen
verfallen, unsere Schritte auf der nassen
wiese dahingerutscht, überquillende
regentonne, im dickicht der stadt kräht kein
hahn, die hortensien verziehen keine miene
hirten schlafen nicht um diese zeit