Kategorie: Allgemein

hundstage

 

schwerer regen drückt auf das kornfeld, japanische

touristen schauen sich das glockenspiel nicht an, kinder

hüpfen durch das wasserspiel, auf der zunge zerläuft

dir das eis, abdrücke hinterlassen die kieselsteine, um

die wetter hecheln die hunde am nachmittag, sirius

gedankt, schon die römer wussten von den hundstagen zu

reden, nicht nur im beet ragen die sonnenhüte hervor, in

salzburg geht der jedermann wieder um, heldenplätze sehen

anders aus, grün schimmert der baggersee zu deinen füßen

kopfsprünge sind hier nicht verboten, deine hände teilen

die wellen, später pommes frites, in rot und weiß

ottomane

längst durchgesessen steht die ottomane

in der wohnküche herum, oft hast du die füße

hochgelegt in den langen nächten, erneuern

müsste den bezug man längst, erbstück der

großmutter, der alte gasherd erledigt noch

seine dienste, erzählen kann das parkett das

vergangene jahrhundert, laut vorgelesen hast

du hier den hölderlin, als wär es eine ode an

die freude, gesungen an den guten tagen, auch

ohne gitarre, offen das fenster zum balkon

großmutter ist irgendwann zu alt gewesen

um von der ottomane aufzustehen

schlachten verloren

liebesbriefmaschine der unbrauchbarkeit

überführt, aprikosen längst zur marmelade

verkocht. großmutters blümchentapete hat

du von der wand gekratzt, überall nagt doch

der zahn der zeit, cy twombly ist ein meister

im schiffe versenken. ohne lächeln kommt

der morgen aus. kühl die nächte des sommers.

gewitter rauschen geschwind über die felder.

aufgerissene fenster der stadt. saure milch in

der nacht. beste zeit. weiße nächte der

schlaflosigkeit. schlachten längst verloren.

kurz vor dem august

lauwarmes lüftchen nur der rückenwind, windsbräute

im keller verstaut, deine beine strampeln sich ab

wenige schatten nur spendet das sonnenblumenfeld

zu deiner linken, in deinem herzen strahlen die

bergastern in rosa farben, in der früh schon hat

der jungbauer das jauchefass geleert, schwarze

tinte des holunders füllt deine briefe, wasserpfützen

auf dem steg nach deinen runden durch den see

faule hunde im schatten, kurz vor dem august

entelecheia #2

in gedanken hast du kafkas schloss längst

abgebaut, die mauern der macht geschliffen

des thymians blüten locken die bienen

landvermessungen aus der mode gekommen

bürokratie entschlackt, unmengen von brieftauben

gibst du arbeit, nicht endend der fluss deiner wörter

leer das dorf deiner träume, nur kälber laufen

über die wiesen, halten, in den augen, das ziel, nicht

verlieren es, der schutt liegt zu den füßen, früher

wurden landvermesser besser bezahlt

entelecheia #1

als würdest du sein, nicht enthalten der
markel der ewigen suche, aus den augen
hast du es nicht verloren, das ziel, du nicht
hoch fliegen die schwalben, hoch, leicht
gelingt dir das vergeben, weißer als weiß
strahlen die margeriten, bitter auf deiner zunge
die roten beeren, in das gelingende leben
verliebt bist du, nicht kümmert der stich der mücken
dich, deine füße gehen auf dem heißen asphalt
als könntest fliegen du, als könntest, hoch
über die berge, mit den wolken um, mit den
wolken um die wette

metanoia #2

 

des lebens sinn liegt nicht immer auf der

straße herum, nicht, gesucht, des lebens

sinn, die wahl scheint dir nicht leicht zu

fallen, zu fallen nicht leicht, ins abendrot fliegt

nicht die nachtigall, hineingekrochen in den

eisenhut findet die hummel ihr abendbrot

hinter wasserburg kommt nicht das meer, ohne

eigenschaften sitzen die männer in der

straßenbahn, auf den straßen nicht herumgelegen

als du suchtest ihn, später dann, längst

untergegangen die sonne, geleert die flasche

wein, eingestellt die suche nach dem sinn

eingestellt, des lebens sinn suche

metanoia #1

als ließe sich ändern das leben, stolz liegt

die burg canossa auf einem zarten hügel

als wüsste sie von nichts, glück der ruine

leer stehen ihre mauern im nebel, bologna

nicht weit, im mund die sauren kirschen

olivenhaine später in der abendsonne, du

wolltest umkehren? goethe flog mit seiner

kutsche nach rom, im sommer der kein

sommer war, pelzig der geschmack, rot läuft

von den lippen der saft dir, fette würste

liegen im schaufenster

 

als findest du rosen nicht hier, das meer

der blumen vertrocknet längst in der

glut, in deinem mund die kirschen

ach, sauer der saft tropft, nicht gesungen

die nachtigall, verbrannt das gras