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mandelblüte #2

 

im frühling knallen keine schneebeeren, keine

kastanien fallen herab, explodieren wollen die

blütenknospen, geschwind schiebt der wind

die wolken aus der sonne, der sperling baut sein

nest, die tochter des priamos schaut hin und wieder

nach dem rechten, das unheil kommt und geht

troja liegt in schutt und asche, über seinen ruinen

zart blüht der mandelbaum, Kassandra, deine

Schwester, hat es immer schon gewusst, schlecht

erging es dir, polyxena, vergebens die liebe

war vom archilleus, rosa leuchtend die blüte

menetekel #2

 

mene. vorbeigerannt an den huren der

nacht, hinter den stadttoren kein

gilgamesch gefunden, unsichtbar

das menetekel, kalte klauen greifen

nach dir

 

tekel. das gegengift trügerisch

die toten gefährten segeln auf dem

geisterschiff davon, homer schlägt

dir keine lösung vor, belsazar schwindet

dahin, zu leicht befunden auf der wage ist

 

u-parsin. nicht mehr wird

sein das reich dein. der tod wird

kommen bald, das abendessen dir

nicht mehr munden, unausweichlich

das unglück

metánoia

 

die kargen tage kommen, vorbei

alle füllerei, memento homo, quia

pulvis es et in pulverem reverteris

längst aus dem paradies vertrieben

verloren alle unschuld , büßergewänder

sind außer mode gekommen, beichtstühle

nur selten aufgesucht, schuld hat eh der

andere, durchbrechen das traurige grün

die krokusse, kalt bläst der ostwind uns

die backen rot, als wär längst besiegt der

winter liegen die handschuhe in der schublade

verbrannt die palmzweige, dein küsse

sind nicht unschuldig, deine lippen

wollen nicht weichen

lange reise #2

hinter den schneewolken versteckt harrte der

mond auf seine anrufung, auch die sterne

wollten ihren glanz nicht verstecken, im

gehölz verirrte stadtnomaden auf der suche

nach dem glück, das ende der erde ist immer

woanders, steine versperren den weg, die

lange reise hat ihr ziel noch nicht erreicht

unsere seelen in der dunkelheit verloren

halt noch suchend, verloren