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metanoia #2

 

des lebens sinn liegt nicht immer auf der

straße herum, nicht, gesucht, des lebens

sinn, die wahl scheint dir nicht leicht zu

fallen, zu fallen nicht leicht, ins abendrot fliegt

nicht die nachtigall, hineingekrochen in den

eisenhut findet die hummel ihr abendbrot

hinter wasserburg kommt nicht das meer, ohne

eigenschaften sitzen die männer in der

straßenbahn, auf den straßen nicht herumgelegen

als du suchtest ihn, später dann, längst

untergegangen die sonne, geleert die flasche

wein, eingestellt die suche nach dem sinn

eingestellt, des lebens sinn suche

metanoia #1

als ließe sich ändern das leben, stolz liegt

die burg canossa auf einem zarten hügel

als wüsste sie von nichts, glück der ruine

leer stehen ihre mauern im nebel, bologna

nicht weit, im mund die sauren kirschen

olivenhaine später in der abendsonne, du

wolltest umkehren? goethe flog mit seiner

kutsche nach rom, im sommer der kein

sommer war, pelzig der geschmack, rot läuft

von den lippen der saft dir, fette würste

liegen im schaufenster

 

als findest du rosen nicht hier, das meer

der blumen vertrocknet längst in der

glut, in deinem mund die kirschen

ach, sauer der saft tropft, nicht gesungen

die nachtigall, verbrannt das gras

mnema #5

die wolken zeigten ihr schönstes

kleid, tanzten wild im wind, mit den

händen klatschten die pappeln, kinder

umkreisten geschwind, hand in hand

flogen wir, sommerregen meidend

lauschend den erzählungen der alten

kännchen gibt es nicht mehr, ins gesicht

gegerbt des lebens weg, das grabmal

suchen sie nicht aus, schafgarben am

wegesrand, schwer die füße, geschwind

fliegen die wolken dahin, mirabellen

hängen grün im baum

mnema #4

erwähnt hast du die lektüre von

hölderlin, weit noch der herbst

über den zaun grüßt nachtblau

der rittersporn, erinnerst

du dich? noch spüre ich deine küsse auf

der haut, himbeeren vergehen, leer

scheint die stadt in der mittagshitze, reift

der wein schon heran? noch weit ist das

meer, die dordogne kühlt deine füße

riechst du schon das salz des meeres?

austern will ich mit dir, noch weit

der herbst, noch klein die birnen, die

trauben brauchen noch lang

mnema #3

vergangen das andenken und doch

wieder erinnert, gedacht. vergessen. der

maestro geht weiter. konstruktionen.

simulationen. sauer die johannisbeeren. deine

küsse schmecken zart wie himbeeren.

gewitterwolken legen sich auf deine nackten

schultern. petrarca wartet noch immer auf

laura. vergeben längst. vergeben. weit reichte sein

blick von den höhen hinab. andenken. als wären ein

souvenir, deine küsse, für die nacht. was bleibt aber.

was bleibet. nicht erzählt hat der wind. nicht. vergessen.

die garonne fließt.

mnema #2

denkmäler fallen in den keller, vom sockel

geholt, johannisbeeren reifen zu johannis

des sommers laune treibt die wolken, müde

liegt die armbanduhr auf dem schreibtisch

guantanamera ist zu weit für heute abend, marx

haben wir nicht den bart geschnitten, später

tanzt du auf dem küchenboden, bitter der kaffee

auf deiner zunge, barfuß auf den stufen, erinnerungen

verschieben sich, die zigarre stammt nicht aus kuba

rum hatten wir keinen getrunken, nicht gefahren den

amerikanischen schlitten

mnema #1

vergissmeinnicht vergessen in der

gärtnerei, autobahnausfahrt zu früh

genommen, der sommer lässt die schwalben

hoch fliegen, blattläuse belagern die zarten

blätter der hauszwetschge, vorbeigerauscht

an den seen fliegen uns die berge entgegen

blütenrausch der herzen, salzig dein nacken

lenin und marx wurden weggeflogen

erinnerungen verblassen, die schwalben

fliegen salti, als wären sie vergnügt

als wären sie