Seehofer war nun zurückgetreten. Sollte Franz sich freuen oder weinen? Würde es mit Söder besser werden? Franz erhoffte es sich nicht. Aber ob Seehofer es in Berlin gut machen würde? Eigentlich wäre er doch im besten Rentenalter gewesen. Hätte sich zu seinen Spielzeugeisenbahnen setzten und sie Stund um Stund im Kreis fahren lassen können. War wohl doch kein abendfüllendes Hobby. Vielleicht würde Söder ja bis zur Landtagswahl nicht allzu viel reißen. Ein schwaches Wahlergebnis einfahren. Dann würde vielleicht was anders in Bayern. In Baden-Württemberg war ja auch irgendwann die Macht der CDU geendet. Noch fehlte dem Franz der Glaube an das Ende der CSU. Es gab auch bis jetzt keine aufregenden Kandidaten gegen Söder. Der Frühling trieb seine Blüten voran. Gelb, Weiß und Lila überall aus der Erde. Vögel waren im Bauwahn. Jungs liefen mit kurzen Hosen lässig über die Straße, Wintermützen wurden verräumt. Der Himmel versprach Regen. Nur wenige Radler waren in der Stadt unterwegs gewesen.
Allgemein
Gewitter #2
Dem Huchel gleich man wünscht sich ein
Gewitter, ein Gewitter reinigend, der Donner
grollend die Ohren füllend, Blitze am Himmel
zuckend, ein Ende ist das Winter-Gewitter
wegfegend die laue Zeit, Hagelschauer über
den Wäldern, Blitze am Nachthimmel der Ferne
der Regen waschend die Luft. Doch nicht reinigend
könnend das Gewitter das Land, die Ordnung, das
Aufgeschrei, nicht reinigend können die Blitze und
Donner, der Regen und Hagel das Land
Häuserschatten
Verbrecher gehen gern in der Dunkelheit der Häuserschatten. Auffallender Kopfschmuck unerwünscht. Im Kopf tragen sie das perfekt Verbrechen herum. Ihre Gedanken halten sie selbst für brilliant. Mitleid ist nur was für Feiglinge. Das Bereuen der gräulichen Tat nicht vorgesehen. Die Nerven werden schon halten. Raskolnikoff in der Hitze der Stadt.
Die Badewanne #2
Der eine badete gerne lau, der andere sagte dies. So ist die Badewanne Politik. Oder doch nur eine Badewanne. Oder Kunst. Beuys nahm eine alte Wanne, eine alte Badewanne, aus Email, eine alte Babybadewanne, zu waschen den Babypopo, nahm Beuys eine alte Wanne und stellt sie aus. Ein wenig verändert, schikaniert, misshandelt, verpackt, verfremdet, denn Beuys nahm Heftpflaster und Fett, Mullbinden und Kupferdraht für diese alte Babywanne und stellte sie aus , als Kunstobjekt in der Akademie zu Düsseldorf. Und als machte die SPD ein Fest, nein, nicht in der Badewanne, der eine badete gerne lau, in Leverkusen, wo sich die Wanne gerade befand, weil sie wartete, auf ihren großen Auftritt wartete, zwischen Bayer und Leverkusen, da machte die SPD ein Fest und weil die Gläser vom vielen Trinken schmutzig waren, säuberten zwei nette Damen die alte Wanne, befreiten sie von Mull und Fett und schrubbten und schrubbten und Dank ATA, sie wurde weiß wie Schnee, so rein und sauber wie noch nie. Gründlich und rein, so war die Wanne und die Kunst dahin.
San Giorgio Maggiore #2
Eine Insel nur, gelegen in der Lagune von
Venedig, Kloster samt Kirche finden Platz.
Der Himmel brannte, als wäre nichts mehr
zu löschen, die ganze Insel ein Flammenmeer
Monet malte den Untergang der Abendsonne
als stünde das Meer in Flammen, verlor das Wasser
sein Blau, verschwammen die Steine zum Wasser
als müsste gelöscht werden die Feuersbrunst
Ein Schiff nicht kommt zu lindern die Glut, nur
Abendsonne und Meer.
Der Lauf der Dinge
Die Dinge nahmen ihren Lauf. Der Nockherberg spuckte seine Betrunkenen aus. Lederhosen und Dirndl mit Biergestank. Taxifahrer machten ihr Geschäft. Wenn das Fahrzeug sauber blieb. Das Land bekam eine neue Regierung. Die Frauen hatten dabei Posten abbekommen. Aber keine großen. Franz fand die Anzahl der Frauen schon ok. Zumindest bei der SPD. Doch die großen Ministerien waren den Männern vorbehalten. Bei der CSU hatten die Frauen eh nix zu lachen. Aber das war ja schon immer so. Drei Männer als Minister und ein Mini-Amt für eine Frau. Gleichberechtigung ging anders. In Syrien hatten sich AFDler verlaufen. Kann ja vorkommen. Tellkamp hatte sich wohl auch verlaufen. Franz hatte den „Turm“ zumindest teilweise gelesen. Hatte ihn ein wenig langatmig gefunden. Irgendwie aus der Zeit gefallen. Doch durchaus als bemerkenswertes Buch eingeschätzt. Nicht als Avantgarde. Die ging anders. Manchmal hatte Franz das Bedürfnis nach einer epenhaften Erzählung. Nach Karl May für Erwachsene. Lesenächte ohne große Unterbrechung. Doch den Turm hatte er irgendwann liegengelassen. Seitdem nichts mehr von Tellkamp gelesen. Der Schnee war gegangen. Regen gekommen. Der Morgen verriet schon den kommenden Frühling. Krokusse legten ihr lila auf die Wiese. Das Gelb der Narzissen würde bald kommen. Die Kornelkirsche hatte die Blüten ausgetrieben. Bienen suchten ihr Essen.
Auf der Wiese #2
Ausgebreitet die Decken, lagen umschlungen, wir
pfiffen den Vögeln nach, aßen Erdbeeren, die Sonn
färbte das Wasser rot, leer wurd´der Korb, Sterne
nur beschienen uns, die Münder erzählten sich
Geschichten zart, später schlugen wir Purzelbäume
unendlich schien die Zeit, so groß das Glück
der mond steht gerade auf #2
das paradies liegt nebenan, im teich
quaken die frösche, von fern rauscht
der zug vorbei, berlin oder paris?
der fluss erzählt von den bergen
lachend läufst du über die auen
wilde mageriten schütteln ihr weißes
haupt im wind, die nacht fängt erst
an, der Mond steht gerade auf und
lächelt uns an
schlehdornbusch #2
zwischen offenem himmel und schneeumwehten
löwenzahnwiesen der droste nicht das wasser
gereicht, kein tee getrunken mit ihr im dunklen
moor. gern ihr girlanden um haar geflochten, ein
lied nicht gesungen mit ihr bei mondenschein
den kühlen wein allein getrunken, zwischen
dem schlehdornbusch und den anemonen, die
ringelblumenblätter abgezupft. die vögel des
waldes sangen ihr lied dazu
den blumenstrauß ganz vergessen
die gedanken flogen durch den kopf #2
nicht auf den mund gefallen
wörterbücher durchgeschüttelt
und doch, auf der suche nach den
richtigen wörtern, geschwiegen
die gedanken flogen durch den
kopf, der mund bliebt stumm
die liebe ging weiter. das gestammel
der wörter machte keinen sinn
das schweigen dauerte. nur ein
kuss konnte die stille durchbrechen