Barbarazweige geschnitten, am Fenster die Schneeflocken gesucht, nur nebelweiß die Straßen liegen, im Fenster der alten Nachbarin Christsterne gesehen. Gelsenkirchener Barock umrahmt die Pflanze. Wie viele Weihnachten wird sie noch erleben? Die Enkel wohnen in der fernen Stadt. An Weihnachten würde sie gerne. Sie schafft den Weg nicht mehr, die Fahrt zu weit. An Weihnachten steig die Einsamkeit in ihr hoch. Läuft über ihren gebeugten Rücken direkt in ihr Herz. Der Gärtner bringt ihr immer zwei Christsterne vorbei, einen fürs Wohnzimmerfenster und der andere fürs Küchenfenster. Im Radio hört sie gerne Weihnachtslieder, singt gerne mit. Früher hat sie Mandoline gespielt, im Orchester, aber jetzt sind ihre Finger viel zu steif. Vielleicht schafft sie es am Heiligen Abend in die Christmette. Dies wär´ ihr größter Wunsch. Vielleicht ruft ja ein Enkel an.
Allgemein
weiße schlieren am himmel #2
nachts im gehirn verlaufen. träume
weggeschmissen. bacons
fleischberge in den mülleimer
beim metzger kein hirn. auf der
straße leere flaschen
des verlorenen glücks. die blätter
gehen ins rot. weiße schlieren am
himmel verkünden den wechsel
bald werden die nackten bäume
frieren. deine langen haare
grüßen im wind. die nüsse
sammelt das eichhörnchen
Stille Nacht
Die Luft war mild, als wäre Frühling. Im Garten kein Frostschaden zu sehen. Verwaist war die Innenstadt. Als wäre nichts gewesen. Christkindlmarkt geschlossen. Einkaufsparadiese verriegelt. Nur die Backwarenverkaufsgeschäfte, die von einer Brotfabrik beliefert wurden, hatten noch am Morgen offen. Gegen Mittag kehrte auch dort Ruhe ein. Ein kurzes Durchatmen ging durch die Stadt. Schnell wurden noch einmal die Geschenke durchgezählt. Obwohl es für eine Korrektur eh zu spät war. Auch der Kühlschrank wurde mit Sorge überprüft. Ob ja nichts fehle. Hurtig noch das eine Geschenk eingepackt. Die letzte Karte geschrieben. Die Christmette war erst spät. Es würde noch lang dauern bis dahin. Er wollte nicht zuviel vorher trinken. Dann sang er immer falsch. Er wollte nicht falsch singen. Das laute Gegröle am Ende der Christmette störte ihn immer. Einen starken Kaffee würde er vorher trinken. Das half bestimmt. Leise würde er nach Hause gehen. Durch die schlafende Stadt.
San Miniato al Monte
Verglichen mit Rom ist Florenz eine kleine Stadt. Zu Fuß könnte man alles erreichen. Doch wer will schon alles zu Fuß gehen. Wenn Franz mit Maria in Florenz war, wollte er immer zur Piazzale Michelangelo. Am Tag, in der Nacht. Von hier oben konnte man die ganze Stadt sehen. Den Arno. Die Kuppel des Domes. Auch David stand herum. Zwar nur eine Kopie. Doch Franz wollte nicht nur den Ausblick geniessen. Er liebte auch die Kirche, die dort war. San Miniato al Monte. Ein schöner Anstieg über die Treppe. Die Basilika gehört zu einem Kloster. Auch hier der Marmor. Weiß und Grün. Außen und Innen. Das Kloster ist ein Zweigorden der Benediktiner. Wohl vor rund 1000 Jahre wurde an der Kirche gebaut. Die Ruhe in der Kirche gefiel dem Franz. Die meisten Touristen gingen nicht hinein. Auch über den Friedhof schlenderte Franz gerne. Im Winter pfiff der Wind ein wenig um die Ohren. Das Verweilen war da kürzer. Franz und Maria waren zu Fuß vom Dom zu San Miniato al Monte gelaufen. Die Bewegung hatte ihnen gut getan. Den Berg runter liefen sie schneller.
Ikarus Traum
Auf Kreta gefangen, umspült von
dem Meer, die Sonne brannte auf das
Hirn, die Schiffe nicht zu erreichen
das Meer so tief, Flügel wuchsen dem
Ikarus, als sei ein Adler er und schwang
sich auf, zu fliegen durch die Lüfte, fern
davon, fort von der Insel, der Freiheit
entgegen und kümmert sich nicht um
Sorgen und flog der Sonne entgegen
als wäre sie das Glück
Regen beim Abflug
Der Flug nach Florenz ging gut vonstatten. Weihnachtliche Stimmung überall. Geschenke schauten aus den Taschen. Buntes Papier verriet die Bestimmung. Vor dem Flug noch schnell einen Kaffee getrunken. Maria freute sich auf ihre Familie. Franz war gern dabei. Regen beim Abflug. So konnten sie über den Wolken fliegen. Leichte Turbulenzen machten den Flug interessanter. Marias Bruder holte sie am Flughafen ab. Die Luft war milder in Florenz. Ein wenig linste die Sonne hervor zum Gruß. Der Bruder fuhr einen steilen Zahn. Der Kofferraum des Puntos gefüllt mit den Koffern. Auf der Rückbank fanden die Beine gerade Platz. Katalonien hatte gewählt und so recht wusste da keiner weiter. In Deutschland würde man erst im neuen Jahr weiter nach einer Regierung suchen. Die Fußballer streikten ihre Beine unterm Weihnachtsbaum aus. Franz hatte das Pokalspiel im Stadion angesehen. Aber begeistert war von den Bayern nicht gewesen. Morgen würden Maria und Franz noch Ruhe haben. Sie wollten ein wenig Stadtluft einatmen gehen. Im Winter war Florenz angenehm ruhig. Nur vereinzelt Touristenbusse auf der Straße.
Aleppo muss schön gewesen sein…
Auf Mosaik ist heut hinter dem 22. Türchen meine Adventsgeschichte verborgen:
Schaut und lest. Gesegnete Weihnachten!
Auf der Wiese #2
Ausgebreitet die Decken, lagen
Umschlungen, wir pfiffen den
Vögeln nach, aßen Erdbeeren
die Sonn färbte das Wasser rot
leer wurd´ der Korb, die Sterne
nur beschienen uns, die Münder
erzählten sich Geschichten zart
später schlugen wir Purzelbäume
unendlich schien die Zeit
so groß das Glück
Für und gegen das große Tohuwabohu
Das Faltblatt „Lyrik in Köln“ hat auch einen Text von mir in der neuen Ausgabe veröffentlicht. Schaut und lest:
Aiaia
Die Inseln des Klagens angesteuert, Aiaia
wohlig liegt sie im türkisfarbenen Meer
Die Bäume spenden reichlich Schatten
Schweine fressen die Eicheln im
Herbst. Stein über Stein aufgetürmt. Kirke
thront über ihre Insel, die Raubtiere
liegen im Schatten und harren aus
Medea wird heute nicht vorbeikommen
gut gefüllt wartet der Weinkeller auf
Gäste, später erst wird sie ihre Kinder
gebären, der rote Feuerball versinkt im Meer