Der Winterwind

Die Sterne in der Nacht hinter der

großen Baumkrone, auch spät noch

zieht die alte Frau ihre Runden um den

 

Häuserblock, der Winterwind bewegt

die Buchen sacht, eisige Backen zur

flüchtigen Begrüßung, verborgen die Stirn

 

unter der wollenden Mütze, die Parkplätze

des Supermarktes warten einsam in der

Kälte, von Ferne Hundegebell

 

hier und da ein Engel über den Dächern

mit Pachelbels Canon fliegen wir nach Haus

Flug nach Florenz

Zum Glück hatten Franz und Maria rechtzeitig den Flug nach Florenz gebucht. Zu Weihnachten immer ein großes Gedränge. Sie würden nur kleines Gepäck mitnehmen. Sie würden schon kurz nach 13 Uhr in Florenz sein. Die Zugverbindungen waren nicht mehr so angenehm. Mit dem Bus wollten sie nicht fahren. Mit dem Auto auch nicht. Eine gute Stunde Flug. Nach Italien wurden die Flugverbindungen immer langsamer. So kam es zumindest ihnen vor. Sie würden am Flughafen abgeholt werden. Der Flughafen war nah bei Florenz. Nur knapp 4 km entfernt. Geschenke hatten sie auch schon. Aber nur kleine. Marias Schwester hatte auch noch etwas größeres besorgt. Ums Essen würden sie sich keine Gedanken machen müssen, Marias Mutter würde auftischen. Über Politik würde man nicht groß sprechen. Mehr über das Essen.

Ithakas Sohn

Denkmäler liegen im Straßengraben, Wildgänse

ziehen am Abendhimmel vorbei, weit noch ihr Weg

durch die eisige Luft, in den Häusern brennt schon

Licht, Odysseus ist hier schon lange nicht mehr

vorbeigesegelt, einäugige Zyklopen sitzen in der

Spielhalle und kämpfen ums Glück, Ithakas Sohn

verkauft scharfes Gyros, in der teerschwarzen Nacht

brennt in der Hölle das Licht

Abgestürzte Abendsonne

Abgestürzte Abendsonne. Landstraße an

Landstraße. Bäume umzäunt. Die Äcker

verweist, nur vereinzelt Spuren von Reh

und Wildschwein. Der Jäger hinterlässt

tiefe Abdrücke auf dem Feldweg. Im Gebeinhaus

liegt einer. Aneinandergereiht die Hasen im

Schnee. Rot ihr Bett. An der schiefen Kiefer

ein letztes Halali. Der Himmel schwarz

wie die Hölle. Funken sprühen aus dem Ofen.

Schwarze Tannen

Schwarze Tannen lagen über dem

Weg, der Walfisch hatte Jonas schon

lange ausgespuckt, dem Stern hinterher

 

wollten viele ziehen, in der Vorhölle

schmorte das Feuer schon lange, steil

geht es den Berg hinauf, Gräser liegen

 

unter der Schneedecke, der Wind der

Nacht streift unsere Wangen, schwer

sinken wir in die Betten

Glühweindunst in der Stadt

Der Starkbieranstich war noch weit. Nockherberg noch nicht in Sicht. Doch für das Singspiel war die Entwicklung der CSU eine feine Sache. Der Söder würde schon eine tragende Rolle bekommen. Und bist zur Landtagswahl war es ja noch Zeit. Im Sommer ging der Franz ja gern zum Nockherberg, war ja um die Ecke. Salvatorkeller. Schön Kastanien. Die Starkbierzeit war ihm eigentlich eher ein Greul. Ob der Frieden zwischen Seehofer und Söder lange halten würde? Längerfristig war Franz da skeptisch. Sogar der Lindner war mal wieder zu hören gewesen. Er, der nicht regieren wollte. Die Schneelage in der Stadt war noch dürftig. Überall Glühweindunst in der Stadt. Franz war mit Maria ins Chiemgau gefahren. Schnee suchen. Freunde besuchen. In den Bergen war es weiß. Blieben über Nacht. Wollten am Sonntag eine längere Wanderung machen. Hatten den Schlitten dabei.

Zimtsterne

unter dem Nussbaum wird nicht

getanzt, die Blätter des Herbstes

zusammengerecht, wenn Schnee fallen

würde, könnte man dort gut einen

 

Schneemann bauen, nur die Kinder sind

längst weitergezogen, das Wasser schläft

im Teich, verwegene Enten laufen Schlittschuh

aus der Küche kommt der Duft von

 

Zimtsternen, Lieferung via Luftpost wird

gewünscht, längst ist Großmutters Kreuz

ein Kreuz, die Bären machen längst ihren

Winterschlaf, der Mond steigt auf

Hinter Warschau II

Die Sonne schien nur kurz hinter

Warschau. Die Ostsee treibt Eisschollen

vor sich her. In Sopot schreien die

Möwen, das Grand Hotel verschlafen

 

Kiefernwälder vor den Füßen von Danzig

Pommernland ist abgebrannt, Maikäfer

fliegen nicht mehr, der Schnee unter

den Füßen treibt die Kälte in die Glieder

 

auf der Westernplatte pfeift nur der Wind

um die Ohren, sandumspült, grauer Nebel

umspannt das Land, der Schnee längst Eis

geworden, der Mond wird nicht kommen

ausgespuckt vom nachtzug #2

ausgespuckt vom nachtzug am

helllichten morgen. die hitze

schlägt ins gesicht. roma termini

schnell in eine bar. cappuccino. corni

 

schwüle luft liegt in der straße. das

quartier für die nacht suchen. schreiende

männer wollen uns schon eins zeigen.

der aufzug nach oben ist abenteuerlich

 

ein käfig aus stahl. alter? ob im

museum noch ein platz für ihn frei ist?

geduscht, rein in die ewige stadt. hält

die rotunde noch vom pantheon?

genuocsamkeit #2

die genuocsamkeit, veraltet zwar

in mode doch auch wiederum

verzichtet gern auf das und dies

 

die zufriedenheit scheint eher

erreichbar, verzichtet er doch auf

und dies und das

 

doch die welt unersättlich

im fluss des hier und da

das glück suchend immerfort