Wenn ein Trainer Flaschen wirft, qualifiziert er sich damit für die Bayern? Franz hatte ja auch Trapattoni in München gesehen. Die meisten in München drückten wohl dem Jupp die Daumen, auch wenn eine Verlängerung des Vertrages nicht in Frage kam. Ein neuer Konzertsaal sollte nach München kommen. Die Entwürfe standen zunächst. Mut zur Architektur war in München nicht besonders groß. Der Föhn war über die Stadt gezogen, die Wolken getrieben. Wechselspiel zwischen Grau und Orange. Franz flog schier an den Schreibtisch. Wörter überschlugen sich. Manchmal würde er gern malen. Doch dafür hatte er wenig Talent. Immer unzufrieden mit seinen Bildern. Später hinaus ins Freie. Die Isar entlang. Wind um die Nase. Kinder ließen Drachen steigen. Schwierige Windverhältnisse. Krachten schnell herunter. Wellenreiter waren daheim geblieben. Die meisten Griller ihre Saison beendet.
Allgemein
lachend springen wir über Laubberge
Föhnwinde trieben die Wolken
vor sich her, kopflos liefen die
Leute über die Straße, die Sonne
kämpfte um eine gute sich auf die
Erde, zerquetsche Kürbisse rollten aus
der Kurve, Maisernter fuhren heim, wer
Drachen steigen will, hatte schwer zu
ziehen, lachend springen wir über
Laubberge als seien wir Kinder
Don Juan kratzte der Hals
Nebelschwaden durchkreuzten die
Baumgipfel, die silberne Sichel kämpfte
einen schweren Kampf, Katzen längst
daheim, barfuß ging jetzt keiner mehr,
noch grüßten Astern zwischen den
Rabatten, den Radfahrern wurden
die Finger klamm, Don Juan kratzte
der Hals, Mozart nicht auf den
Lippen, Frösche schweigen
Mathias #14
Daheim war Mathias gern. Er musste nicht fort. Nie im Urlaub gewesen. Er fühlte sich auf dem Hof zuhause. Warum hätte er woanders hingehen sollen. Wenn er zum nächsten Ort fuhr, um etwas einzuholen, dann langte es. Nach München oder Augsburg rein war er nur selten gewesen. Das wenige an Gewand, was er noch brauchte, hatte er in Aichach gekauft. In der großen Stadt kam er sich verloren vor. Ein paar Mal war er mit dem Zug nach München gefahren. Was erledigen. Keine große Freude für ihn gewesen. Im Herbst war er gern in der Küche. Eine Suppe war immer auf dem Herd. Mehr brauchte er oft nicht. Gern trank er am Nachmittag noch einen Kaffee. Die Nachbarn brachten ihm oft einen Kuchen vorbei. Er redete oft mit seiner Frau. Sie verstanden sich gut, auch wenn sie schon länger tot war. Wenn abends jemand vorbei kam, gab es oft einen Obstler. Allein trank er ihn nie. Aber er mochte ihn, wärmte ihn ein wenig.
Mathias #13
Der Mais war endlich von den Feldern. Die Sicht war wieder besser. In der Früh lag der Nebel über den Feldern. Bald würden seine Kühe im Stall bleiben. Noch genossen sie die Wiesn. Die Äpfel waren vom Baum geholt. In der Früh, nach der Stallarbeit war er zum Bäcker gefahren. Sein Moped war nicht schnell. Autos überholten ihn. Er hatte Zeit. Der Bäcker wusste, was er wollte. Ein Hausbrot. Zwei Semmeln. Die Nacht im Oktober war lau gewesen. Die Sitzbank von seinem Moped hatte er geflickt. Freute sich auf sein Frühstück. Als der Nebel fortzog, durchzog die Sonne die Felder.
Kartographie #15 Theresienstraße
Marias Ziel war eigentlich nur selten die Technische Universität. Sie studierte ja Kunst und nicht Physik. Zwar sollte auch die Künstlerin Ahnung haben von den verschiedenen Farben, Stoffen, Materialien. Doch Maria wollte in die Augustenstraße. Fuhr also mit der U-Bahn zur Theresienstraße. Wollte ins Café Jasmin. Alte Sofas. Auf einen Kaffee mit einer Freundin. Franz hatte es ihr einmal gezeigt. Immer angenehme Stimmung. Nicht zu voll übertags. Früher war es ein altes Café gewesen. In der Augustenstraße gab es auch eine Brotmanufaktur. Nannte man früher Bäckerei. In Italien gab es noch viele Bäcker. München schien voll von Brotfabriken zu sein. Filialnetze zogen sich über die Stadt. Beim genaueren Hinsehen hatte die Brotmanufaktur auch schon 10 Filialen. Eine Bäckerei stellte sie sich anders vor. War enttäuscht. Hatte gehofft, eine Backstube vorzufinden. Sie liebte den Duft von Backstuben. Vermisste ihn in München.
der mond nur eine schmale Sichel
des septembers letzte sonnenkraft
schwebt über den nächtlichen park
lässt fallen im oktober rot und gelb
die sehnsucht steigt in die glieder
legt der schnee sich auf das nackte
laub, blank die stämme ragen
empor in den nasskalten
novemberhimmel
doch von droben die sterne leuchten
hell auf die liebenden in der
schneekalten nacht, der mond nur
eine schmale sichel
es ist herbst #2
reißt herab der herbst
die blätter von den bäumen
schlägt die früchte nieder
wenn vergessen
die ernte, der bulldog
räumt die maisfelder
auf, kippt die gülle
oben drauf, hat
der häcksler erwischt
das junge reh fette
kürbisse rollen auf
die fahrbahn, immer
wieder suhlen sich die
wildschweine im dreck
bevor sie dem autofahrer
vor die flinte laufen
In der Früh dunkelschwarzer Himmel
Als Franz die amerikanischen Präsidenten in der SZ erblickte, fühlte er sich wie in einer Zeitmaschine. Neben Obama Clinton, die beiden Bushs und Carter. Nur einer fehlte. Trump. Der war abwesend. Nicht, dass alle Präsidenten ruhmreich gewesen wären, aber sie waren Präsidenten. Über den einen oder anderen hatte er gelacht. Doch die Sache mit Trump war eine andere. Durch Trump veränderte sich die Demokratie in Amerika, aber auch in Europa. Überall billiger Populismus. Die alten Präsidenten waren davor gefreit gewesen. Rechtspopulismus war auch im alten Europa schwer in Mode. Die Löwen hatten gegen die Bayern verloren. Schade eigentlich. Aber die Löwen würden trotzdem aufsteigen. Da wahrlich Franz sicher. Der Sommer war gegangen. In der Früh dunkelschwarzer Himmel. Novemberstimmung im Oktober. Da half nur heiße Schokolade.
weiße schlieren
nachts im gehirn verlaufen. träume
weggeschmissen. bacons
fleischberge in den mülleimer
geworfen. beim metzger kein
hirn. auf der straße leere flaschen
des verlorenen glücks. die blätter
gehen ins rot. weiße schlieren am
himmel verkünden den wechsel.
bald werden die nackten bäume
frieren. deine langen haare
grüßen im wind. die nüsse
sammelt das eichhörnchen