Die Winde liebte Franz sehr. Sonne und Wind. Bestes Radlwetter. Nordseewetter. Besser mit einer leichten Jacke auf dem Rad. Maria mochte lieber weniger Wind. Und mehr Wärme. Dem Franz war eine frische Brise schon recht. Der Bundestag hatte heute Geschichte geschrieben. Abstimmungen ohne Fraktionszwang mochte er. Rochen nach Demokratie. Gab es viel zu selten. Franz kannte viele Schwule. Auch Lesben. Aber ob die nun alle heiraten würden? Er war kein großer Freund von der Ehe. Doch jetzt durften sie. Das fand er schon gut. Viele hatten im Bundestag für die Ehe für alle gestimmt. Auch zahlreiche von der CDU. Die Gesellschaft hatte sich verändert. Nicht nur bei den Nazis war Homosexualität verboten gewesen. Mussten rosa Winkel tragen im KZ. Auch in der Bundesrepublik wurden die Schwulen lange verfolgt. Den § 175 hatte es ewig gegeben. Eine Schande. Im Strafgesetzbuch von 1872. Bis 1994. Ein Unding. Franz radelte gern durchs Glockenbachviertel. Am Abend ging er mit Maria essen. In der Stadt war viel los. Eine große Freude lag über der Stadt. Fehlte nur der Regenbogen am Himmel.
Allgemein
zieht abend übers land #2
zieht abend übers land,
zieht abend, legt nebel
sich auf die berg legt
schwer werden die
Felder, schwer, zieht abend
übers land, drückt weg die
sonne sich vom horizont,
einsamkeit durchfährt die
glieder des geliebten
einsamkeit, ermattet
wartend im kummer liegt
er, ermattet, zieht abend
übers land. ach nachtigall
ach nachtigall
Von der Birnbaumlyrik
Franz verstand sich ja eher als Birnbaumlyriker. Nicht, dass er Schiller verehrte. Aber er mochte Obstbäume. Bei der Lektüre war er aber auf die Bierbaumlyrik gestossen. Die war sicher auch interessant. Franz stellte sich da Kastanienbäume und Bierbänke im Biergarten vor. Nur im Bierrausch konnte er nicht schreiben. Auch nicht mit Birnenschnaps. Aber auf der Bank unterm Birnbaum fiel ihm schon mal was ein. Ob zur Blütezeit oder im Herbst, wenn reif die Früchte. Er war kein Fontane-Fan. Aber den Birnbaum, den mochte er schon.
küsse als rettung #else lasker-schüler
als zu ende war das
jahrhundert, der kommende
krieg schon in der luft, die
technik sich immer schneller
die flugzeuge fliegen und die
autos das fahren lernten, dem
bürgertum der hut vom kopf
da schien zu ende die welt
weltuntergangstimmungspoesie
überall. und else geht die liebe
suchen, die sehnsucht nach küssen
sie sehnte sich nach liebe, der
glaube am wanken, die küsse
als rettung in der kalten welt
als else lasker-schüler #2
als else lasker-schüler franz
marc traf und wurde zu prinz
jussuf von theben und präsentierte
der blaue reiter sein blaues pferd
präsentierte dem prinzen, da
funkelten die sterne, flogen die
postkarten her und hin, jenseits des
alltags, fern der wirklichkeit,
zwischen feuerochs und
zitronenpferd, eingesponnen
in der welt der fantasie, farbprächtige
gestirne, fabelweltenglück
bei kirke #3
odysseus genoss auch sehr
die gastfreundschaft von kirke
wollt gar nicht lassen von ihr
wars ein zauber? die dienerinnen
lieblich, der tisch reich geschmückt
wein fehlte auch ihm nicht, milch und
honig flossen, doch in die heimat er
muss fahren, nach ithaka
später dann, als odysseus längst
verschwunden, kirke verzauberte
den picus, er wollt sie nicht
in einen specht
über den Brenner #2
verloren die blätter und
doch verkünden die knospen
das frühjahr zart, so bleibt
die winterkälte und doch
eingeschrieben schon die
blütenpracht, feuchter
novembernebel lag in den
schluchten, über den
brenner wollt noch kommen
heut er, sein rad quälte sich
meter für meter, konnt
die hand fast nicht mehr
sehen, über ihm der adler
zog, als höher kam er, da
teilte sich, der nebel schwand
dem licht entgegen
bei kirke #2
ruhig das meer, als wir schliefen
im koben, aufgewacht genossen wir
unser schweineleben, der schädel
brummte noch, doch es gab reichlich
wasser und brot, tage vergingen
bis ankam odysseus uns zu
befreien. bedrohte hatte er die kirke
unbesiegbar gewesen er durch sein
wundersames kraut, hermes, der alte
fuchs, hatte es ihm verraten
befreit vom zauber lebten wir noch
bis wir gut bei kräften waren, auf
der herrlichen insel, kirke, eine
fantastische gastgeberin, lies uns an
nichts mangeln, fern der heimat, wir
aßen und tranken, ein paradies
Keinen Gin
Franz fühlte sich als Demokrat. Für Könige hatte er wenig übrig. Außer in Theaterstücken. Aber reale Könige hielt er für ziemlich überflüssig. Oder skurril. Spanien. Schweden. England. Aber irgendwie hatte er die englische Königin ins Herz geschlossen. Eher als kulturelles Ereignis. Die einen schauten ihre tägliche Seifenoper, andere amerikanische Serien im Internet. Manche tranken Gin. Gin mochte Franz nicht unbedingt. Aber in einer lauen Sommernacht fand er den Geburtstag der Queen amüsanter als Brexit-Verhandlungen von May. Der Streit um Kohl und sein Begräbnis hatte er Bildzeitung-Niveau. War ja auch kein Wunder. Familienstreit ums Erbe fand Franz eher peinlich. Ein Mensch, der 16 Jahre Kanzler war, war sicher kein einfacher Mensch. Franz mochte keine Machtmenschen.