Der April jagte schon Frühlingsstürme durch den März. Franz reckte seine Nase in den Wind, tief Luft holend. Die Bänke an der Isar waren fast alle besetzt. Franz sprang rasch ins Volksbad, um ein paar Runden zu drehen. Angenehme Leere. Freie Bahnen. Danach fühlte er sich entspannter. Sein Rad hatte im Winter ein paar Rostspuren bekommen. Zuviel Salz wohl. Müsste mal wieder geputzt werden. Wenn Franz Zeit verspürte, liebte er es, handwerkliches zu machen. Doch meist war dies nur Kochen. Wenn er Bücher gelesen, Sätze geschrieben hatte, liebte er es, Einkaufen zu gehen und etwas zu kochen. Gerne für Gäste. Gerne auch nur für sich allein. In der Küche hörte er gerne Radio. Drehte dann schon einmal lauter auf. Sang dazu. Wollte noch Klavier spielen heute. Ein neues Stück vielleicht. Weiße Wolken flogen am Himmel. Überall blühten jetzt Schneeglöckchen. Die Kornelkirschen fingen auch bald an zu blühen. Auf dem Weg nach Hause blieb er immer wieder stehen, schaute nach Blüten, nach Grün. Der Winter war gebrochen.
Allgemein
Lautes Rauschen
01.03.2017
Der Aschermittwoch war ohne besondere Vorkommnisse. So schien es zumindest. So schien es Franz. Viel los in Niederbayern. Schulz war da und machte alle glücklich. Seehofer war natürlich auch da. Auch die Linken. Die Grünen. Auch die FDP. Lebt scheinbar wieder. Harry Bellafonte feiert Geburtstag. 90. Franz war am Mittag zum Fisch essen eingeladen gewesen. Alte Tradition. Danach hatte er noch ein wenig geschrieben. Der Himmel hatte oft die Farben gewechselt. Zwischen Blau und Schwarz war fast alles drin. Doch fast kein Regen war gefallen. Kein langweiliges Wetter. Der Wind hatte Franz beim Radeln kräftig angeschoben. Flügel verliehen. Franz hatte gerne Flügel. Auch wenn er kein Engel war. Am Abend musste er arbeiten. Freute sich auf die Bar. Die Isar war fast rau gewesen. Die Wellen hoch. Lautes Rauschen. Wusch die Ohren rein.
Sie hörten von Fern die Amsel singen
Im Ohr der Wind sang
sein garstig Lied. Die Bäume
verbeugten sich vor ihm.
Die Wolken flogen in Eile
davon. Hochbetagt gingen
die beiden ihren Weg. Ungerecht
der Kies. Früher hatten sie das
Heu noch mit der Hand. Die
Rücken waren krumm
von der Arbeit. Sie hörten von
Fern die Amsel singen. Ein Lächeln
ging über ihre Gesichter.
Geduldig warten wir auf den Morgen.
Im Garten gegangen.
Gewaschen. Fern der Tag.
Gereinigt die Hand.
Mit krummen Rücken
treten wir ein.
Eine Schale Reis
gereicht. Der Wasserkessel
erreicht die notwendige
Temperatur.
Schweigen.
Nichts.
Der Tee wird
gereicht.
Geduldig warten
wir auf den
Morgen.
Schwere Kunst. Für Alf Lechner
Schwere Kunst. Stahl.
Skulpturen für die Ewigkeit.
In München starten – in
München landen.
So groß wie ein Airbus.
220 Tonnen schwer.
Passt in kein Museum.
Die Statiker würden den
Vogel zeigen. Kein Wind weht
um. Egal, wer sich dran kratzt.
Keine Putzfrau wischt hier das
Fett weg. 220 Tonnen Stahl.
Rund 200 kleine Autos.
Ein Kunstwerk. Was bleibt.
Harte Kunst. Dazwischen.
In den Orten. Da.
Schnell war der Tanz vorbei
28.02.2017
Der Marktweibertanz hatte schlechte Wetter. Überhaupt war Franz vom Faschingsdienstag genervt. Wollte keinen Regen haben. Die Stimmung schien schon ein wenig wie Aschermittwoch. Alles vorbei. Franz war kein großer Faschingsfan. Aber auf den Viktualienmarkt gehen gehörte für ihn dazu. War er auch mit Großvater öfter gewesen. War aber früher kein großer Event. Auch heut war der Tanz schnell vorbei. Der Regen drückte auch bei den anderen auf die Stimmung. Trotz schlechter Laune ging Franz am Nachmittag an den Schreibtisch. Er wollte zumindest einen Text überarbeiten. Zumindest. Er hatte auch eine Idee für einen neuen Text. Musste noch sehen.
Schneeglöckchen
Die Schneeglöckchen trotzen
der Wintererde. Verkünden eine
frühe Frühlingssinfonie. Hörst du,
wie sie klingen? Krokusse sehen
voller Neid auf die Mutigen. Tulpen
und Narzissen sind feige Brüder
und Schwestern. Die späten
Winternächte schicken noch
schaudernde Kälte. Doch das
Mittagsgeläut der zarten
Glocken klingt zart ans Ohr.
So nah der Frühling schon.
Bücher anfassen
27.02.2017
Franz mochte keine großen Buchhandlungen. Supermärkte für Bücher waren ihm suspekt. Hugendubel war nie sein Fall gewesen. Nur ganz selten dorthin verirrt. Viel zu viele Bücher, die ihm nicht gefielen. Auch viel zu viele Menschen. Liebe Feinkost. Ausgewählt. Aber Telekom anstelle Hugendubel am Marienplatz war nicht besser. Kein Mensch braucht doch so viele Telefonläden. Nun sollte im Sommer der Hugendubel wohl zurückkehren zum Marienplatz. Es gab wichtigeres für Franz. Aber auch schlechteres. In der Fußgängerzone war er selten. Meist nur durchgeradelt. Wenn er von der Bibliothek kam oder früher von der Uni. Je nach Laune. Wie das Wetter war. Durch den Englischen Garten. Oder über den Marienplatz. Zum Glück gab es in München noch gute Buchläden. Aber sie waren nicht mehr geworden. Gerade im Univiertel hatte sich vieles negativ verändert. Franz kaufte immer noch Bücher in einer Buchhandlung. Mochte die Gespräche. Liebte es, Bücher anzufassen. Ging aber auch gern in Bibliotheken. Dort herrschte eine arbeitsame Stille. Meistens zumindest. Schrieb aber auch gerne im Café. Im Winter. Im Sommer.
Gegen die Fluten
Herausgeschlagen aus dem
Baumstamm. Entzwei springt
das Herz. Das laute Meer
stürzt auf ihn ein.
Die Insel der Glückseligen
kämpft gegen die Fluten an.
Tel Aviv in Berlin
Am Abend war er ins Yafo eingeladen. Geburtstagsfeier. Manchmal ist Tel Aviv mitten in Berlin. Bei Israelis war es chick, nach Berlin zu gehen. Billig. Zumindest gewesen. Die Küche wurde gleich mitgebracht. Das Leben in Tel Aviv war teuer. Party ging auch woanders. Und erst recht Kunst. Also leben auf einmal viele junge Israelis in Berlin. Olim le-Berlin. Tel Aviv in Berlin. So im Yafo. Für die, die sich am Leben freuen. Die gerne gut Essen. Prenzlauer Berg. Die Hauswand verziert. Im Sommer lässig vor der Tür. Leicht windschiefe Bänke und Stühle. Israeli Food. Nicht jüdisches Essen. Vegan und Vegetarian. Aber es gab auch Fleisch. Keine Dogmen. Nicht nur Restaurant. Auch Bar. Er freute sich darauf. War schon einmal mit Franz dagewesen. Gute Stimmung immer. Schönes Wohnzimmer. Ging gern mit der ganzen Familie hin. Aber zur Party blieben die Kinder daheim. Der Babysitter würde aufpassen. Sie fuhren mit dem Rad hin. war nicht so weit. Jo radelte gerne schnell. Die Nacht war lau. Fast Frühling. Als sie ankamen, war der Hunger schon groß. Doch erst anstoßen, Geschenke überreichen. Hier ein Kuss, dort ein Kuss. Es würde ein schöner Abend werden. Ganz bestimmt.