Der Sonne entgegen

25.02.2017

Der neue Eisbär im Tierpark erweicht die Herzen. Franz war schon lange nicht mehr dort gewesen. Doch die Sonne schien schön und so hatte er auch Hellabrunn aufgesucht. Zwischen den Liebespaaren und den vielen Kindern fühlte er sich oft unwohl. Später war er noch die Isar aufwärts geradelt. Der Sonne entgegen. Weit raus aus die Stadt. Eigentlich hatte er eine Karte fürs das Bayern-Spiel geschenkt bekommen. Aber es reizte ihn nicht wirklich. Lieber die Beine spüren. In der Sonne kam er ins Schwitzen. Der Fasching in der Stadt war Franz nicht so wichtig. Er mochte schon den Faschingsdienstag. Aber sonst kam man ihn München gut ohne aus. Trump hat Medienvertreter von der Pressekonferenz ausgeschlossen. Die gute alte Tante New York Times musste draußen bleiben. Neben einigen anderen. Der Umgang mit der Presse verrät immer, wie viel Kritik ein Politiker verträgt und wie demokratisch er wirklich denkt. da haben Trump, Putin, Erdogan was gemeinsames. Franz las gerne Zeitung. Jeden Morgen zum Frühstück. Die gedruckte Süddeutsche. Hatte schon sein Großvater gemacht. Aber Franz las auch gerne online andere Zeitungen, Zeitschriften. Der Oscarverleihung sah er ganz entspannt entgegen. Die Reden könnten doch interessant werden. Am Abend wollte er noch was schreiben. Den ganzen Tag hatte er fast nichts geschrieben. Nur ein paar Notizen gemacht.

Eifrig singt der Zaunkönig

Der Fluss schlängelt

sich leis, zart fallen die

Sonnenstrahlen auf

 

das alte Laub,

hier und da ein

grünes Blatt, der

 

Wind hat sich

gelegt, eifrig

singt der Zaunkönig

 

das alte Nest noch in

Gebrauch. Her young

ones in her nest, against the owl.

Mitunter folgten die Wörter

24.02.2017

Die Sonne nur kurz gesehen. Die Wolken flogen vor seinen Augen umher. Mitunter folgten auch die Wörter. Franz war zufrieden mit seinem Text. Hatte ihn an der Schreibmaschine geschrieben. War noch von seinem Großvater. Mochte den Anschlag in der Stille des Arbeitszimmers. Kleinere Texte schrieb er gerne auf ihr. Manchmal fünf oder zehn Mal den gleichen Text. Bis er zufrieden war. Eigentlich war Franz ja ungeduldig. Wollte, dass es schnell ging. Doch an der Schreibmaschine wurde alles langsamer, intensiver. Jedes Wort, jeder Buchstabe wurde sich erarbeitet. Der Schulz-Hype war Franz nicht unsympathisch. Machte den Wahlkampf interessant. Zumindest im Moment. Die Medien machten den Hype zum Hype. Schulz ritt auf der Welle. So langsam machte sich die CDU wohl Sorgen. Suchten sich Munition. Die SPD schien Franz wie verwandelt. Aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst. Am Abend musste Franz noch in der Bar aushelfen. War jemand ausgefallen.    Ein paar Freunde wollten später auch kommen.

Die Schmetterlinge wollen noch schlafen

Die Berge ragen in die

Wolken, der Schnee

auf den Wiesen will

 

gehen, der Schleier hält

verborgen den Wald,

schwer erscheint der Aufstieg

 

im Februar, vom Wind

umweht, der Gipfel

 

fern, die Schmetterlinge

wollen noch schlafen

 

Der Mond wird uns verborgen bleiben

Der Wind hat kräftig Luft

geholt, seine Lungen

vollgeblasen, die Bäume liegen

schräg, zwischen den Sonnenstrahlen

 

tanzen die Wolken staccato,

die Fußgänger tragen keinen

Schirm, die Blätter vom letzten

Herbst erhalten neues

 

Leben, der Mond wird uns

verborgen bleiben, nicht

Ansingen müssen wir ihn heut.

Heut wird kein Segel gesetzt.

Bashos Erleuchtung

Frühlingsnarzissen liegen auf

dem Tisch, in der Dose noch

schwimmen die Ölsardinen,

der   Februarhimmel trägt graue

 

Wolken als Kleid, zwischen den

Ästen pfeift der Wind ein

fröhliches Lied, hart schlagen

die Klaviertasten auf ihren

 

Grund, verstreute Glasscherben

erzwingen einen Slalom für den

voranstrebenden Radfahrer, für

einen Moment scheint seine Mütze

 

vom Kopf zu fliegen,

Bashos Erleuchtung nicht erreicht.

Düsseldorf: Container

Das Vermächtnis des Punks

herausgeschrien, Beuys Badewannen

geputzt. Zwischen Laut und Luise ein

Röcheln an der Wand. Jeder Künstler

ist ein Künstler. Im Gebeinhaus liegen die

blassen Knochen durcheinander. Auf dem

Rhein fahren weiße Ausflugsdampfer. Die

Deiche sind schön grün geworden.

Kohle wird nur noch selten geschleppt

auf den Kähnen. Fortuna hat kein Glück,

Heines Gedichte verschmäht, verbrannt.

Container warten im Hafen

Das Grau der Tage

Das Grau der Tage schlug Franz aufs Gemüt. Ihm fiel nichts ein. Schon seit Tagen keinen anständigen Text mehr geschrieben. Immer wieder in den Papierkorb geworfen. Oder, schlimmer noch: Auf das weiße Papier gestarrt. In den matten Bildschirm geglotzt. Unzufrieden über sein Schaffen gewesen. Beim Radeln über die Nässe geärgert. Auch beim Bäcker nicht entspannt gewesen. Vor der Nase der letzte Vanille-Krapfen verkauft. War nicht sein Tag. Dabei hätte der Krapfen die Laune gehoben. Es half aber nichts. Am Abend musste er auch noch in der Bar arbeiten. Auch das noch. Hatte heute zugesagt, dass er zu einer Lesung nach Berlin fahren würde. Zusammen mit ein paar anderen Autoren gab es eine Veranstaltung von seinem Verlag. Berlin gefiel ihm. War lässig. Viele Kollegen waren dort. Würden ein paar schöne Tage werden. Noch war aber kein Frühjahr, noch war kühler Februarregen. Ganz verzweifelt kämpfte sich ein wenig Grün durch die kalte Erde.