Jasna Gora: Mateusz #2

Immer wieder war er nach Jasna Gora gegangen. Jedes Jahr. Seinen Rosenkranz dabei. Von Warszawa aus zu Fuß. Gut 200 Km gepilgert. Auf den Heiligen Berg. Zur Schwarzen Madonna. Er war nicht der einzigste. Viele gingen mit ihm. Jeden Tag. Jedes Jahr. Millionen Polen gingen zur Schwarzen Madonna. Oder fuhren. An sie hatten sie immer geglaubt. Sie hatte ihnen immer geholfen. Sie hatte die Kriege überstanden. Auch die Weltkriege. Auch die Nazis. Auch die Sozialisten. Später kam der Papst. Ihr Papst. Immer wieder. Wie er. Er kam jedes Jahr. Seine Füße schafften es noch. Auch wenn ihm das Gehen schwer fiel. Er musste den Weg gehen. Solange er noch konnte. Mateusz war jetzt schon alt. Seine Frau ging schon lange nicht mehr mit. Doch seine Knie waren noch in Ordnung. Er brauchte jetzt länger. Zwei Wochen oder mehr. Kam darauf an. Doch er war nie allein. Er bettete immer den Rosenkranz. Er ging zur Schwarzen Madonna. Jasia Gora war kein hoher Berg. Vielleicht war es das letzte Mal. Dieses Jahr wollte er noch gehen.

kein hamlet da #2

eisscholle an eisscholle, eisberge

verschieben, kein hamlet zu sehen

weißes land, nuuk bietet nicht

viel, der polarkreis liegt um die 

ecke, nordatlantikstrom  streift,

im sommer sieht man hier nicht 

nur schnee, der sermitsiaq grüßt

schon von weitem, manchmal landet

auch ein flugzeug. dänemark ist 

weit weg, der polarwolf streift 

umher, in der nacht hat uns eine

schneeeule besucht, ihr lautes 

krächzen durchbrach das schweigen 

der dunkelheit, weißes land, im 

sommer leuchtet das weideröschen

lila, kein hamlet da

wintergroll #2

begraben am strand liegt hamlet immer

noch, die möwen kreischen ihr lied. der butt

verwunschen, hilft nicht weiter, die mörder

ziehen ihre rund, schneeweiße birken im

wind sich regen, müd zieht der fischer sein

netz. die ostsee tobt ihren wintergroll

deine hand hält meine, eisschollen 

tanzen den tanz der hyänen

kreischen ihr lied, die möwen

Warszawa: Andrzej #3

Damals war sein Großvater gefallen. Die Winter waren voller Nebel und Schnee. Der Fluss kalt. Manchmal ging Andrzej auch im Winter zum Fischen. Mochte die Ruhe. Die Natur. Arbeitete im Muzeum Powstania Warszawskiego. Im gefiel die Arbeit. Das Museum war ihm wichtig. Der Aufstand erfüllte ihn mit Stolz. Auch wenn der Warschauer Aufstand gescheitert war. Sie hatten sich gewehrt. Gegen Hitler. Gegen die Nazis. Zu wenig Hilfe hatte es gegeben. Zwei Monate hatte die polnische Armee und die Bevölkerung gegen Wehrmacht und SS gekämpft. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen. Warszawa zerstört. An der Bevölkerung ein Massaker verrichtet. Doch die Polen waren stolz auf diesen Aufstand. Andrzej lebte in der Altstadt. Sie war ihm wichtig. Sie war komplett zerstört worden. Und ist wieder aufgebaut worden. Sie lebte wieder. Auch wenn sie nicht so schön wie vorher war. Er lebte dort. Und Warszawa lebte wieder. Darauf war er stolz. Und arbeitete gern im Museum. Im Winter ging er gerne zum Fischen. Die Kälte konnte ihm nichts anhaben. Damals war sein Großvater gefallen. Damals.