
Wolken vor der Sommersonne


Die Nase schnüffelnd auf die Erde gerichtet, doch die Erde ist keine Erde, abgemagert bis auf die Knochen schleicht herum, nicht bellend, nicht Angst einjagend, nicht imponierend, abgelegt jedes Macho-Gehabe, unbrauchbar für die Jagd, unbrauchbar zu hüten die Schaf, unbrauchbar zu bewachen den Hof, auch er, der Katze gleich, bringt nicht heraus den Ton, den es bräucht als Musikant. So schleicht er sich davon. Traurig sein Blick.
Hund, Giacometti, 1951

siegfried schwimmt über den rhein davon
die kleider der opernhausgänger sind kürzer
geworden. der duft des phlox liegt süß in der
luft. fußgängerzonengeher treffen nur hier und
da radfahrer. in der früh noch alles aufgeräumt
lkws liefern in der zone
andere heilige haben die italiener
abgeerntet die roten beeren
nach wasser dürsten die anemonen
siegfried allein

über und über quellen rote beeren, schwüle
wärme der frühe, am abend das rote bouquet
in der kehle, nur deine lippen noch röter von
den bissen, das heu wird vom bauern eingefahren
später laufen wir hand in hand über die staubtrockenen
wiesen, hortensien kämpfen
mit dem phlox um zuneigung, längst biegen sich
die zweige der apfelbäume zum boden
beckett wartet überhaupt nicht mehr auf godot
in der nacht treffen wir fische im see
das korn längst gedroschen
über läuft der rote wein, über

Lauer Abend. Lange Nacht.
Kaltes Duschen hilft. Aber auch nur temporär. Franz konnte ja nicht den ganzen Tag duschen. In der Früh ins Freibad ein paar Runden. Am Abend wieder. Dazwischen arbeiten. Duschen. Eis essen. Oder Wassermelone. Ventilatoren mochte Franz nicht. Manchmal ging er dann einkaufen. Stellte sich vors Kühlregal. Hatte keine Eile. Mittags verdiente Ruhe in der schattigen Wohnung. Blos nicht auf den Balkon. Viel Wasser trinken. Erst am Abend größeren Hunger. Beim Griechen Fisch mit Salat. Lauer Abend. Lange Nacht.

