
Wachsendes Korn 🌾



der milchmann war schon lange nicht mehr
um die ecke gebogen. nach regen sucht die
erde, die letzten tropfen wasser treibt der
wind aus, grün trägt der fluss in die tiefe ebene
die droste läuft über das moor, kuriere der
nacht bringen keine post, verzweifelt ruft
der regenpfeifer, der wind im rücken treibt
uns an, lila duftet ein flieder
leer steht die milchflasche in der küchenecke
auf dem land wird sie noch gut
besucht, der altar der mutter gottes
festlich geschmückt. verehrt oft mehr
als der gekreuzigte, gut besucht noch
die frauen zu finden sind in der kirch
der maienkönigin zur ehr, ave maris stella
zuflucht suchend unter deinem dach
zu finden sind
breit nur den mantel aus
maria, gewappnet gegen sturm
und weh, regen zieht übers land
breit nur den mantel aus

das dorf lag ruhig in der sonne, verreist die einwohner
auf der mauer döste eine schwarze katze, schwalben zogen
ihre kreise über den kastanienbäumen
der maibaum schien noch frisch, maikäfer brummten aus der
hecke hervor, langsam schlich ein bulldog um die ecke, hatte
auch schon bessere zeiten gesehen
das wirtshaus öffnete nur noch am wochenende, im kuhstall war
schon lange keine kuh mehr aus- und eingegangen, neu angelegt
der gehsteig, am abend zerstreuten jungs mit ihren rollern die stille
fast schien leben ins dorf zu kehren, fast

der raum, das zimmer, das feld
die früchte auf dem tisch, das meer
vermessungen.
der stuhl, das bett, das fenster
der balkon. in rosa, in grün, violett
himmelblau, kobaltblau oder pfefferminzgrün
der maler vermisst das gelände
die berge, die seen, die blumen
die bäume. gebiete, territorien, fluchten
linien, perspektiven. am anfang das
große tohuwabohu, wüst und leer
gott schuf himmel und erde
wüstheit und leere
keine ordnung nirgends
die kunst ein kampf gegen tohu
gegen vuhu
es war ein großes tohuwabohu
der maler wischt weg die bilder
der geschichte, malt auf ihnen ein neues
zieht linien, ordnet die welt

