kuriere der nacht #2

der milchmann war schon lange nicht mehr
um die ecke gebogen. nach regen sucht die
erde, die letzten tropfen wasser treibt der
wind aus, grün trägt der fluss in die tiefe ebene

die droste läuft über das moor, kuriere der
nacht bringen keine post, verzweifelt ruft
der regenpfeifer, der wind im rücken treibt
uns an, lila duftet ein flieder

leer steht die milchflasche in der küchenecke

maiandacht #3

auf dem land wird sie noch gut

besucht, der altar der mutter gottes

festlich geschmückt. verehrt oft mehr

als der gekreuzigte, gut besucht noch

die frauen zu finden sind in der kirch

der maienkönigin zur ehr, ave maris stella

zuflucht suchend unter deinem dach

zu finden sind

breit nur den mantel aus

maria, gewappnet gegen sturm

und weh, regen zieht übers land

breit nur den mantel aus

fast #2

das dorf lag ruhig in der sonne, verreist die einwohner
auf der mauer döste eine schwarze katze, schwalben zogen
ihre kreise über den kastanienbäumen

der maibaum schien noch frisch, maikäfer brummten aus der
hecke hervor, langsam schlich ein bulldog um die ecke, hatte
auch schon bessere zeiten gesehen

das wirtshaus öffnete nur noch am wochenende, im kuhstall war
schon lange keine kuh mehr aus- und eingegangen, neu angelegt
der gehsteig, am abend zerstreuten jungs mit ihren rollern die stille

fast schien leben ins dorf zu kehren, fast

tohuwabohu #3

der raum, das zimmer, das feld
die früchte auf dem tisch, das meer
vermessungen.

der stuhl, das bett, das fenster
der balkon. in rosa, in grün, violett
himmelblau, kobaltblau oder pfefferminzgrün
der maler vermisst das gelände

die berge, die seen, die blumen
die bäume. gebiete, territorien, fluchten
linien, perspektiven. am anfang das
große tohuwabohu, wüst und leer

gott schuf himmel und erde
wüstheit und leere
keine ordnung nirgends
die kunst ein kampf gegen tohu
gegen vuhu

es war ein großes tohuwabohu
der maler wischt weg die bilder
der geschichte, malt auf ihnen ein neues
zieht linien, ordnet die welt