Wenn Franz keine Einfälle hatte, fuhr er gern zum Bahnhof. Er mochte das Treiben. Die Pendler. Die Fernreisenden. Am liebsten die Urlauber mit Rucksack. Er kaufte sich dann eine Zeitung, trank einen Kaffee. Manchmal auch zwei. Beobachtete dabei die Menschen. Schaute sich Fahrpläne an. Wann fuhr der nächste Zug nach Paris? Nach Rom? Nach Budapest? Es gab auch Tage, da stieg er in einen Zug ein. Lies sich treiben. Fuhr irgendwo hin. Meist mit dem Bayern-Ticket. Gern nach Bregenz. Manchmal auch Salzburg. Wenn er gerade gut bei Kasse hatte, auch für ein paar Tage nach Florenz oder Rom. Frühling in Italien gefiel ihm. Verbesserte seine Laune schlagartig. Am liebsten war er mit einem Rucksack unterwegs. Mochte keine Rollkoffer. Brauchte nicht viel. Der Kaffee am Bahnhof schmeckte ihm gut. Roch nach Italien. Redete mit der Bedienung ein paar Wörter. Fast wie Urlaub. Franz liebte seine Sehnsucht.
Allgemein
Züge 🚂 können pünktlich sein!

Maienkönigin #2
die wallfahrer benötigen
kein feigenblatt mehr, das
ave maria schnell gebet
auf dem berg glückseliger
rausch nach langen strapazen
das dirndl der bäuerin sitzt
stramm, ähnlichkeiten mit picassos
frauenbildern eher zufällig
am ende noch ein letzter
rosenkranz, bevor der
rausch einen übermannt
vergelt´s gott
Josephsplatz

München HBF

Arbeitszimmer #2
Arbeitszimmer
Der Kastanienbaum vor Franz Arbeitszimmer blühte rosa. Die Wörter fielen ihm nur so auf den Tisch. Vorsichtig schrieb er sie auf. Mit dem Bleistift, mit der Schreibmaschine. Er liebte das Handwerk. Gerne wäre er Schreiner geworden. Nur die Maschinen waren ihm zu laut. Aber der Klang seiner Schreibmaschine war ihm recht. Nein, nicht immer. Doch mit Blick auf den Baum, auf die aufgeworfene Rinde, wollte er nicht am Computer arbeiten. Gewitterstimmung lag in der Luft, die Wolken zogen sich zu. Ob er am Abend draußen sein könnte, würde sich noch zeigen.
Über die Stadt hinweg…

die weißen blüten #2
am himmel kreist der fremde vogel
die weißen blüten des apfelbaumes ragen
in den schwarzen himmel, droste geht über
der gelben frühlungswiese spazieren
das meer braust auf die felsen zu,
kalte schauer laufen über deinen rücken
küsse fliegen gegen den wind
die hühner laufen in den stall
von fern motorengeheul,keine
pakete bringt der postbote
im leeren stall brennt kein licht
am himmel kreist der fremde vogel
Wolken ziehen übers Feld

Erdbeere #2
Das Sternenzelt noch lange nicht
abgebaut, in den warmen Mainächten
das Zählen verlernt, am Apfelbaum
die Blüten längst abgeworfen, schwere
Träume fließen den Lech hinunter
Kiesel über Kiesel
bleibt kein Stein
auf dem anderen.
Zwischen deinen Lippen die
Erdbeere geküsst.
Hamlet sucht sein Pferd.