Immer schon fuhr Tomasz Bus. Immer von Polen nach Deutschland. Von Deutschland nach Polen. Nur selten fuhr er andere Strecken. In Jelenia Gora war er am liebsten. Dort war immer Rast. Aß vom Grill eine fette Käsewurst. Kielbaski z serem. Dann war er zuhause. Daheim. In Polen. Wenn er bei Görlitz über die Grenze fuhr. Tomasz wurde schon nervös. War schon lang unterwegs von München. Wurde Zeit für was Heißes. Meist mitten in der Nacht. Am frühen Morgen. Die Sonne würde noch brauchen bis zum Aufgehen. Später ging es weiter nach Wroclaw, nach Katowice oder Opole, oder noch weiter, nach Lodz oder Warszawa. Aber erst die Grillwurst. Gab ihm neues Leben. Er war gern unterwegs. Doch in Jelenia Gora war er glücklich.
Allgemein
Febuarfreitagmorgen

Januarfirmament

Die Sonne verdrängt die Nacht

Geheimnisse…

Schemtschug: Jurij #2
Der Weg ist weit. Ohne Auto fast kein wegkommen. Jurij hat noch keinen Führerschein. Auch kein Mofa. Um seine Freunde zu erreichen, muss er mit dem Bus fahren. Der Bus fuhr nicht oft nach Schemtschug. Wenn er einen verpasst hatte, musste manchmal stundenlang warten. Im Winter konnte das Warten besonders lang werden. Doch die Kälte war er gewöhnt. Manchmal nahm ihn jemand mit, der vorbeifuhr. Doch nicht immer kam jemand. Er mochte das Fahren mit dem Bus. Die Haltestelle hatte bunte Farben. Oft keine andere Seele zu sehen. Sein Dorf war kein Dorf. Nur ein paar Häuser. Ein paar Menschen. Ein paar Schweine. Ein paar Kühe. Kartoffel kamen in die Erde. Getreide. Tomaten wuchsen vor dem Haus. Ein paar Apfelbäume. Jeder sorgte für sich. Keiner musste verhungern. Hier war niemand reich. Die Reichen lebten woanders. In der Stadt. Vielleicht würde er irgendwann in die Stadt ziehen. Irgendwann. Doch dann müsste er seine Familie verlassen. Und seine Freunde. Soweit war Irkutsk ja auch nicht weg. Drei Stunden würde man mit dem Auto brauchen. Im Sommer.
Zgorzelec: Marek #2
Die Stadt ist alt und doch nicht alt. Früher war sie einmal Vorstadt. Vorstadt von Görlitz. Jenseits der Neiße gelegen. Oder diesseits. Mareks Vater war Soldat gewesen. Mit der neuen Grenze war er hergekommen. Viele Soldaten waren damals in Zgorzelec gewesen. Der Feind war damals im Westen. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen fast alle Deutsche fort. Marek hatte in Berlin studiert. War ja nicht weit. Konnte man Wochenende immer heim fahren. Danach war Marek wieder nach Zgorzelec gegangen. Heute arbeitet er in Görlitz, deutschen Teil der Stadt. Kümmert sich um Europa. Marek sind Grenzen nicht so wichtig, er will sie nicht verteidigen. Fühlt sich als Europäer. Radelt immer mit dem Rad über die Neiße. Von Polen nach Deutschland. Von Deutschland nach Polen. Tag für Tag. Viele Soldaten sind nicht mehr in Zgorzelec.
Vor dem Konzert

Wolken drohen über dem Rathaus

Winterhimmel aufgerissen
