Sommer wie Winter arbeitete Wassili an der Universität für Eisenbahnwesen. War dort Lehrer. Er war selber Ingenieur und bildete Ingenieure für Lokomotiv- und Wagentechnik aus. Seit es die Transsib gab, brauchte man gut ausgebildete Leute für die Eisenbahn. Mittlerweile kann man an der Hochschule auch andere Fächer studieren, doch Wassili bildete nach wie vor Ingenieure für die Eisenbahn aus. Sein Vater war Lokomotivführer gewesen, sodass er immer schon die Eisenbahn liebte. Wassili mochte die Stadt. Es lebten viele Studenten hier. Es gab ja auch viele andere Hochschulen. Seine Wohnung war seit 20 Jahren die gleiche. Plattenbau. Meist ging die Heizung gut im Winter. Konnte nicht klagen. Auf dem Land hatte er eine kleine Datscha. Seine Frau war ganz zufrieden mit ihm. Es ging ihnen gut. Machten Urlaub im Sommer. Hatten zwei große Kinder, die am studieren waren. Vom Balkon konnten sie direkt auf den Fluss schauen. Als der Ministerpräsident die Hochschule besuchte, hat er ihm die Hand geschüttelt.
Allgemein
Morgensonne gegen den Nebel

Es war einmal eine Post…

Viel Arbeit für Fensterputzer

Sommerfenster im Winter

neu auf Mosaik
der Frühjahrskatalog vom Passagen Verlag ist da…

Tjumen: Juri #2
Tjumen war nicht mehr weit. Schnee lag überall. Kälte kroch in seinen LKW. Bald würde er Hunger haben. Er spürte es schon deutlich. Den Tura hat er schon überquert. Moskau ist hier weit entfernt. Juri fuhr gerne LKW. Er liebte das Unterwegssein. In Tjumem lebte sein Bruder. War reich geworden mit Öl. Hier gab es viel Öl. Tjumen war schnell gewachsen, seit das Öl reichlich floss. Früher war hier BP gewesen. Doch die brauchte man nicht mehr. Juri hätte gern einen Sohn. Doch mit den Frauen hatte er kein Glück. Sein Bruder hatte Kinder. Drei Söhne und ein Mädchen. Die Jungs schlugen sich immer. Juri hatte früher mal in Deutschland gelebt. Dort mehr Geld verdient. Hatte aber auch viel Stress gehabt. Sein Leben war jetzt entspannt. Er hielt an der Tankstelle vor Tjumen. Immer eigentlich. Manchmal tauschte er irgendetwas. Benzin. Oder was anderes. Dort gab es das beste Schaschlik. Am Feuer gegrillt. Während er im Schnee steht. Der Himmel weiß in der Nacht. Schneeweiß. Seine Wangen rot. Das Holz gibt reichlich Wärme. Er mochte die Frau vom Imbiss. Sie hatte schöne Augen. Manchmal blieb er länger.
Blagoweschtschensk: Majenka #2
Gelb war das Haus angestrichen. Türkis die Fensterläden. Der Dachstuhl glänzte im dunklen Rot in der Morgensonne. Auch innen farbenfroh. Lange Winter hatten keine Chance. Die Tapeten an der Wand hatten Blumenmuster. Kein Grau. Der Fluss Amur nicht weit. Auch nicht die nächste Stadt. Blagoweschtschensk. China ein Katzensprung. Das Haus stand in Ivanovka. Nicht der Rede wert. Ein Dorf wie viele andere. Majenkas Familie war schon vor Jahrzehnten hierhergezogen. In den Ost. Hier war Russland fast zu Ende. Früher hatte man hier nach Gold gesucht. Ihre Familie hatte aber nichts gefunden. Haben Tiere gezüchtet. Kartoffeln gepflanzt. Ihr Vater war Lehrer geworden. Majenka auch. Dorfschule. Rechnen. Lesen. Nun ist sie schon in Rente. Pflanzt immer noch Kartoffeln an. Sie mag ihr buntes Haus. Auch die Kirche mag sie. Die ist ganz in blau. Weiß die Fenster. Am Sonntag kommen immer die Enkelkinder. Und bringen Kuchen. Früher ist sie auf dem Amur mit dem Schiff gefahren. Oft sah sie einen Kranich über den Fluss fliegen. In Japan ist sie nie gewesen.
Wladiwostok: Schorotschka II #2
Schnee bringt nicht nur Schönheit. Schorotschka fuhr im Sommer und Winter. Von Ost nach West. Von West nach Ost. Wladiwostok. Moskau. Weit war die Strecke. 9000 km. Mit dem LKW brauchte er oft zwei Wochen. Hier und da machte er Halt. Zum Essen. Trinken. Für die Nacht. Der Schnee kann heftig sein in Sibirien. Sturm ihn tragen. Die Sicht wird nicht besser. Die Straße schmaler. Langsamer fahren die Autos. Er wird seltener überholt. Meistens. Manche fahren schneller. Bäume und Häuser stehen am Rand. Immer wieder. Gestern Abend. Dunkelheit. Weiße Wand vor Augen. Er konnte nicht mehr bremsen. Das entgegenkommende Auto hatte keine Chance. Mehr Masse der LKW. Er hatte Glück gehabt. Die Straße war länger gesperrt.
