Erzähl mir von der Taiga, von Winden über der Steppe, von weißen Wüsten und rauen Stimmen, vom Wodka, der in der Seele brennt, vom Tanzen nach Mitternacht, spiel auf der Balalaika, spiel, Lieder zum Weinen, Lieder zum Lachen, erzähl vom Gebirge, von den langen Nächten zur See, wenn die Sonn nicht verschwinden will. Lauf über die Newa-Brücken, erzähl von den schwarzen Tagen, wenn die Nacht nicht enden will, nimm noch ein Glas, lass uns noch tanzen, die Nacht ist noch lang, flecht Girlanden ums Haar dir, die Wörter so zart, lass uns noch tanzen, ein letztes Mal. Es taget noch nicht, komm geschwind, ich flüstre ins Ohr dir, der Wind ist so kalt, Wang an Wang, wir wollen uns halten nur diese Nacht, sing noch ein Lied mir ins Ohr, nur noch das eine. Es kommt bald der Morgen, wir laufen geschwind.
Noch schnell das letzte Türchen
24. Noch schnell das letzte Türchen öffnen. Ein spannender Adventskalender mit schönen Texten.
Mit der Post angekommen
Frisch gedruckt und kurz vor Weihnachten angekommen, alles über Tugenden & Sünden.
Ein kleiner Text von mir ist auch dabei. Über die Faulheit.
Am tiefsten die Nacht
Am tiefsten die Nacht
nicht enden wollend
schon früh gehen Has und
Igel zur Ruh, die Sonn´
wendet sich, welch vermessen
nimmt sie doch nicht ihren
Lauf, die Lichter brennen
überall gegen das Dunkle
an, auf der Ofenbank
gewärmt die neuesten Wörter
zwischen dem knisternden
Holz und der heißen Glut, die
schweren Schuh des Wanderers
zum Wärmen, das gesammelte
Schweigen wäre Gold wert
Heinrich Böll kam nur bis Sparta
der Engel schweigt
Ein Blumenstrauß für Friederike Mayröcker
Nacht schon und doch
ein Blumenstrauß zum Fest.
92. Nicht rund und doch so groß
die Zahl schon ist. Wörterglück
Girlandensätze, Sachertorte,
Ekstase der Geburtstagslieder
der großen Königin der Sprache
ein wunderbares Fest, möge noch
Sprache finden, das ein oder andere
Gedicht in die Schreibmaschine
pressen.
Der Rausch der Sätze
Es gibt schlechteres als Sätze
die explodieren im Kopf
die einen betrinken sich
mit Alkohol, die anderen mit Wörtern
der Rausch der Sätze ist
nicht immer frei von Nebenwirkungen
gebannt auf Papier ist
die Ekstase erträglich,
der frische Wind weht
um die Nase, die Wörter
schreien aus dem Mund
die Sucht ist groß
Schnee will nicht fallen
Kalt der Wind über
die kahlen Apfelbäume
Mumien hier und da hängen
vom Sommer noch
von Fern das Blöken der
im Wintermantel gehüllten
Schafe, die Schlitten
stehen schon, ungeduldig
schauen die Kinder
zum Himmel, im Ofen
die Äpfel schmoren
Schnee will nicht fallen
Kerze #Gerhard Richter
Aus Freude, aus Glück,
aus Trauer, aus Ungeduld
angezündet die Kerzen
am Leuchter oder einfach so
weil es dunkelt, ein Licht aufgehen soll
hat Richter gemalt die Kerzen, unscharf
das Photo scheint, doch ein Photo
nicht ist, mit langer Belichtungszeit
fast ein wenig verwackelt, mal schärfer
das Bild, mal kälter das Licht, das Gemälde
das kein Photo ist und doch vorgibt
eins zu sein, Serie über Serie
Kerze folgt Kerze, eine stattliche
Größe annehmend
sprengend den Rahmen
des Üblichen, das Licht
metaphysisch gegen
Jenseits gewandt
den großen Fragen zu
Im Waldhaus gewesen #Sils Maria
Im Waldhaus gewesen, als sei magisch, ein Orakel gleich, der Hesse, auch Frisch und Thomas Mann, gewesen, im Waldhaus, auf Sommerfrische, Wanderungen, um den See, auf die Berge, durch die Täler, Chabrol filmte gleich, Strauss schrie Melodien zum Fenster raus, in Sils, im Engadin, der Richter malte die Fotos voll, gegen die Simulation der Wirklichkeit, die Künstler als Touristen, Erholung bedürftig, der Inspiration, auf der Suche nach neuer Kraft. Raufgeschleppt die Körper in dünner Luft, Gletscher angerannt, die süßesten Küsse getauscht auf der Blumenwiese. Das Pfeifen der Murmeltiere im Ohr, das Gemaule der Kühe, wenn zu spät der Bauer die Milch. Nur Nietzsche wohnte nicht im Waldhaus er. Zarathustras Stürme gingen vorüber.
Kund der Christstern gibt
Kund der Christstern gibt
von der Freud aufs Fest
von weit her erzählt
er die Geschichte
erfreute schon Großmutter
in der Kindheit.
Berichtet von der wundersamen
Zeit der stillen Nacht
Es weihnachtet, von
überfall die Lichter
auch drüben, am Fenster
erleuchtet hell, schauen
die Ellbogen aufs Kissen gestützt
zwei alte Leut die Staße an, zwischen
ihnen ein Christstern rot, tut kund
die selige Zeit