Über die Vampirfledermaus

Gemein hin gibt es doch sonderbare Tiere. Dazu zählen wir gewöhnlich nicht das Hausschwein, auch nicht das Wildschwein. Hund und Katz sind vertraut, auch Wolf und Fuchs. Gewöhnliche Säugetiere. Ach Vögel sind wohlbekannt und nicht unbedingt sonderbar. Ob Blaumeise oder Sperling, Adler oder Storch. Vögel eben. Fische sind meist auch gar nicht sonderbar, obschon sie von den Menschen entfernt im Wasser leben. Schon weniger geschätzt werden die Insekten, wer hat nicht schon erschlagen eine Fliege oder eine Mücke? Auch auf Spinnen ist nicht jeder gut zu sprechen. Im Unterschied zu Has´und Igel gibt es aber auch Säugetiere, die uns sonderbar erscheinen. So ist die Fledermaus nur nachts anzutreffen und fliegt, kein Vogel, doch frei wie ein Vogel durch die Luft, lässt gern den Kopf hängen. Manche dieser seltsamen Säugetiere, die doch keine Vögel sind, sind recht klein, so die Schweinsnasenfledermaus, obschon Schweine eigentlich recht groß werden. Nur zwei Gramm wie sie, ein stattliches Hausschwein dagegen kann schon einmal 300 KG auf die Wage bringen. Während sich viele Fledermäuse von Insekten oder Pflanzen ernähren, gibt es aber auch die, die sich ausschließlich von Blut ernähren. Vampire eben. Doch die Vampirfledermaus ist am Mythos unschuldig. Zuerst war der Mythos vom Vampir da, dann erst bekam die Vampirfledermaus ihren Namen. Und so scheint die Vampirfledermaus sonderbar zu sein, doch scheint sie nicht zu den Untoten zu gehören.

Ende Juli

Der Sommer hält nicht
immer was er verspricht, die
Gewitter jagen sich, die Blitze
teilen die Wolken, der Donner
vertreibt die Schwimmer vom
See, die Grillwürste werden
nass, die Städter verlassen
fluchtartig das Land, die Ertragslage
für Regenschirmverkäufer könnte
kaum besser sein, nur
in den Träumen laufen wir barfuß
über Sommerwiesen, an den
Silberdisteln vorbei, während die
Stadtbewohner längst im Trockenen
sind, geht die Kuh nass in den Stall.

Bollerwagen II

Wenn er mit dem Bollerwagen dahin ging, ohne Ziel die Gegend durchschweifte und bei seinen Büchern war, konnte es passieren, dass aus einem Buch jemand herauskletterte und sich ihm auf die Schulter setzte. Dies freute ihn, konnte er sich doch so viel besser über das Buch unterhalten. Er liebte diese Gespräche, waren die Personen aus dem Buch im liebe Gäste. Oft ging er gar nicht weit, das Ziehen des Bollerwagens fiel ihm nicht immer leicht, oft hatte er eben doch zu viele Bücher dabei, aber gerne machte er dann Rast und setzte sich auf einem Baumstamm. So konnte er ungestört sich über das Buch unterhalten.

Der Bollerwagen

Beim Spaziergang über die Auen zog er gern einen Wagen hinter sich her. Bollerwagen. Voller Bücher. So konnte, wenn er unterwegs war, er sich immer ein Buch herausnehmen und lesen. Gerne las er beim Gehen. Wenn er mit Freunden ging, konnte er ihnen vorlesen oder einfach, wenn Fragen auftauchten, etwas nachschlagen. Der Bollerwagen war groß, so müsste er nicht allzuoft das Sortiment ändern. Gern hatte er dabei, was er kannte, was ihm wichtig war. Jetzt, da er schon älter war und sein Gedächtnis ihm manchmal einen Streich spielte, konnte er sich an den Büchern festhalten.

Über die Deckenlampe

Sehr verschieden sind oft die Lampen der Menschen. Haben die einen Hirschgeweihe von der Decke hängen, als würde das Licht mit Blut gespeist, brauchen die anderen nur eine Fassung und eine Glühbirne. Davonschwebene Ballons aus Papier erlebten vor einigen Jahren eine Wiedergeburt, die handfesteren Wohnbesitzer lieben das Schmiedeeiserne, da ist der Gang zum Kamin nicht weit. Meine Großeltern hatten ja eine Gelsenkirchener Barocklampe an der Decke, mit Glühbirnen, die wie Kerzen aussahen, aber keine mehr waren. Doch der Leuchter hängt längst nicht mehr.

Fontana di Trevi

In Rom überkam ihn immer die Sehnsucht nach dem Trevi-Brunnen. Fontana di Trevi. Natürlich hatte er Fellinis Film gesehen, doch er war kein Fan von Anita Ekberg. Er wusste nicht, aber er musste hin. Doch erst in der Dunkelheit der Nacht, wenn die Menschen weniger wurden, ging er hin, setzte sich an den Rand und nach einer Zeit warf er eine Münze hinein. Warum wusste er nicht, aber könnte es Schäden? Die schwüle Luft war vergangen, ein frischer Wind kam auf und er begann durch die Stadt zu laufen. Fast, als würde er tanzen.

Schyrenbad

Entlang der Isar sind entstanden, im letzten Jahrhundert, verschiedene Freibäder. Gespeist vom Fluß auch das Schyrenbad, rechts der Isar gelegen, nah bei der Wittelsbacherbrücke. Ein Männerbad gewesen, ein reines, erst später durften auch die Frauen rein. Auf hat es oft bis Mitte September. Der Spätsommer ist die schönste Zeit hier. Die Abendsonne färbt die Bäume und das Wasser feierlich. Früher, nach der Uni, gingen wir hin und drehten noch die eine oder andere Runde, das Wasser angenehm, Ruhe fast hier im September. Ein paar ältere Besucher spielten Schach. Wenn der Hunger kam, gab es am Kiosk Pommes. Später ging es den Giesinger Berg rauf, vielleicht noch in den Nockherbergbiergarten. Die frühen Abende im Spätsommer, immer umwogen von einem Hauch Schwermut, man wusste nie, wann der letzte Badetag sein würde.

Ich ist immer ein anderer

Ich ist immer ein anderer und ich bin nicht ich. Bin ich verwirrt, wenn ich über ich schreibe oder will ich nur sagen, dass das lyrische Ich eine andere Person als ich selber bin? Soll ich ich schreiben, wenn ich schreibe? Ist es nicht einfacher, nicht über ich zu schreiben, eine andere Personalform zu benutzen? Er ist doch auch eine schöne Möglichkeit, oder sie.
Doch wer ist ich, wenn ich ein anderer ist? Dies soll sich der Leser überlegen, der Autor ist dafür nicht zuständig. Der Autor schreibt, der Leser liest. Wer ich ist, wenn der Leser ich liest, weiß der Autor nicht. Geht ihm auch nix an. Der Autor schreibt einen Text. Ich mache jetzt einen Punkt.

Ausgespuckt vom Nachtzug

Ausgespuckt vom Nachtzug am helllichten Morgen. Die Hitze schlägt ins Gesicht. Roma Termini. Jetzt schnell in eine Bar. Cappuccino. Ein Corni dazu. Mehr muss nicht sein. Schwüle Luft liegt in der Straße. Gleich das Quartier für die Nacht aufsuchen. Schreiende Männer wollen uns schon eins zeigen. Wir haben gebucht. Der Aufzug nach oben ist abenteuerlich. Ein Käfig aus Stahl. Alter? Ob im Museum noch ein Platz für ihn frei ist? Schnell geduscht, rein in die ewige Stadt. Hält die Rotunde noch vom Pantheon?

Nachtzug nach Rom

Nachtzug nach Rom. In München angenehme Anspannung, Vorfreude.
Liegewagenabteil. Wer steigt zu? Zusammengewürfelte Menschen für eine Nacht. Damals musste man den Pass abgeben. Um in der Nacht, am Brenner, nicht gestört zu werden. Auf dem Gang ein Bier. Eine Zigarette. Nur nicht zu früh hinlegen. Es ist, als würde man die Zitronen schon riechen. Welche Vorfreude. Das Rattern über die Gleise. Sekunde für Sekunde. Nach dem Brenner wird es Stunde um Stunde wärmer. Der gereichte Kaffee langt. Roma Termini in Sicht. Schnell noch alles wieder in den Rucksack. Wo werden wir schlafen? Egal.