Lissabon

Im Walde dem Specht lauschend laufe ich schnell,
überall Pilze aus dem Waldesboden schießen.
Still das Reh neben Bächlein, die leis fließen.
Ausgezogen hat der Fuchs sein weiches Fell.

Der Lauf des Lebens liegt auf der Lichtung da.
Von Fern die weise Eule ruft dir zurück,
als könnt verstehen deine Sprach, sie schenkt Glück
dir für den Tag. Später du riefst ihr zu: Ja!

Töne des Klaviers schlagen in der dunklen
Nacht. Fugen über Fugen laufen davon.
Halt findest du nicht am Meer in Lissabon.

Pessoas Verse bringen dich zum Weinen.
Die Unruh schleicht geschwind durch deine Glieder,
in der weißen Stadt singst du keine Lieder.

Abend

Verflogen, schneller als gedacht, dahin
der Tag, geschwind steigt die Müdigkeit.
Im Stall sind die Kühe längst, das Sommerkleid
hängt gebügelt im alten Kleiderschrank drin.

Verlassen liegen die Wiesen unter den
Sternen. Später noch geht es zum Tanz.
Die Schuhe liegen dann neben dem Kranz
aus Blumen. Den Schlaf längst ersehn.

Träume der Nacht wild und finster waren.
Der Lauf des Tages kam früh genug
bald würde der Milchwagen fahren.

Des Lebens Kürze warst du gewiss
Einsamkeit war bereit zum Flug
Die Dunkelheit du entzweiriss.

Morgen

Der rote Himmelskörper eröffnet den Tag.
Im Stall brennt Licht, ungeduldig laufen
die Kühe umher, später liegen Heuhaufen.
Für den Milchwagen gab es genug Ertrag.

Von dannen ging zügig die Finsternis
aufgerissen der Himmel. Die Seele hing
noch in der Nacht, auf den Misthaufen ging
der Hahn. Er krähte laut ohne Hemmnis.

Strahlen vertrieben längst die Nachtkälte.
Im Gebeinhaus lag der alte Bauer aufgebahrt
vor Schmerz nicht nur der Hofhund bellte.

Die jungen Kälber sprangen vergnügt über
die Wiese. Früher hatte er gewallfahrt.
Später zogen Wolken auf, es wurde trüber.

Einsamkeit

Leer das Tal, moosüberwuchert alle Wege.
Überwuchert der Giersch längst die Beete.
Eulen lungern im Wald, der Wind drehte.
Schräg die alten Mauern neben dem Fußstege.

Vergangen sind die wilden Eitelkeiten, tiefe
Schatten kriechen in das verfallene Haus.
Gebeine laufen schnellen Schritts geradeaus
Nicht abgeschickt stapeln sich alte Liebebriefe.

Durchlöchert das Herz, Staub in jeder Ecke.
Wild wuchert, ungezähmt, die Rosenhecke.
Die großen Hoffnungen liegen im See.

Kein Licht brennt in der Hölle mehr, über
Nacht kam der Tod, die Milch wird trüber.
In der Kanne schwimmt der alte Kaffee.

Sommerastern

Trieb der Sommertag dir entgegen
laue Winde dringen an deine Ohren.
In der Augustsonne hast du nicht gefroren.
Ewiger Sommer? Du träumst von Regen.

Barfuß auf brennendem Asphalt läufst
du durch die aufgeheizte Stadt, nach
Schatten springend, Sommerastern , ach.
Das Küchenfenster am Morgen seufzt.

Löwenkrallen liegen auf dem samtenen
Sofa, Welle auf Welle teilst du den See
du isst von den roten Beeren, feilgebotenen.

Bisse auf Küsse, zu schnell wird der
Sommer enden, noch hilft Pfirsichtee.
Der August geht zurück ins Meer.

Meerjungfrau

Der Meeresgrund, so wild und rau
Traumschiffe liegen Stück an Stück
vergangen längst das rostige Glück.
Vorbei schwimmt schnell der Kabeljau.

Das Schloss der Meerjungfrau liegt
unerreichbar tief zwischen den Korallen
umgarnt von klaren schleimigen Quallen.
Ins kalte Bett träumst du geschmiegt.

Der Liebe Wunden hart geschlagen
Schmerz dringt aus allen Ohren.
Der süßen Hoffnung fortgetragen.

Hinübergegangen in die andere Welt
beweinst vor des Schlosses Toren
der Liebe unter dem Sternenzelt.

Absinth

Der Abschied kommt und geht
Küsse folgen auf Küsse geschwind
Kälte brachte der nächtliche Ostwind
Längst das kranke Herz verweht.

Unendlich treiben die Wellen über
das türkisfarbene Meer, deine Lippen
haben sich verlaufen, vor den Klippen
das Wasser wird immer trüber.

Die Worte wechseln sich geschwind
vergessen längst der Name der Geliebten
und doch die Erinnerungen überlebten.

Gebracht hat die grüne Fee den Absinth
bitter lag der Wermut auf der Zunge
Van Gogh tief ins Glas schwunge.

Pfingstrose

Nicht weit entfernt ist die Unterwelt
von den kalten Meeren des Nordens.
Nicht verloren den Faden trotz ermüdens
Daidalos hat die Lösung nicht anheimgestellt

Längst erlegt den Minotaurus und doch
weiterzogen über die rauen Straßen
stolpernd und dennoch zügig einigermaßen
müd der Leib sich weiter schleppt noch.

Leis das Rinnsal läuft aus dem oberen Becken
in das untere der Fontaine, redend und
schweigend kriechend in alle Buchsbaumhecken

moosbehangen, kühl springt das römische Wasser
weiter durch die Stadt zieht der fremde Vagabund
die Pfingstrose leuchtet zu dir immer blasser.

Bemühungen

Ach wäre doch ein jeder, sicher ohne
Zweifel ein Künstler, schwer der Tau liegt
auf den Gliedern, der laute Atem biegt
um die Ecke, die Nachtigall singt zum Hohne.

Zertreten liegt der Hut des Künstlers in der
dunklen Ecke, aufgebahrt die finsteren
Erinnerungen der kalten Zeit, düsteren
Gedanken nachhängend, kein Postverkehr.

Das Können nicht alleine kommt, du schläfst
den traumlosen Schlaf der Schlaflosen
und wenn in der Nacht Musen du träfst

gelingen würde das große Werk trefflichst
suchen musst im Berg die rostroten Alpenrosen
der Almrausch treibt dich in die Fern sehnlichst.

Ödes Land

Wüsten nicht bewohnbar, karg die Hügel.
Traumschlösser in den Sand geschrieben
auf der Suche nach der Oase blieben
umkreist der hungrige Geier mit großem Flügel

Als wär Dantes Hölle dir auf Erden erschienen.
Nicht verkleidet als Paradies, auch nicht als
Fegefeuer wiederzuerkennen, gegebenenfalls
auf Erden als Jenseits, ohne Seraphienen

Der tote Wald glotz über die braunen Steppen.
Haus an Haus gähnt in der schwarzen Finsternis
und bleibt nur die Seele dir dahinzuschleppen.

Gottlos erscheint die aufgeschäumte See
Sturm um Sturm umtost, fest der Schakal biss
geschmolzen längst der alte Schnee.