Franz: Andrà tutto bene #9

Blau wieder der Himmel. Blau. Kalt. Eiskalt die Luft. Balkon gestrichen. Ginge nur mit dicker Winterjacke. Darauf hatte Franz keinen Bock. Maria sowieso nicht. Nach dem Frühstück gingen sie spazieren. Durch die leeren Straßen nach Haidhausen und zurück an der Isar lang. Sonntägliche Ruhe auf den Wegen. Nur beim Bäcker sah man draußen Leute beim Warten auf Einlass. Geschlossen die Gotteshäuser. Die Stichwahl nächsten Sonntag war nur per Briefwahl möglich. Noch hatte Franz keine Unterlagen. Maria auch nicht. Der eisige Wind lies die Wangen rot werden. Küssen war erlaubt. Sie lebten so eng zusammen. Ob es in neun Monaten mehr oder weniger Kinder geben würde? „Weniger Kuckuckskinder“ sagte Maria. Ja, dies würde wohl stimmen. Tinder hatte sicher einen großen Einbruch. Bordelle geschlossen. Was blieb da noch? Fast entspannt schlenderten Maria und Franz des Weges. Keine Eile. Niemand schaute missmutig. Spazierengehen war noch erlaubt. Zu nah wollte man niemanden kommen. Fast könnte man den Frühling geniessen. So blau der Himmel. Die Narzissen kämpften gegen die Kälte. Il pomeriggio è troppo azzurro. Sie wollten singen. Laut.

Franz: Andra tutto bene #8

Maria fand den Virus zum Kotzen. Täglich neue Horrornachrichten aus Italien. In Florenz war es nicht so schlimm. Ihren Eltern ging es gut. Aber sie hatte Freunde in Mailand. Die Angst war immer da, die Gesichter, die sie via Skype sah, waren voller Sorgen. In München ging es jetzt auch los. Die Zahlen stiegen. Und die Deppen hatten an der Isar Party gemacht. Franz musste sie trösten. Nicht immer gelang dies leicht. Franz hatte die besten Nudeln der Welt gemacht. Nach ihrer Oma . Und ihrer Mutter. Überall hingen in der Küche Nudeln herum. Als wär sie daheim. Für den Moment war sie fast glücklich.

Franz: Andra tutto bene #7

Den Italienern war das Lachen längst vergangen. Bei den Deutschen würde es wohl noch dauern. Wenn Franz mit Maria mit Florenz skypte, dann war der Ernst immer in den Gesichtern. Auch wenn man lachte. Die Zahlen in Italien waren erschütternd. Mehr Tote als in China wegen Corona. Und in München wurde an der Isar Party gemacht. Söder hatte das gemacht, was er tun musste. Es erstaunte Franz lediglich, warum nicht noch früher. Die Zahlen in Italien gingen durch die Decke und in München war Partystimmung. Maria war jeden Tag trauriger. Ihre Eltern hatten zwar genug Platz in ihrem Haus, doch die Einsamkeit schlug ihnen schwer aufs Gemüt. Ein Ende der Quarantäne nicht abzusehen. Der rasche Erfolg stellt sich nicht ein.  Beim Einkaufen fühlte sich Franz auch immer weniger wohl. So gern er Lebensmittel einkaufen ging, die Freude war vorbei. Bargeld war jetzt tabu. An den Kassen überall Glasscheiben als Schutz für das Personal. Doch beim Edeka drängt die Leute vorn und hinten. Als Leben sie auf der Insel der Seeligen. Söder preschte voran, doch es war höchste Eisenbahn. Alles andere naiv. Erstaunlich naiv. Franz kochte für Maria etwas Gutes. Risotto liebte sie. Kindheitsessen. Lang gerührt. Rotwein war genug daheim. Das half. Und Schokolade. Bestimmt würden alle zunehmen. Trügerisch blau der Himmel war. Später Wintergewitter. Alle würden sich später in den Arm nehmen. Später. Die Angst ist die Seele nicht auf. Io quasi quasi prendo il treno. Azzurro.

Franz: Andrà tutto bene #6

Nein, Franz ging nicht oft in Baumärkte. Warum auch. Doch heute hatte er gemeint, dass er eine neue Lampe bräuchte. Die alte war durchgebrannt oder was auch immer. Kaputt. Nichts ahnend schwang sich Franz aufs Rad, der Himmel war blau, lau die Luft und mehr Polizisten als sonst unterwegs. Vor den heiligen Hallen des Baumarktes fiel ihm schon eine gewisse leere auf den Parkplätzen auf. Nicht dramatisch, aber doch irgendwie mehr Platz als gewöhnlich. Vor der Tür gab es eine Einlassregulierung. Als würde er ins P1 wollen. Nach kurzem Warten Eintritt. Sicherheitsdurchsagen allenthalben. Bitte bewahren sie Abstand. Abstand. Mindestens. Franz hatte schnell die Leuchtmittelabteilung erreicht und die Halogenlampe gefunden. Zügig, er wollte nicht länger stören und bleiben, ging er zur Kasse. Bewahren sie bitte den Sicherheitsabstand ein. Bezahlung nur mit Karte erlaubt. Kleinere Beträge bezahlt Franz eigentlich mir Bargeld. Doch die Zeiten waren anders. Die Kassiererin hatte jetzt eine Plexiglasscheibe vor dem Gesicht. Hatten die Heimwerkprofis geheimwerkt. Draußen fühlte sich Franz wohler. Draußen war es wunderbar. Draußen schoß der Frühling die Blumen aus der Erde. Sprengte die Knospen auf. Blau der Himmel. Himmelblau.