mnema #5

die wolken zeigten ihr schönstes

kleid, tanzten wild im wind, mit den

händen klatschten die pappeln, kinder

umkreisten geschwind, hand in hand

flogen wir, sommerregen meidend

lauschend den erzählungen der alten

kännchen gibt es nicht mehr, ins gesicht

gegerbt des lebens weg, das grabmal

suchen sie nicht aus, schafgarben am

wegesrand, schwer die füße, geschwind

fliegen die wolken dahin, mirabellen

hängen grün im baum

mnema #4

erwähnt hast du die lektüre von

hölderlin, weit noch der herbst

über den zaun grüßt nachtblau

der rittersporn, erinnerst

du dich? noch spüre ich deine küsse auf

der haut, himbeeren vergehen, leer

scheint die stadt in der mittagshitze, reift

der wein schon heran? noch weit ist das

meer, die dordogne kühlt deine füße

riechst du schon das salz des meeres?

austern will ich mit dir, noch weit

der herbst, noch klein die birnen, die

trauben brauchen noch lang

mnema #3

vergangen das andenken und doch

wieder erinnert, gedacht. vergessen. der

maestro geht weiter. konstruktionen.

simulationen. sauer die johannisbeeren. deine

küsse schmecken zart wie himbeeren.

gewitterwolken legen sich auf deine nackten

schultern. petrarca wartet noch immer auf

laura. vergeben längst. vergeben. weit reichte sein

blick von den höhen hinab. andenken. als wären ein

souvenir, deine küsse, für die nacht. was bleibt aber.

was bleibet. nicht erzählt hat der wind. nicht. vergessen.

die garonne fließt.

mnema #2

denkmäler fallen in den keller, vom sockel

geholt, johannisbeeren reifen zu johannis

des sommers laune treibt die wolken, müde

liegt die armbanduhr auf dem schreibtisch

guantanamera ist zu weit für heute abend, marx

haben wir nicht den bart geschnitten, später

tanzt du auf dem küchenboden, bitter der kaffee

auf deiner zunge, barfuß auf den stufen, erinnerungen

verschieben sich, die zigarre stammt nicht aus kuba

rum hatten wir keinen getrunken, nicht gefahren den

amerikanischen schlitten

mnema #1

vergissmeinnicht vergessen in der

gärtnerei, autobahnausfahrt zu früh

genommen, der sommer lässt die schwalben

hoch fliegen, blattläuse belagern die zarten

blätter der hauszwetschge, vorbeigerauscht

an den seen fliegen uns die berge entgegen

blütenrausch der herzen, salzig dein nacken

lenin und marx wurden weggeflogen

erinnerungen verblassen, die schwalben

fliegen salti, als wären sie vergnügt

als wären sie

sommervergnügen

der alte fiat cinquecento war mausgrau

13,5 ps beschaulich, entspannt hattest du

deine beine zusammengefaltet, hingegen

entfalten wollten sich die margeriten, süß

schmecken die nicht geernteten kirschen auch

den sperlingen, farbenfroh lässt cy twombly

die schiffe in den krieg, als wäre es ein

sommervergnügen, im apfelbaum schlafen

die amseln, längst in die ecke gestellt die rostige

schubkarre, herbstlicher wellengang in der meerenge

bleischwer die luft in den kurven

süße kirschen

spät am tag erst wärmere luft, schwer

lagen die regenwolken auf den schultern

bloom läuft nicht durch dublin, süße

kirschen erfreuen die amseln, regenwürmer

schnappen nach luft, längst getaut der schnee

des winters im gebirg, gähnend leer die lobby

des hotels, einchecken wenig gefragt. unsre koffer

tragen wir selber aufs zimmer, geöffnet hat die

minibar, zitronenseife hast du in der hosentasche

ausverkauft sind die schweinenieren