Franz: Andrà tutto bene #75

Natürlich. Alles wird gut. Natürlich. Franz war die meiste Zeit seines Lebens Optimist. Dachte er. Auch wenn er nicht immer lachte. Auch wenn er nicht immer Witze machte. Melancholie mochte Franz. Aber keinen Pessimismus. Die Bild – ist das eigentlich eine Zeitung? – schoss weiter scharf auf Drosten. Grobes Gefecht. Schwerer Säbel. Kein Florett.  Trump ist auf sein liebstes Spielzeug Twitter sauer. Reagiert wie ein beleidigtes Kind. Oder wie ein dummer Alleinherrscher. Franz hatte Trumps Vorgänger gemocht. Wie viele Deutsche. Und eher für unmöglich gehalten, dass Trump eine Mehrheit bekommt. Auf bayrischen Seen fuhren wieder die Ausflugsschiffe. Franz fuhr gerne mit der Fähre zur Fraueninsel. Am allerliebsten aber mit einem Boot der Freunde. Weiß und blau der Himmel über der Isar. Nur hier und da ein paar Regentropfen. Der Münchener Flughafen rüstete sich für die weite Ferne. Ach, was würden das für Zeiten. Nicht, das Franz wegfliegen wollte. Aber alleine die Möglichkeit. Alles wird gut. Wenn die Leute vorsichtig sind. Die Zahl der Neuinfektionen sanken in Deutschland. Auch in München. Am Abend würden Franz und Maria mit Freunden ins Restaurant gehen. Eine kleine Sünde musste sein.

Musenkuss

der musenkuss brachte atemnot

plusschlag ging in den keller, als

würde sein körper sämtliche lebensfunktion

einstellen wollen, barfuß stolperte er

über die alten dielen der fantasie

bücherregale kamen zum einsturz

fünfhundert kilo auf seiner brust

wild schossen blitze durch sein

gehirn, diskriminierung der verstaubten

sein schreibtisch noch weit entfernt, schön

war die muse, schön, ihr busen drückte schwer

Franz: Andrà tutto bene #74

Später Gewitter. Ruhig zunächst der Morgen. Nur ein paar Tropfen begegneten Franz. Am späten Nachmittag und Abend würde er endlich wieder in der Bar arbeiten können. Er spielte gern den Barista. Liebte dieses Handwerk. Hatte der Kopf Ruhe. Oberflächliche Gespräche hinter der Maske. Sein Budget konnte es brauchen. Vormittags in der Bibliothek geschrieben. Gelesen. Die Bild fiel über Drosten her. Die Vereinigten Staaten hat die 100.000 erreicht. Amerika first. Für Franz eine erschreckende Zahl. Für Trump? Am Nachmittag Gewitter. Nur kurz. Wenig Blitz. Wenig Donner. Rosen blühten an den Hauswänden. Süßlicher Duft. Für Parfüm ungeeignet. Vollkommen. Doch Franz mochte Blumen. Mochte Rosen. Der Münchener HBF hatte jetzt mehr Leben. Doch Franz blieb ihm lieber noch fern. Maria würde vielleicht bald mit dem Zug nach Florenz fahren. Oder doch mit dem Auto. War noch nicht entschieden. Ihren Eltern ging es gut in Florenz. Sie hatten auch schon einen Kaffee im Freien getrunken. Die Innenstadt war noch leer. Touristen abwesend. Nach der Arbeit würde es Spargel geben. Wie, sollte Maria entscheiden. Franz hatte ihn nur eingekauft. Vielleicht mit Pasta. Oder Risotto. Oder Kartoffeln. Da würde er sich überraschen lassen. Die AfD im Landtag zerfleischte sich gerade selber. Inhalte? Macht. In Bayern würde es ab Pfingsten aufwärts gehen. Die Bergbahnen würden wieder fahren. Manchmal nahmen Franz und Maria eine, um schnell weiter zu kommen. Es war ja nicht verboten. Später blau der Himmel. E vengo, vengo da te.

Franz: Andrà tutto bene #73

Sommerlich wurde der Tag. Der Biergarten war das Ziel. Ende Mai blühten die Rosen. An den Obstbäumen konnte man den Früchten beim Wachsen zusehen. Gern schaute Franz der Natur zu. erfreute sich über das zarte Grün im Mai. Den Kopf hatte Franz in Hölderlin vertieft gehabt. Turm hin oder her. Trump wurde gerade nicht mehr glücklich mit Twitter. Hätte er dann doch kaufen sollen. Das hatte Berlusconi ja auch gemacht. Pfingsten stand vor der Tür. Franz und Maria würden sicher in die Berge fahren. Urlaub erst später. Noch waren die Grenzen nicht offen. Die Berghütten wollten wohl keine Übernachtungen zulassen. Immerhin temporär würde es in München mehr Radwege geben. Warum nur temporär? Franz würde innerhalb des Mittleren Rings Tempo 30 einrichten und nur noch einspurige Straßen für Autos. Jetzt schien ihm die Gelegenheit günstig für Veränderung. Eine menschengerechte Stadt käme besser mit weniger Autos zurecht. Für irgendetwas musste Corona ja gut sein. Die Autolobby sieht dies natürlich anders. Die Münchener Rathausopposition war gegen Pop-up-Bike-lanes. Maria hatte einen Salat für den Biergarten vorbereitet. Sie würden zu viert hingehen. Freunde von Maria. Maria liebte den Biergarten fast noch mehr als Franz. Vielleicht würde sie ein Hendl essen. Oder Steckerlfisch. Wenn es ihn gab. Der Abend würde schön werden. Warm die Luft.

Franz: Andrà tutto bene #72

Ein Tag wie jeder andre und kein Tag wie jeder andre. Differenzen gibt es immer. Und sei es das Wetter. Momentan fand Franz zumindest das Wetter spannend. Nicht immer dieser langweilige blaue Himmel. Unterschiedliche Wolken belebten den Himmel, gab ihm mehr Dynamik. Schien der Morgen ein Versprechen von Sonnenschein, überlegt sich Franz am Nachmittag, ob nicht doch Regen kommen würde. Seine Stimmung schwankte. Nicht immer nach oben. Musste doch in den Biergarten gehen. Einen ordentlichen Rausch sich ansaufen. Half zumindest für ein paar Stunden. Zumindest. In München gab es imm mehr Radfahrer. Gut und schlecht. Der Platzt auf den Radwegen wurde knapp. Manche Routen musste Franz streichen. Zu nah wollt er den Radfahrern nicht unbedingt kommen. Maria fuhr jetzt auch mehr mit dem Rad, obwohl sie vor Corona gerne mit der U-Bahn unterwegs gewesen war. Gab es eigentlich wieder Hefe? So langsam musste Franz wieder eine einkaufen. Der Vorrat war fast aufgebraucht. Wurde Toilettenpapier jetzt eigentlich billiger? Oder verscherbelten die Leute auf eBay ihre Vorräte? Am Abend würde es Wiener Schnitzel geben. Mit Kartoffelsalat. Dazu ein Tegernseer. Oder zur Not auch zwei.