Nebel

Morgennebel dringt rasch in deine Knochen
Frische Brise umkringelt deine Nase
Der Fuchs verliert fast seine Gallenblase
Kartoffelbrei wirst du zum Mittag kochen.

Rückenwind fällt heute ins kalte Wasser.
An seiner statt kommt mühsamer Gegenwind.
Im grünschrägen Stall wartet auf dich das Rind
Das Gesicht des Milchmanns wird immer blasser.

Dunkles Blut schwimmt in der großen Schlachtschüssel.
Später gefeiert wird unter der Linde
Auf dem Küchenherd kochen große Kessel

Seit Tagen aufgebahrt liegt der Bauer
Das alte Brennholz verliert seine Rinde
Der Himmel wird am Abend immer grauer.

Körper

Beim Anblick deines Spiegelbildes bist du
erschrocken. Als wär dein Körper dir sehr fremd.
Des Lebens Zeit nicht endlos. Das letzte Hemd.
Erst später erwartest die ewige Ruh.

Der Rausch des Seins fordert sein Tribut sehr bald.
Vom Kirchturm läuten die Glocken hell und klar.
Langsam fließt der Arno vorbei, Jahr für Jahr.
Verloren die alte Lieb´ im Kiefernwald.

Dantes Inferno hat deine Seele nicht
erreicht, den halben Weg bislang nur geschafft
den steilen Berg knapp verfehlt im Morgenlicht.

Überall lauern die großen Sünden auf
dich. Von Fern schaust du an die leere Landschaft.
Aufgeben das Glück? Das Leben nimmt den Lauf.

Lissabon II

Schwarzer Atlantik schlug Wellen in die Stadt.
Unendliche Müdigkeit legte sich auf
die Glieder. Des Träumens müde ging dein Lauf
des Seins verloren in der alten Unterstadt.

Nächtlich der Tejo spült die Eingeweide
ans Land, der Hafen stank in der Früh nach Fisch.
Verloren scheint das Ganze, später zu Tisch.
Erträumen gelang, im Schrank hing das Kleide.

Die Schiffe verlassen den Hafen bei Wind.
Raue See des Herbstes treibt sie wild voran.
Niemand fährt heute noch geschwind nach Korinth.

Aus dem Lokal tönt laut der Fado-Sänger.
Die Gitarren ziehen dich in ihren Bann.
Vom Hafen wird die Luft am Abend strenger.

Lissabon

Im Walde dem Specht lauschend laufe ich schnell,
überall Pilze aus dem Waldesboden schießen.
Still das Reh neben Bächlein, die leis fließen.
Ausgezogen hat der Fuchs sein weiches Fell.

Der Lauf des Lebens liegt auf der Lichtung da.
Von Fern die weise Eule ruft dir zurück,
als könnt verstehen deine Sprach, sie schenkt Glück
dir für den Tag. Später du riefst ihr zu: Ja!

Töne des Klaviers schlagen in der dunklen
Nacht. Fugen über Fugen laufen davon.
Halt findest du nicht am Meer in Lissabon.

Pessoas Verse bringen dich zum Weinen.
Die Unruh schleicht geschwind durch deine Glieder,
in der weißen Stadt singst du keine Lieder.

Abend

Verflogen, schneller als gedacht, dahin
der Tag, geschwind steigt die Müdigkeit.
Im Stall sind die Kühe längst, das Sommerkleid
hängt gebügelt im alten Kleiderschrank drin.

Verlassen liegen die Wiesen unter den
Sternen. Später noch geht es zum Tanz.
Die Schuhe liegen dann neben dem Kranz
aus Blumen. Den Schlaf längst ersehn.

Träume der Nacht wild und finster waren.
Der Lauf des Tages kam früh genug
bald würde der Milchwagen fahren.

Des Lebens Kürze warst du gewiss
Einsamkeit war bereit zum Flug
Die Dunkelheit du entzweiriss.