Nachdem Franz am Schreibtisch gewesen war, Briefe gelesen, Bücher gewälzt, ein paar Worte in seinen Computer getippt, ein paar Töne auf seinem Keyboard gespielt hatte, gegen den Blues, gegen den aufkommenden Regen. Die Wetterfühligkeit bekämpft hatte mit starkem Kaffee, las er in der Küche noch ein wenig in der Zeitung. Der Fernseher war meistens aus. Am Tag sowieso. Dschungelcamp schon wieder nicht angesehen. Warum sollte er auch. Tatort am Sonntag auch nicht. Auch nicht Anne Will. Fast hat er es bedauert. Der Hl. Martin soll gar nicht so schlecht gewesen sein. Sagt zumindest das Internet. Doch das sagt viel. In der Zeitung las er die Fußballberichte. Hatte was harmloses. Nicht immer große Politik. Bayern fand er aber langweilig. Ohne Pep sowieso. Er freute sich auf den Frühling, da würde er wieder mit ein paar Freunden kicken. Jetzt machte es keinen rechten Spaß. Auch Radfahren war heut nur halb lustig. Der Schnee war in der Früh immer gegen die Schutzbleche geflogen, später dann Regen und Glätte. Noch schlechter. Großvater war als Soldat im Brüssel gewesen. Keine große Sache. Über die Ardennen waren die Deutschen vorgerückt. Die Alliierten mussten nach Dünkirchen ausweichen. Der Widerstand der Belgier schnell gebrochen. Paris konnte kommen. Ein schöner Mai für Großvater. Für die Belgier weniger.
Jedesmal, wenn du die Grossvater-Parallelen heranziehst, fallen mir die ebenfalls allzu fröhlich wirkenden Fotos meines eigenen Grossvaters ein.
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so kann es gehen…:) so haben wir alle eine Vergangenheit…
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… an deren Interpretation im historischen Zusammenhang und Bedeutung für die eigene, sich fortschreibende Geschichte man nach dem Schweigen der hinterlassenden Generation herumexperimentiert – würde ich den Satz ergänzen.
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auch nicht schlecht:)
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