Zehn Jahre übers Meer #2


Die Schlachten waren

groß, bestehen musste der

Held, umkämpft die Stadt

Troja, zehn Jahre, zwölf

 

Schiffen heim fuhr Odysseus,

und irrte herum

Zehn Jahre Odysseus übers

Meer. Grausam und heldenhaft

 

kämpfte gegen Zyklopen,

ausstechend das eine Auge,

listig hängend an die Ziegen

zur Flucht. Kämpfend gegen

 

den Schlaf der Lotusblume,

einfangend die Winde der

Meere, besiegt die Zauberkraft

von Kirke und widersteht dem

 

Gesang der Sirenen.

Kalte Sofi

alles hie macht die kalte

sofi, geranien auf den

balkon gekarrt, lang gehegt

im winter unterm speicher

 

die alten wörter der kälte

abgelegt wie verwelktes laub,

am himmel schieben dicke

gewitterwolken die sonne weg

 

die liebe verursacht unruhige

nächte, das abendständchen

singen die vögel im baum aufgeregt,

als wären sie aus italien abgehauen

 

rio reiser drönt in den ohren

die eisheiligen

die eisheiligen nicht von den

scheiben gekratzt, in den

zügen die radfahrer in ihren

leuchtenden kostümierung begegnet

 

für die fahrt in die berge gut

gerüstet, die lektüre beschränkt

sich meist aufs smartphone, ein

buch wäre zuviel last und mühe

 

in den gewächshäusern suchen

die tomatenpflanzen nach

größe, das geheimnis der genialen

freundin noch nicht gelüftet, über

 

den rapsfeldern fliegen tief die

raben, erst am abend

maiandacht, der schirm wird

ausgebreitet, voller güte

einen pflaumenbaum zur ehr

zwischen dem verrückten

erdbeermund und den balladen

 

des villons, der lebenswandel nicht

ohne rüge, die justiz stellte ihm nach

 

wund das tier in dir, die leidenschaft

nicht endend, im winter gar gesehnt nach

 

deinem mund, in paris

gelebt die jahre der sünde, gelästert

 

der leidenschaft gefrönt, frei, ohne

angst vorm henker bis zuletzt

 

zwischen lumpengesindel

und grab einen pflaumenbaum zur ehr

in der bar #2

an der viel zu langen theke

hockten die verlorenen

gäste, die geschichten der nacht

noch nicht zu ende

 

erzählt, der barkeeper

wischt gelangweilt mit

seinem lappen die theke

schüttet er nach, die zungen

 

der gäste bemühen sich um

eine klare aussprache

die küche hat schon lange geschlossen

die schwarze fliege sitzt

 

recht schief am hals, durch

die großen fenster werfen

vereinzelt autos ihr licht

erhellen die flaschen im regal

die erdbeeren vergehen zwischen den lippen

die gelben riesen messen

schon 2 cm, rosen starten bald

ihren duftangriff, das

 

zerflossene herz in den

mülleimer gekehrt, schwer

liegt der Flieder in der luft, in

 

der buchstabensuppe schwimmen

verse von sappho, zwischen mond und

aphrodite kein entringen, der weihrauch

 

der suppe entstiegen, die erdbeeren vergehen

zwischen den lippen der geliebten, ihr haar

liegt blond in seinen händen

Hypothalamus

Am Baum hängen die grünen

Kirschen, die Sonne stirbt tagein

tagaus ihren kleinen Tod, das

Gehirn läuft Sturm, die Freibäder

 

warten voller Hoffnung auf

Besuch, Pankratius lässt keinen

frieren, der Hypothalamus aus

den Fugen geraten, Hitze läuft

 

durch den Körper, die blauen

Lilien haben ihre Schwerter

gezogen, die Sperlinge

fliegen tief

berge von tomaten

zwischen den häuserschluchten

gelato al limon, geknattere von

roller, die sonne strahlt auf der

gegenüberliegenden seite

 

schatten ist hier keine schande

den kaffee des morgens im

stehen getrunken, die

fussballergebnisse ganz in

 

rosa, auf dem markt fisch

gekauft, berge von tomaten

versperren den weg, gegen

mittag kehrt ruhe ein

mäusebussard auf verlorenem posten

kuckucksschrei verlorengegangen,

nur hier und da ein

mäusebussard auf verlorenem

 

posten, himmelfahrt nähert

sich, der blauregen kämpft mit

dem flieder um zuneigung, vor

 

dem supermarkt ein nicht mehr

nüchterndes mädchen, teilnahmslos

in die leere starrend, die passanten

 

eilen vorbei, der raps hat die

landschaft gelb gefärbt, in der

stadt hupen die autofahrer, die

 

ranunkeln haben den kampf

gegen den regen vorerst verloren

das blau des himmels trügerisch

fuji

auf honshu von weitem

zu sehen, die gestalten

ziehen ihm entgegen, der

feuerring nicht weit, sein

 

haupt weiß umrandet,

alter knabe, der mond

wandert herum, lässt es

gemütlich angehen, sein

 

letzter zornesausbruch schon

hunderte jahre her. das meer

lässt wellen aufbrausen, die

götter wollen befriedet werden