Keine Linsensuppe

Das Unkraut kroch aus allen Erdritzen, von

Schnee keine Spur mehr, die schmale Sichel

des Mondes ragt über Gilgamesch, König

Lear isst keine Linsensuppe mehr, die Ordnung

 

des Tages liegt unter dem Tisch, Amseln streiten

sich über den besseren Platz in der Sonne,

Ameisen suchen ihre Straße, Mimosen allenthalben

Helden schlafen auf der Ofenbank

Fastenzeit vorbei

Die Fastenzeit vorbei. Starkbierzeit ebenso. Ruhiger war es um den Nockherberg geworden. Zwar war die Biergartensaison eröffnet, doch der Betrieb war gemässigt. Weniger Lederhosen. Weniger Dirndl. Franz war gern mal im Salvatorkeller. Mit oder ohne Arbeit. Je nach Uhrzeit und Laune. Unter den Kastanien ließ es sich aushalten. Auch am Abend waren die Temperaturen noch milde. Mit zuviel Bier konnte er nicht mehr schreiben. Doch ein Radler ging schon. Am Abend nahm er manchmal etwas zu essen mit. Mit Maria saß er gern noch einfach nur da und schaute in den Abendhimmel. Bald fingen die Kastanien an zu blühen. Bald. In Ungarn hatte der falsche Politiker die Wahlen gewonnen. Seehofer freute sich darüber. Ein demokratisches Europa sieht anders aus. Das Schielen nach rechts war dem Franz unheimlich. Konservativ geht anders.

die füße laufen hinterher #2

herzkammerwörter abgeschossen. die angelegenheit

kannte keine gewinner. mit dem bade ausgeschüttet

gleitet die liebe dahin. der fluss der wörter zerbricht

die staumauer, reißt das kraftwerk entzwei. die galle

verströmt ihre schwarze tinte, der puls schlägt bis

zum hals. der magen hat längst das weite gesucht

die füße laufen hinterher. der kopf taumelt ratlos

hortensien #2

der zugang zum schloss war nicht so

leicht, die maiandacht fand am abend

statt, die marienstatue festlich geschmückt

meerstern, ich dich grüße, die blumen süßlich

 

fliederblau, hortensien umranken die maria

umhergeirrt, in den kühlen räumen nach zuflucht

gesucht, den mantel ausgebreitet bietest du schutz

 

kafka kam mit seinem schloss nicht zurecht, stand

allein im regen, den rosenkranz nicht in der hand,

das helle blau leuchtete weit

Schmiss Kopernikus

Schmiss Kopernikus die Erde aus die Mitte

und schon drehte sie sich klaglos um die Sonn

Jahrein, Jahraus nun dreht sie ihre Kreise

Kopernikus zur Freud, als Trost nun dreht

der Mond sich nun um die Erd

Vaasa: Pekka

Meister geworden war Vaasa schon lange nicht mehr. Zumindest nicht im Fußball. Und bei anderen Sportarten kannte sich Pekka kaum aus. Pekka liebte das Wasser. er liebte die Ostsee. Täglich fuhr er die Fähre von Vaasa nach Umea. Hin und zurück. Rund viereinhalb Stunden dauerte die Fahrt. Je nach Wetter. Entweder fuhr er in der Früh los oder in der Nacht. Die Überfahrt war nicht billig, aber viel schneller als über Land mit dem Auto. So musste sich Pekka um seine Arbeit keine Sorgen machen. Die Fähre wurde oft benutzt. Viele Autos waren meist an Bord. Manchmal fuhr er auch andere Routen. Doch am liebsten nach Schweden. Dies waren angenehme Tage. Im Winter war die Fähre oft leer. Wenn er nach der Arbeit wieder Boden unter den Füßen hatte, aß Pekka gerne Fisch. Oder Suppe. Im Sommer Kesäkeitto. Die mochte er am liebsten. Die hatte seine Großmutter oft gekocht. Seine Großmutter hatte einen Gemüsegarten, in dem alles wuchs, was sie für die Suppe brauchte. Erbsen, Spinat, Möhren, Bohnen, Blumenkohl, Kartoffeln, Radieschen. Und vieles mehr. Pekka hatte seine Großmutter gern gehabt. An ihr Essen konnte er sich gut erinnern. Besonders an die Gemüsesuppe. Die kochte niemand besser. Seine Frau konnte auch gut kochen, doch die Kesäkeitto seiner Großmutter war nicht zu überbieten. Meister geworden war Vaasa schon lange nicht mehr.

Blätterspitzen

Puidgemont konnte die Sonne wieder geniessen. Warum hätten die Richter ihn auch festsetzen sollen? Für Franz war dies nachvollziehbar. Der deutsche Gesundheitsminister hatte sich im Amt verirrt. Kann passieren. Ist aber kein Zufall. Auf die CSU war Verlass. Die holte nach rechts aus. Die Wähler wollen wohl dort abgeholt werden. Denkt Seehofer. Zu grünen fing die Natur an. Blätterspitzen wurden in Position gebracht. Der Isar entlang konnte Franz nicht genug davon bekommen. Auch andere waren froh über die neuen Farben der Natur. Den Grill hatte Franz daheim noch nicht angeworfen. Noch waren die Nächte kühl. Doch bald würde dies sich sicher ändern.

Die Spatzen #2

Den Spatzen den Samen zum Fraß

vorgeworfen, die Lücken zu schließen

auf der Wiese, die Löcher, welche die

 

Wühlmaus hineingebohrt hat auf dem

Weg aus dem Bau. Ein köstliches Abendmahl

für die hungrigen Vögel, herbeigeflogen sie

 

kommen aus der Hecke, zwischen den

Brombeeren und dem Hollerbusch.

Die Spatzen werden bald schlafen gehen.

Der Metzger

Unter der Lupe das dünne Eis längst

gebrochen, die Kühe streben auf die

Weide, gelbe Narzissenwiesen läuten im

Morgengrauen, gelbe Radfahrer im Nacken

 

der Metzger hat längst seine Messer geschärft

verschwommen die Grenzlinien am Horizont

wir gehen über den grauen Fluss, mühsam holt

der Specht sich sein Frühstück

Die Kittelschürze #2

Die Kittelschürze ist akkurat gebügelt, ihre

müden Hände streichen langsam über den

Küchentisch, manchmal geht sie über den Hof

und schaut verloren in den Stall, der Mann

 

schon vor Jahren gestorben, der Jungbauer

hat den Hof längst aufgegeben, hat ein wenig

Land verkauft, der Bulldog steht geputzt im

Schuppen, die Knie wollen bei ihr nicht mehr so

 

vom vielen Arbeiten, manchmal kocht sie sich

noch was, wenn Besuch kommt, macht sie Kaffee

früher gab es bei ihr immer einen Kuchen, meist

 

erzählt sie alten Geschichten, das kann sie noch

ganz gut, an schlechten Tagen verwechselt sie den

Kühlschrank mit dem Ofen und wundert sich

 

gestorben wird daheim