Tschugujewka: Klawdija

Der Amur bringt nicht nur das Wasser. Er bringt auch das Eis im Winter.  Und er bringt auch den Tiger in die Taiga. Es gibt immer weniger von ihnen. Die Amur-Tiger sind begehrt in China. Wegen der traditionellen Medizin.  Klawdija war Chefin der Jagdbehörde. Sie passte auf die Tiger. Doch sie hatte oft schlechte Karten. Ein toter Tiger brachte viel Geld. Geld, was sich manch einer gerne verdiente. 

Klawdija lebte in Tschugujewka, einem größeren Dorf, das fast eine kleine Stadt war. Nicht allzu weit entfernt von Wladiwostok und doch weit entfernt. Über 200 Kilometer. Man kam hin. Wenn man hin musste. Klawdija war nur selten dort. Meist fuhr sie mit dem Auto. Mit dem Zug war es ihr oft zu umständlich. Dabei gab es im Dorf einen Bahnhof. Klawdija fuhr gerne Auto. Ihr Geländewagen kam fast überall durch. Durch die Wälder. Durch den Schnee.

Klawdija hatte immer viel Holz vor dem Haus. Sie mochte es im Winter schön warm. Meist hatte sie Birkenholz von ihrem Vater. Birkenholz gab es reichlich. Eiche war zu schade zum Verheizen.

Immerhin lebten über 10.000 Menschen in Tschugujewka. Für ein Dorf fast schon zu viel. Die Menschen hier lebten vom Wald. Holz gab es genug. Und von der Landwirtschaft. Die Böden waren nicht schlecht. In der Nähe gibt es einen kleinen Militärflughafen. Manchmal kamen Soldaten ins Dorf, um etwas zu kaufen. Aber eher selten. Den Soldaten war es im Dorf wohl zu ruhig. 

Und Klawdija lebte für den Amur-Tiger. Nicht nur. Aber es war ihre Hauptaufgabe, auf den Tiger aufzupassen. Sie passte auch auf andere Tier auf, doch der Tiger war ihr der liebste.

Der Tiger wollte Ruhe. Der Tiger brauchte keine Menschen. Zum Meer war es auch weit. Und nah. Für einen Tag war es zu weit. Eigentlich. Doch manchmal fuhr Klawdija doch hin. Einfach so. Am Wochenende. Wenn sie frei hatte. Meist mit ein paar Freunden. Manchmal hatten sie ein Zelt dabei und blieben über Nacht. Wenn die Nächte schön waren. Im Sommer. Klawdija badete gerne im Meer. Sie liebte das Wasser. Fast so sehr wie den Wald.  Am liebsten war sie im Wald. Im Sommer. Im Winter. Die Winter waren nicht besonders kalt. Der Amur prägte das Land. Der Amur und seine Nebenflüsse. Der Tiger mochte den Amur. Der Tiger lebte gerne hier. Klawdija fuhr manchmal auch zum Chankasee. Zum Fischen. Zum Baden. Doch der war auch weit und nah. Auch kein Katzensprung entfernt. Auch nicht für einen Tiger. Putin hatte sich schon einmal für den Tiger eingesetzt. Dies hatte Klawdija gefallen. Dies hatte mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen gebracht. Rehe und Hirsche will der Tiger. Er braucht viel Fleisch. Isst gerne auch Wildschweine. Der Amur-Tiger ist groß. Der Amur-Tiger ist schwer. Er hat besonders im Winter viel Hunger. Die Kälte fordert seine Kräfte.

Klawdija findet oft Spuren des Tigers. Große Pranken im Schnee. Sie hat auch viele Fotofallen aufgestellt. So sammelt sie von den verschiedenen Tiger Fotos. Zur Dokumentation. Angst hat Klawdija keine vor dem Tiger. Sie hatte nur Angst vor Wilderer. Weil sie mit den Tigern kurzen Prozess machen. Nachts geht sie nicht raus. Nachts ist der Tiger gefährlich. Schreien hilft immer, sagt Klawdija. Schreien. Lärm. Und Feuer. Klawdija hat immer eine Schreckschusspistole dabei. Die hat ihr schon einmal geholfen. Als sie plötzlich vor einem Tiger stand. Die richtige Waffe hatte sie nicht ziehen müssen. Der Tiger mag keinen Lärm. Straßen gab es nur wenige in der Taiga. Für ihre Arbeit brauchte Klawdija ihren Geländewagen. Sie musste oft weite Strecken überwinden auf den Spuren des Tigers.  Die Tiger brauchten große Gebiete. Klawdija hat keine Angst vor dem Tiger. Meistens. 

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