Dudinka: Karischa

Da wo sie leben, leben nicht viele Menschen. Da wo sie leben, ist es kalt. Norden. Eis. Nicht umsonst ist ihr Fell weiß. Der Polarfuchs mag die Wärme nicht. Natürlich mag er den sibirischen Sommer. Da ist es weniger kalt. Und da hat er kein weißes Fell. Erst mit dem Schnee kommt das weiße Fell. Erst mit Eis und Kälte. Im Winter kann man ihn kaum erkennen. In der weißen Landschaft. Weiß auf Weiß. Winter ist fast immer. In Sibirien findet er viel Platz. In Nordsibirien wachsen keine Bäume. Lemminge sind seine Leibspeise. Und Mäuse. Mit Polarwölfen steht er auf Kriegsfuß. Sind ihm zu groß. Sind ihm zu gefährlich. Karischa mochte die Füchse. Sie lebte am Rand von Dudinka. Da wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Manchmal bekam sie Besuch von einem Fuchs. Hatte etwas Fleisch für ihn übrig. Hatte immer etwas Fleisch übrig. 

Dudinka war eine kleine Stadt. Eher ein größeres Dorf. In Dudinka gab es nicht viel. Es gab den Hafen mit seinen Verladekrähnen. Es gab die Kirche. Es gab einen riesigen Sendemast, als sei er eine Sensation.  Es gab Schulen und Supermärkte. Der Hafen bediente Fluss und Meer. Hier wurden viele Metalle verschifft. Nicht nur Nickel. Eisbrecher halten den Hafen eisfrei. Der Rubel kann rollen. Die Waren verladen werden. Dudinka ist auch eine geschlossene Stadt. Wie Norilsk. Störte den Fuchs nicht. Der kam zu Besuch. Meist hatte Karischa Fleisch im Kühlschrank. Fleisch gab es genug zu kaufen in Dudinka. Fleisch gab es immer. Im Supermarkt. Beim Metzger. Beim Jäger. Gemüse und Obst war manchmal knapp. Kam immer von weit her. 

Der Hafen brachte dem Städtchen Geld. Karischa arbeitete bei einer Reederei. Waren wurden immer verladen. Nur im Juni nicht, wenn die große Schneeschmelze war. Da ging der Jenissei in die Höhe, die Kräne werden abgebaut, das Wasser steigt bis zu 15 Meter. In Dudinka gibt es mehr Container als Menschen. Die Schiffe, auf die die Container über das Nordpolarmeer fahren, sind riesig.  Der Hafen lebt von Norilsk. Ohne Norilsk wäre in Dudinka nichts los. Dann gäbe es weniger Arbeit. Weniger Menschen. Dem Polarfuchs wäre dies recht. Doch auch so fühlte er sich wohl. Am Wochenende ging Karischa manchmal ins Restaurant. Es gab einen guten Asiaten. Seit letztem Jahr war sie verheiratet. Seitdem wohnte sie mit ihrem Mann in einem kleinen Haus am Rand der Stadt. Bestimmt würde Karischa bald ein Kind bekommen. Sie spürte es. In der Reederei würde sie weiter arbeiten. Der Polarfuchs kam meist am Abend. In der Dämmerung. Wenn es ruhig wurde. Der Hunger kam. Niederschlag gab es hier wenig. Weder im Winter, noch im Sommer. Die Tage waren kurz im Winter. Kurz und kalt. Viel Licht hatten sie in ihrem Häuschen. Viel Licht musste sein. Wichtiger als Wodka. Da wo sie leben war es kalt. Der Polarfuchs mag die Wärme nicht. Karischa hatte immer etwas Fleisch für ihn übrig.

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