Barnaul: Tatjana

Blinis gehen immer. Egal, ob Besuch kommt, oder die Kinder Hunger haben. Da gab es kein Meckern. Blinis gehen schnell. Schmecken gut. Tatjana machte sie gerne. 

Sie nahm immer Hefe. Doch man kann sie auch ohne machen. Mehl. Eier. Milch. Ein wenig Zucker. Meist machte sie sie süß. Wollten die Kinder. Man konnte sie auch mit Fleisch füllen. Dies war ihrem Mann lieber. Manchmal machte sie auch eine Quarkfüllung. Wenn sie Kompott dazu wollten, gab es dazu Kompott. Oder nur Zucker. Jeder wie er wollte. Natürlich konnte man auch Kaviar zu den Blinis essen. An besonderen Tag. Oder auch falschen Kaviar. Andere Fischeier schmeckten auch gut. Tatjana hat schon immer in Barnaul gelebt. Und wollte fast nie weg. 

Barnaul ist nicht die größte Stadt in Sibirien. Doch klein ist sie auch nicht. Schon nah liegt sie an Kasachstan. Ihr das Wasser gibt der Ob. Heiß sind hier die Sommer. Kalt die Winter. Die Kosaken waren da. Natürlich. Schon immer gab es hier viel Kupfer. Mit dem Metall kamen die Arbeiter. Nicht alle freiwillig. Viele Verbannte mussten hier arbeiten. Mit dem Bergbau ist die Stadt groß geworden. Zu dem Kupfer kam Silber dazu. Tatjana geht gerne ins Theater. Immer schon. Auf die Kinder passt dann oft ihr Mann auf. Oder die Kinder gehen zu den Großeltern. Ihre Mutter machte dann auch gerne Blinis, wenn die Enkelkinder kamen. Pfannkuchen mögen alle Kinder gerne. Bernaul ist eine moderne Stadt geworden. Es gibt viele Hochhäuser. Beim Goethe-Institut hat sie ein paar Kurse besucht. Als sie nicht genau wusste, was sie wollte. Viele Russlanddeutsche leben in der Gegend. Wegen Stalin. Wegen Katharina. Tatjana hatte mal einen Deutschrussen als Freund gehabt, der damals ausgewandert ist. Hatte Tatjana auch gereizt. Doch die Liebe kommt und geht. Sie ist geblieben. Tatjana arbeitet in einer kleinen Bibliothek. Bücher hat sie immer geliebt. Schon als Kind viel gelesen. Später die großen Russen. Dann auch neuere Autoren. Tolstoi liebte sie noch immer. Und Dostojewski. Mit der Familie fährt sie gerne ins Gebirge. Im Sommer. Im Winter. Im Sommer ist die Familie fast jedes Wochenende in den Bergen. Alle sind begeisterte Bergsteiger. Im Winter machen sie oft Langlauf. 

Für Lenin haben sie auch hier Denkmäler errichtet. Wie fast überall in Russland.  Tatjana war Lenin egal. Sie las lieber Tolstoi. Tolstoi ging immer. Sie konnte viele Sätze von ihm auswendig. Für Lenin war in ihrem Kopf kein Platz. Sie liebte die Literatur. Sie liebte die Kunst. Ihre Jungs liebten die Berge mehr. Und den Fußball. Mit Fußball konnte sie nichts anfangen. Dynamo Bernaul war nicht immer erfolgreich. Meist spielten sie in der zweiten Liga. Wenn sie aufstiegen, stiegen sie wieder ab. Dann musste sie die Jungs trösten. Manchmal gingen auch alle vier ins Stadion. Ein kleines Familienfest. Danach gab es dann Blinis. Jeder wie er wollte. Süß oder mit Fleisch. Blinis gehen schnell. Jeder mag sie. Halfen gut bei Niederlagen. Da waren die Jungs sensibel. 

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