Maria kam aus der Akademie. Fuhr über den Marienplatz zum Rosenheimer Platz. Sie musste noch ein paar Dinge einkaufen. Das Gelb der Säulen hatte etwas nüchternes. Die S-Bahn-Station lud nicht zum Verweilen ein. Zügig ging sie an die Luft. Für das Gasteig gab es chice Umbaupläne. Eine Öffnung des Gebäude wäre sicher von Vorteil. Doch Maria wollte noch nach ein paar Büchern schauen. Bei Wilma in der Wörthstraße fand sie immer etwas. Oder sie hörte auf die Buchhändlerin. Wilma wusste Bescheid. Maria lief gerne durch Haidhausen. Es war ein schönes Viertel. Zum Wohnen nur viel zu teuer geworden. Aber es gab schöne Geschäfte, kleine Handwerkerläden, Cafés. Der Rosenheimer Platz war viel zu laut. Von dort ging sie immer schnell weg. Kaum war sie in der Weißenburger Straße, fühlte sie sich schon viel wohler. Der Weißenburger Platz war schon viel einladender als der Rosenheimer. Der Brunnen hatte einen schönen Aufbau. Drei Etagen. Könnte fast in Italien stehen. War aber nach französischem Vorbild gebaut. Große Bäume umrundeten den Brunnen. Das Wasser plätscherte lieblich. Wenn sie weiter ging, kam sie zum Pariser Platz. Hier wurde es schon wieder hektischer. Einkaufstrubel nähere sich. Der Ostbahnhof war nicht mehr weit. Doch Maria wollte noch die Ruhe in der Stadt geniessen. Sie wollte ja zu Wilma. Ein Buch kaufen. Es war nicht für sie. Sie brauchte ein Geschenk.
Autor: orangeblau
Die Möwen blieben hungrig zurück
Schwarze Wolken über Dänemark. Hamlet
nackt am Strand. Das letzte Hemd hatte keine
Tasche. Die Fischer fahren ihre Boote in den
Hafen. Ihre Netze blieben leer. Die Möwen
blieben hungrig zurück. Grimmiges Grollen
der Götter lässt die Menschen erbleichen.
Die Wellen fegen den Strand leer. Schaumumspült
ragen die Felsen empor aus der Flut. Später
werden die Sterne aufziehen, bescheinen die
stille See. Später. Noch biegen sich die Bäume
ihren Rücken krumm. Die Gicht peitsche in
die müden Gesichter. Später ruht die See.
Der Ginko #2
Gestern hast du einen Ginko gepflanzt. Fern
von Goethe. Fern von Asien. Freundschaft hin
oder her. Fächer hier und dort. Der Freundschaft
zur Zier. Kein Diwan steht drunter. Des
Tempels Baum, eine Schale Tee werden wir
in unserm hohen Alter trinken.
Unter seinem Schatten
Entwürfe
Aus der Schweiz frisch eingetroffen, auf schönstem Papier. Die Zeitschrift „Entwürfe“ mit dem Thema Halt. Vier Miniaturen sind von mir dabei.
Das Leben, ein Fest #2
Das Leben, ein Fest, eine Freude, immerdar
im Kreis, nackt, tanzend, ein Reigen gleich, auf
der Wiese, eine Freude. Fünf Menschen, auf
einem Hügel, lässt tanzen Matisse. Nackt ihre Körper
nackt, vor dem weiten Horizont, bedrohlich fast
bedrohlich, der Himmel dunkel. Die Wiese, ein Hügel
die Welt, eine Kugel. So tanzen sie, das Leben, ein Fest
eine Freude, so tanzen sie, unschuldig fast, als währen
es Kinder, auf der Wiese, der Welt
Henry Matisse, La Dance, 1909/10
Sommerferien
Dem Fluss fehlte an Tiefe. Unschiffbar.
Vergnügt schwammen im Sommer die
Kinder darin. Hier und da ein kecker
Fisch durch die Luft. Wolkenloser Himmel
verhieß gute Wochen. Endlos lang schienen
die Sommerferien. Schulbücher gut versteckt.
Später die ersten Küsse in lauer Nacht. Beschützt
vom Sternenzelt. Das Eis verlief auf den Lippen.
Parsimonie
Die Sennerin #2
Raben übersäten kohlschwarz die grünen Wiesen. Der Gang hinauf trieb den Schweiß auf die Stirn, erfreute sich die Sennerin ob des Besuches, längst wartete die gemolkene Milch auf ihre Verarbeitung. Spät dran war sie, der Käse wollt nicht recht gelingen ihr, seit Tagen schon die Raben krähten. Als wär sauer die Milch vom Geschrei der Vögel, aufgeregt sprang der Hund hin und her, verstorben war, man trug´s ihr zu, der alte Bauer, schon seit Tagen nicht Ruh´ sie fand hier droben, der Käs´, er wollt nicht werden. Schnell war der Tod über ihn gekommen, vom Tal erklangen die Glocken zum Sterbegeleit, von fern auch die Trompeten und Posaunen dunkel tönten. Trüb der Himmel schien, verdeckten die Strahlen, die Raben verstummten gar. Erst gegen Mittag, als erklang das Zwölfuhrgeläut, die Sonn brach durch. Verschwunden die Raben. Fast schien es ihr, als würden die Küh´ sie anlächeln. Erleichtert war ihr Herz, nun, als Ruhe fand der Bauer in der Erd. Fort ging der Besucher seines Weges.
Erdbeere
Das Sternenzelt noch lange nicht abgebaut, in den
warmen Mainächten das Zählen verlernt, am Apfelbaum
die Blüten längst abgeworfen, schwere Träume fließen
den Lech hinunter, Kiesel über Kiesel bleibt kein Stein
auf dem anderen. Hamlet sucht sein Pferd. Zwischen
deinen Lippen die Erdbeere geküsst.
Mairegen #2
Der Regen trieb die Vögel in die Depression
Mit nassen Federn das Singen eingestellt
Die Katze hatte das Jagen aufgehört. Die Mäuse
noch genug Vorräte. Ab und zu verirrte sich ein
Hund ins Freie. Griesgrämig kamen Fahrgäste
aus der Straßenbahn gesprungen. Schnellen Schritts
wollten sie nach Haus. Dem Fluss wurd es bald zu viel
Schnecken fraßen sich den Bauch voll. Nur Kinder auf
dem Heimweg sprangen fett in die Pfützen
Lachend zogen sie davon

