Kartographie #19 Rosenheimer Platz

Maria kam aus der Akademie. Fuhr über den Marienplatz zum Rosenheimer Platz. Sie musste noch ein paar Dinge einkaufen. Das Gelb der Säulen hatte etwas nüchternes. Die S-Bahn-Station lud nicht zum Verweilen ein. Zügig ging sie an die Luft. Für das Gasteig gab es chice Umbaupläne. Eine Öffnung des Gebäude wäre sicher von Vorteil. Doch Maria wollte noch nach ein paar Büchern schauen. Bei Wilma in der Wörthstraße fand sie immer etwas. Oder sie hörte auf die Buchhändlerin. Wilma wusste Bescheid. Maria lief gerne durch Haidhausen. Es war ein schönes Viertel. Zum Wohnen nur viel zu teuer geworden. Aber es gab schöne Geschäfte, kleine Handwerkerläden, Cafés. Der Rosenheimer Platz war viel zu laut. Von dort ging sie immer schnell weg. Kaum war sie in der Weißenburger Straße, fühlte sie sich schon viel wohler. Der Weißenburger Platz war schon viel einladender als der Rosenheimer. Der Brunnen hatte einen schönen Aufbau. Drei Etagen. Könnte fast in Italien stehen. War aber nach französischem Vorbild gebaut. Große Bäume umrundeten den Brunnen. Das Wasser plätscherte lieblich. Wenn sie weiter ging, kam sie zum Pariser Platz. Hier wurde es schon wieder hektischer. Einkaufstrubel nähere sich. Der Ostbahnhof war nicht mehr weit. Doch Maria wollte noch die Ruhe in der Stadt geniessen. Sie wollte ja zu Wilma. Ein Buch kaufen. Es war nicht für sie. Sie brauchte ein Geschenk.

Die Möwen blieben hungrig zurück

Schwarze Wolken über Dänemark. Hamlet

nackt am Strand. Das letzte Hemd hatte keine

Tasche. Die Fischer fahren ihre Boote in den

 

Hafen. Ihre Netze blieben leer. Die Möwen

blieben hungrig zurück. Grimmiges Grollen

der Götter lässt die Menschen erbleichen.

 

Die Wellen fegen den Strand leer. Schaumumspült

ragen die Felsen empor aus der Flut. Später

werden die Sterne aufziehen, bescheinen die

 

stille See. Später. Noch biegen sich die Bäume

ihren Rücken krumm. Die Gicht peitsche in

die müden Gesichter. Später ruht die See.

Der Ginko #2

Gestern hast du einen Ginko gepflanzt. Fern

von Goethe. Fern von Asien. Freundschaft hin

oder her. Fächer hier und dort. Der Freundschaft

zur Zier. Kein Diwan steht drunter. Des

Tempels Baum, eine Schale Tee werden wir

in unserm hohen Alter trinken.

Unter seinem Schatten

Entwürfe

Aus der Schweiz frisch eingetroffen, auf schönstem Papier. Die Zeitschrift „Entwürfe“ mit dem Thema Halt. Vier Miniaturen sind von mir dabei.

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Das Leben, ein Fest #2

Das Leben, ein Fest, eine Freude, immerdar

im Kreis, nackt, tanzend, ein Reigen gleich, auf

der Wiese, eine Freude. Fünf Menschen, auf

 

einem Hügel, lässt tanzen Matisse. Nackt ihre Körper

nackt, vor dem weiten Horizont, bedrohlich fast

bedrohlich, der Himmel dunkel. Die Wiese, ein Hügel

 

die Welt, eine Kugel. So tanzen sie, das Leben, ein Fest

eine Freude, so tanzen sie, unschuldig fast, als währen

es Kinder, auf der Wiese, der Welt

 

Henry Matisse, La Dance, 1909/10

Sommerferien

Dem Fluss fehlte an Tiefe. Unschiffbar.

Vergnügt schwammen im Sommer die

Kinder darin. Hier und da ein kecker

Fisch durch die Luft. Wolkenloser Himmel

 

verhieß gute Wochen. Endlos lang schienen

die Sommerferien. Schulbücher gut versteckt.

Später die ersten Küsse in lauer Nacht. Beschützt

vom Sternenzelt. Das Eis verlief auf den Lippen.

Parsimonie

Frisch auf Parsimonie sind ein paar Miniaturen von mir erschienen. Schaut und lest!

Parsimonie

 

 

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Die Sennerin #2

Raben übersäten kohlschwarz die grünen Wiesen. Der Gang hinauf trieb den Schweiß auf die Stirn, erfreute sich die Sennerin ob des Besuches, längst wartete die gemolkene Milch auf ihre Verarbeitung. Spät dran war sie, der Käse wollt nicht recht gelingen ihr, seit Tagen schon die Raben krähten. Als wär sauer die Milch vom Geschrei der Vögel, aufgeregt sprang der Hund hin und her, verstorben war, man trug´s ihr zu, der alte Bauer, schon seit Tagen nicht Ruh´ sie fand hier droben, der Käs´, er wollt nicht werden. Schnell war der Tod über ihn gekommen, vom Tal erklangen die Glocken zum Sterbegeleit, von fern auch die Trompeten und Posaunen dunkel tönten. Trüb der Himmel schien, verdeckten die Strahlen, die Raben verstummten gar. Erst gegen Mittag, als erklang das Zwölfuhrgeläut, die Sonn brach durch. Verschwunden die Raben. Fast schien es ihr, als würden die Küh´ sie anlächeln. Erleichtert war ihr Herz, nun, als Ruhe fand der Bauer in der Erd. Fort ging der Besucher seines Weges.

Erdbeere

Das Sternenzelt noch lange nicht abgebaut, in den

warmen Mainächten das Zählen verlernt, am Apfelbaum

die Blüten längst abgeworfen, schwere Träume fließen

den Lech hinunter, Kiesel über Kiesel bleibt kein Stein

auf dem anderen. Hamlet sucht sein Pferd. Zwischen

deinen Lippen die Erdbeere geküsst.

Mairegen #2

Der Regen trieb die Vögel in die Depression

Mit nassen Federn das Singen eingestellt

Die Katze hatte das Jagen aufgehört. Die Mäuse

 

noch genug Vorräte. Ab und zu verirrte sich ein

Hund ins Freie. Griesgrämig kamen Fahrgäste

aus der Straßenbahn gesprungen. Schnellen Schritts

 

wollten sie nach Haus. Dem Fluss wurd es bald zu viel

Schnecken fraßen sich den Bauch voll. Nur Kinder auf

dem Heimweg sprangen fett in die Pfützen

 

Lachend zogen sie davon