Der Schnee will nicht gehen. Schwer kämpft der Frühling um sein Recht. Der Söder hat sein neues Kabinett aufgestellt. Franz fiel nicht gerade vom Stuhl vor Begeisterung. Die nächsten Wahlen würden zeigen, welche Zukunft dieses Kabinett hatte. Merkel hatte ihre Regierungserklärung abgegeben. Durch den Morgenschnee war es ein leichtes Radeln gewesen. Eine Arbeitsrunde hatte Franz im Café vollbracht. Manchmal kam er an fremden Orten besser voran. Das Ruffini hatte für ihn immer eine angenehme Atmosphäre. Später dort den Mittagstisch eingenommen. So ließ sich leben. Doch das Geld musste Franz auch zusammenhalten. Auch der Zug nach Florenz musste noch bezahlt werden. Bis Ostern hatte der Schnee noch Zeit zum Gehen. Danach wollte Franz keinen mehr sehen.
Autor: orangeblau
Von fern #2
Die Blumen des Bösen vergessen, Mallarmés
Würfel längst gefallen, vergangen der Rausch
der tiefen Nacht, wenn Hoffnung kommt vom
Meer, der Engel wacht über die Liebenden, weiß
lagen die Blumen auf dem Dielenboden, ließ die
Segel hießen er in der frühen Morgenröte, Salz
erfüllte die Luft, von fern die Strahlen wärmen, schon
fuhren entgegen dem blauen Azur
Mühsam wächst #2
die Sonne scheint viel zu selten im November, Blätter
längst gefallen, verstreut liegen sie herum, Knospen
sichtbar, doch friert das Gedicht im nassen Regen.
Nachts steigt die Kälte in die Strophen
Vers um Vers legt sich der Nebel, Vögel singen viel zu
selten ihre Lieder, nur ab und zu springt ein Kind
drumherum, pudelnasse Hunde markieren ihr Revier
Mühsam wächst das Gedicht
Huchels Töchter #2
Nur noch im Traum überqueren Elefanten die
Alpen, Neros Feuer längst gelöscht. New Yorks
U-Bahnen quietschen lauter im Winter.
Schleiereulen lauern überall. Verschneite Weg
führen nicht nach Haus, Staub lässt die Lungen
bersten, die Engel der Nacht fliegen in schwerer
Luft davon, die Botschaft verhallt ungehört,
Huchels Töchter haben viele Kinder.
Des Winters letzte Grüße
Der Schnee tat der Laune von Franz keinen Abbruch. Er hatte sich keine große Koalition gewünscht, doch nun war er froh, dass es sie gab. An den Spahn würde er sich wohl nicht gewöhnen, doch besser eine, denn keine Regierung und Kompromisse gehören dazu. Macron war zumindest auch froh und vielleicht würde sich für Europa etwas zum Guten wenden. Leipzig hatte er sich gespart, das Getümmel war nicht seins. Der Frühling würde bald kommen, trotz Schneegestöbers. Zu Ostern würde er nach Italien fahren. Der HSV machte endlich das, was er schon länger vor hatte. Die Bundesliga verlassen. Sie haben lang dafür geübt. Diesmal würde es klappen. Da wahrlich Franz sicher. Am Samstag hatte er Bella Ciao gesungen. Große Chöre gegen Pegida. In der alten Stadt der Bewegung brauchte man keine Pegida. Am Nachmittag eine längere Schneewanderung. Den Bergen entgegen. Ungewöhnliche Kälte nach den ersten Frühlingstagen.
Engelscharen
Das Getöse der Menschen in den
Ohren, das Mittagslicht versprüht
Melancholie, der Nebel verzieht sich
in die Wälder, die Ödnis der Welt liegt
zu unseren Füßen, die Staumauern geben
das Wasser frei, Möwen picken keine
Augen aus, ach, Ophelia, der Rest ist
Schweigen
unsichtbar das menetekel
vorbeigerannt an den huren der
nacht, hinter den stadttoren kein
gilgamesch gefunden, unsichtbar
das menetekel, kalte klauen greifen
nach dir. das gegengift trügerisch,
die toten gefährten segeln auf dem
geisterschiff davon, homer schlägt
dir keine lösung vor
Weißer Elefant
Ob Feuerwehrwagen oder ein stolzes
Pferd, oder dann und wann ein weißer
Elefant. Die Kinder rannten geschwind auf
das Karussell zu, die Zuckerwatte wehte hinterher.
Die Jungs, die Mädchen, kein Halten mehr,
drehte sich im Kreis ein um das andere mal, bunte
Sterne über ihnen, die Schule weit, die Ferien
schienen ewig zu sein, aus den Lautsprechern ertönte
schrille Musik. Und dann und wann ein weißer Elefant.
Wintermäntel wurden weniger
Vereidigt die Kanzlerin, vereidigt das Kabinett. Der Bundespräsident ist zufrieden. Wurde auch Zeit. Soviel Einfluss eines Bundespräsidenten war nie. Nur Hände schütteln muss ja auch nicht sein. Franz wollte erst mal der neuen Regierung bei der Arbeit zuschauen. Die nächsten Wahlen standen ja in Bayern eh bald an. Katarina Barley hatte Franz neulich in einem Interview gesehen. Kam ganz sympathisch rüber. Irgendwie gang anderes als Herr Spahn. Holz hacken kann man im Wald genug. Am Mittag war der Himmel aufgerissen über München. Franz hatte an einer Hauswand gelehnt in die Sonne geblickt. Später mit einem Kaffee den Tag verstreichen lassen. Hatte sich ein paar Notizen gemacht, ein paar Sätze geschrieben. Am Abend zur Arbeit. Die Bar wartete auf Frühlingsgäste. Wintermäntel wurden weniger in der Stadt.
Spielzeugeisenbahn
Seehofer war nun zurückgetreten. Sollte Franz sich freuen oder weinen? Würde es mit Söder besser werden? Franz erhoffte es sich nicht. Aber ob Seehofer es in Berlin gut machen würde? Eigentlich wäre er doch im besten Rentenalter gewesen. Hätte sich zu seinen Spielzeugeisenbahnen setzten und sie Stund um Stund im Kreis fahren lassen können. War wohl doch kein abendfüllendes Hobby. Vielleicht würde Söder ja bis zur Landtagswahl nicht allzu viel reißen. Ein schwaches Wahlergebnis einfahren. Dann würde vielleicht was anders in Bayern. In Baden-Württemberg war ja auch irgendwann die Macht der CDU geendet. Noch fehlte dem Franz der Glaube an das Ende der CSU. Es gab auch bis jetzt keine aufregenden Kandidaten gegen Söder. Der Frühling trieb seine Blüten voran. Gelb, Weiß und Lila überall aus der Erde. Vögel waren im Bauwahn. Jungs liefen mit kurzen Hosen lässig über die Straße, Wintermützen wurden verräumt. Der Himmel versprach Regen. Nur wenige Radler waren in der Stadt unterwegs gewesen.