Von fern #2

Die Blumen des Bösen vergessen, Mallarmés

Würfel längst gefallen, vergangen der Rausch

der tiefen Nacht, wenn Hoffnung kommt vom

Meer, der Engel wacht über die Liebenden, weiß

 

lagen die Blumen auf dem Dielenboden, ließ die

Segel hießen er in der frühen Morgenröte, Salz

erfüllte die Luft, von fern die Strahlen wärmen, schon

fuhren entgegen dem blauen Azur

Mühsam wächst #2

die Sonne scheint viel zu selten im November, Blätter

längst gefallen, verstreut liegen sie herum, Knospen

sichtbar, doch friert das Gedicht im nassen Regen.

Nachts steigt die Kälte in die Strophen

 

Vers um Vers legt sich der Nebel, Vögel singen viel zu

selten ihre Lieder, nur ab und zu springt ein Kind

drumherum, pudelnasse Hunde markieren ihr Revier

Mühsam wächst das Gedicht

Huchels Töchter #2

Nur noch im Traum überqueren Elefanten die

Alpen, Neros Feuer längst gelöscht. New Yorks

U-Bahnen quietschen lauter im Winter.

Schleiereulen lauern überall. Verschneite Weg

 

führen nicht nach Haus, Staub lässt die Lungen

bersten, die Engel der Nacht fliegen in schwerer

Luft davon, die Botschaft verhallt ungehört,

Huchels Töchter haben viele Kinder.

Des Winters letzte Grüße

Der Schnee tat der Laune von Franz keinen Abbruch. Er hatte sich keine große Koalition gewünscht, doch nun war er froh, dass es sie gab. An den Spahn würde er sich wohl nicht gewöhnen, doch besser eine, denn keine Regierung und Kompromisse gehören dazu. Macron war zumindest auch froh und vielleicht würde sich für Europa etwas zum Guten wenden. Leipzig hatte er sich gespart, das Getümmel war nicht seins. Der Frühling würde bald kommen, trotz Schneegestöbers. Zu Ostern würde er nach Italien fahren. Der HSV machte endlich das, was er schon länger vor hatte. Die Bundesliga verlassen. Sie haben lang dafür geübt. Diesmal würde es klappen. Da wahrlich Franz sicher. Am Samstag hatte er Bella Ciao gesungen. Große Chöre gegen Pegida. In der alten Stadt der Bewegung brauchte man keine Pegida. Am Nachmittag eine längere Schneewanderung. Den Bergen entgegen. Ungewöhnliche Kälte nach den ersten Frühlingstagen.

Engelscharen

Das Getöse der Menschen in den

Ohren, das Mittagslicht versprüht

 

Melancholie, der Nebel verzieht sich

in die Wälder, die Ödnis der Welt liegt

 

zu unseren Füßen, die Staumauern geben

das Wasser frei, Möwen picken keine

 

Augen aus, ach, Ophelia, der Rest ist

Schweigen

unsichtbar das menetekel

vorbeigerannt an den huren der

nacht, hinter den stadttoren kein

 

gilgamesch gefunden, unsichtbar

das menetekel, kalte klauen greifen

 

nach dir. das gegengift trügerisch,

die toten gefährten segeln auf dem

 

geisterschiff davon, homer schlägt

dir keine lösung vor

Weißer Elefant

Ob Feuerwehrwagen oder ein stolzes

Pferd, oder dann und wann ein weißer

Elefant. Die Kinder rannten geschwind auf

 

das Karussell zu, die Zuckerwatte wehte hinterher.

Die Jungs, die Mädchen, kein Halten mehr,

drehte sich im Kreis ein um das andere mal, bunte

 

Sterne über ihnen, die Schule weit, die Ferien

schienen ewig zu sein, aus den Lautsprechern ertönte

schrille Musik. Und dann und wann ein weißer Elefant.

Wintermäntel wurden weniger

Vereidigt die Kanzlerin, vereidigt das Kabinett. Der Bundespräsident ist zufrieden. Wurde auch Zeit. Soviel Einfluss eines Bundespräsidenten war nie. Nur Hände schütteln muss ja auch nicht sein. Franz wollte erst mal der neuen Regierung bei der Arbeit zuschauen. Die nächsten Wahlen standen ja in Bayern eh bald an. Katarina Barley hatte Franz neulich in einem Interview gesehen. Kam ganz sympathisch rüber. Irgendwie gang anderes als Herr Spahn. Holz hacken kann man im Wald genug. Am Mittag war der Himmel aufgerissen über München. Franz hatte an einer Hauswand gelehnt in die Sonne geblickt. Später mit einem Kaffee den Tag verstreichen lassen. Hatte sich ein paar Notizen gemacht, ein paar Sätze geschrieben. Am Abend zur Arbeit. Die Bar wartete auf Frühlingsgäste. Wintermäntel wurden weniger in der Stadt.

Spielzeugeisenbahn

Seehofer war nun zurückgetreten. Sollte Franz sich freuen oder weinen? Würde es mit Söder besser werden? Franz erhoffte es sich nicht. Aber ob Seehofer es in Berlin gut machen würde? Eigentlich wäre er doch im besten Rentenalter gewesen. Hätte sich zu seinen Spielzeugeisenbahnen setzten und sie Stund um Stund im Kreis fahren lassen können. War wohl doch kein abendfüllendes Hobby. Vielleicht würde Söder ja bis zur Landtagswahl nicht allzu viel reißen. Ein schwaches Wahlergebnis einfahren. Dann würde vielleicht was anders in Bayern. In Baden-Württemberg war ja auch irgendwann die Macht der CDU geendet. Noch fehlte dem Franz der Glaube an das Ende der CSU. Es gab auch bis jetzt keine aufregenden Kandidaten gegen Söder. Der Frühling trieb seine Blüten voran. Gelb, Weiß und Lila überall aus der Erde. Vögel waren im Bauwahn. Jungs liefen mit kurzen Hosen lässig über die Straße, Wintermützen wurden verräumt.  Der Himmel versprach Regen. Nur wenige Radler waren in der Stadt unterwegs gewesen.

Gewitter #2

Dem Huchel gleich man wünscht sich ein

Gewitter, ein Gewitter reinigend, der Donner

grollend die Ohren füllend, Blitze am Himmel

 

zuckend, ein Ende ist das Winter-Gewitter

wegfegend die laue Zeit, Hagelschauer über

den Wäldern, Blitze am Nachthimmel der Ferne

 

der Regen waschend die Luft. Doch nicht reinigend

könnend das Gewitter das Land, die Ordnung, das

Aufgeschrei, nicht reinigend können die Blitze und

 

Donner, der Regen und Hagel das Land