Augustregen. Carmen

Augustregen. Schlechte Wetterprognosen. Zumindest für eine Open-air-Veranstaltung. Maria und Franz fuhren im Regen los. Es half ja nichts. Besser sollte es gegen Abend werden. Am See nur noch vereinzelt. Mit dem Zug wären sie schlecht zurückgekommen. Eine Übernachtung zu teuer. Carmen am Bodensee. Bregenzer Festspiele. Umkehren war die Frage, aber nicht die Alternative. In der Stadt gingen sie noch schnell etwas Essen. In der Bar noch einen Kaffee. Verschwunden der Regen. Am Ufer entlang erschien die Sonne. Fast unwirklich. Verfärbte den Himmel. Die Nacht kam. Das Orchester saß im Trockenen. Carmen schwamm durch den See. Das Herz erfreuendes Bühnenbild. Feuerwerk durfte nicht fehlen. Der Zuschauer will was geboten bekommen. Zügig die Inszenierung. Für Pause keine Zeit. Sterne zeigten sich. Himmel abgelaufen. Später noch kurz zurück in die Bar. Maria und Franz mochten gerne Opern. Sommerkost gewesen. Die Bar wunderbar.

das verschwimmende gesicht #2

wenn das portrait kein portrait

das gesicht nicht als gesicht

die person nicht wiederzukennen

die nase nicht mehr vorkommt,

 

die ohren verlaufen, die augen zur

höhle verkommen, das glück den

personen nicht hold, als sie modell

standen dem francis bacon,

 

zerrissen das herz, die kümmernis

lastet schwer, wenn malt bacon das portrait

zu lauern nicht das paradies auf erden, die

hölle nur scheint reserviert

dem arno entlang #2

dem arno entlang

über die hügel, der

nackte bacon im kopf

eichenwälder, olivenhaine

 

junge katzen wälzen sich

in der sonne, bachs cello-suiten

im ohr, von ferne rauschen die

autos auf der schnellstraße

 

der nachthimmel zerspringt

vor lauter sterne, wildschweine

und rehe wandern, grillen

singen ihr „gute nacht“-ständchen

Eisdielentour

Franz mochte den Spätsommer, mochte den August. Nicht, dass München ausgestorben wäre. Fast schien man die Sommerferien kaum zu bemerken. Aber das Wetter war kühler geworden, im Freibad konnte man ungestörter seine Bahnen ziehen. Am Abend machte Franz seine Eisdielentour. Zwei, drei Eisdielen in der Stadt ansteuern, eine Sorte Eis essen und entspannt weiter radeln. In Italien liefen die Leute immer den Corso auf und ab. Franz dreht seine Runde durch die Stadtteile. Bei dem Geschmack des Eises war Franz eher konservativ. Weniger Innovation fand er besser. In ausgehenden Sommer war die Sehnsucht nach Eis bei Franz um so größer. Als könnte er den Sommer festhalten. Zum Schreiben blieb da wenig Zeit.

matsushima

nicht erreicht matsushima

in der nacht, die inseln der

hoffnung liegen da,

kiefernnadeln ins feuer

 

bashos reise zu sich, weite

pfade gegangen, auf der suche

fußspur auf fußspur, über

die brücken des glücks

Ende Juli #2

der sommer hält nicht immer

was er verspricht, die gewitter

jagen sich, die blitze teilen die

wolken, der donner vertreibt

 

die schwimmer vom see, die

grillwürste werden nass, die städter

verlassen fluchtartig das land, die

ertragslage für regenschirmverkäufer

 

könnte kaum besser sein, nur

in den träumen laufen wir barfuß

über sommerwiesen, an den

 

silberdisteln vorbei, während die

stadtbewohner längst im trockenen

sind, geht die kuh nass in den stall

Schaut und lest!

Ausreißer, die Grazer Wandzeitung hat einen Text von mir veröffentlicht.

Ausreißer. Grazer Wandzeitung

regentage #2

an manchen tagen weint der

himmel, wird nass  das herz

wolken schwer hängen am

gewölk, die stiefel saugen

 

sich voll, die wiese ein einziges

meer voll tränen, über läuft

die regentonne im garten, als

wollte es wegschwimmen, das herz

diotima weit entfernt

die nacht vertreibt die schatten

nicht, der mond verborgen hinter

schwarze wolken, fern die sterne

der schlaf kommt geschwind

die katze streift ums haus, das

erinnern will nicht gelingen, einsamkeit

fährt in die glieder, diotima weit

entfernt, kälte zieht ins zimmer

Düsseldorf HBF

Ein Bahnhof teilt Welten. Die Einen steigen in den ICE ein und fahren zum Flughafen. Andere von der Nachtschicht mit der S-Bahn nach Hause. Manche steigen gar nicht ein und winken den Abreisenden hinterher. Doch einige sind nur da, weil es was gibt. Suchen im Müll nach Pfandflaschen oder Lebensmittel, suchen den Boden ab nach Rauchware. Maria wartet auf ihren Zug nach München. Eine Reisende, vielleicht in Urlaubslaune, gibt einem Suchenden Kleingeld. Erleichtert und froh geht sie zu ihrer Reisegruppe. Vielleicht Frankfurt-Flughafen. Der Beschenkte geht weiter seiner Tätigkeit nach, durchwühlt den Müll, nachdem er das Geld eingesteckt hat. Sein Gang zeugt nicht von Gesundheit. Sein Alter kann Maria schwer schätzen. Wer mit dem ICE reist, ist privilegiert. Auf ihrem Bahnsteig stehen bessere gekleidete Fahrgäste. Manche wollen in die weite Welt fliegen. Heim nach Tokio, endlich mal New York, Zumindest Mallorca ist drin. Andere haben einen Junggesellenabschied geplant. Größere Vorräte weisen das Ziel. Maria hatte Freunde besucht, Bilder angeschaut. Kein Flug in die Ferne. In einigen Tagen würde sie nach Florenz fahren. Zur Familie. Aber erst heim nach München. Sie musste nicht vom Müll leben.