noch halten wir die zeit fest

über den gleisen fegt der wind

in kirschs garten keinen

holunder gefunden, längst verlaufen

im bücherlabyrinth, gegen die hitze

der nacht kein entrinnen

ermattet liegen wir am grünen see

der schwarze himmel türmt sich

auf, große regentropfen werden uns

heimbegleiten, später, noch halten

wir die zeit fest, bewegen uns nicht,

nur der himmel wird finsterer, wenn

der wind aufbraust, schwingen wir

uns aufs rad. dann. noch halten

wir die zeit fest

Gewitterregen

Die blaue Blume liegt gelb auf dem Küchentisch. Die Isar bringt viel Wasser aus den Bergen. Gewitterregen. Bäume liegen auf den Straßen. Müde Fußballfans fahren nach Hause. Franz war nicht im Stadion. Er ging nur selten. Mochte Fußball. Freute sich auf die neue Saison. Aber wollte einen anderen Meister sehen. Monotonie war nicht sein Ding. Mochte aber auch keine Abstiegsspiele. Zu viel Nerven kosteten die und zu wenig schönen Fußball als Gegenleistung. Das Gewitter hatte die Luft erfrischt. Ruhiger geworden die Stadt. Das Feuer der Grills erloschen. Rauchschwaden verzogen. Das Radeln durch die Stadt ging zügig. Mitunter spritzen die Pfützen auf.

Auf Hawaii bedeutet das Wort Kanaka Mensch

Die Zugfahrt gefiel nicht. Zu viele Betrunken. Fußballfans. Alle in rot. Saisonauftakt. Kein großer Jubel. Das Spiel längst vorbei. Abgehakt. Im Grunde begann die Langeweile wieder von vorne. Bayern gewinnt. Wird Meister. Keinen interessiert es. Keiner redet schlecht über den Gegner. Die Toilette wird ständig besucht. Bier ist noch reichlich vorhanden. Über andere Mannschaften wird gelästert. Dürfen absteigen. Überhaupt. Einer brüstet sich seiner regelmässigen Polizeikontakte. Nennt man wohl Vorstrafenregister. Hier und da eine Prügelei. Gewohnheitstäter. Gestörtes Rechtsbewusstsein. Kleinkriminalität. Das Wort Kanaken wird gern benutzt. Auf Hawaii bedeutet das Wort „Mensch“. Wird meist aber anders verstanden. Wurde natürlich als Beleidigung benutzt. Viele stimmten dem Redner zu. Man war ja Fan. Man war für die Roten. Fühlte sich stark. Für eine Schlägerei waren viele schon zu müde. Oder zu gelangweilt. Man war unter sich. Man war darüber froh. Franz ging lieber ins nächste Abteil. Weniger Fans. Weniger Biergestank. Der Regen hatte nachgelassen. Auf Hawaii bedeutet Kanaka Mensch.

tief fliegen die schwalben

die kornelkirschen gehen in die

röte, als wären sie deinen wangen

entsprungen nach sehnsuchtsvollen warten

brombeeren haben eine herbe süße

 

die zunge spürt deine salzige haut, die

sonne am see längst untergegangen.

liebe geht nicht geschwind, petrarca

schon lang nicht mehr aus unserm

 

mund gekrochen, tief fliegen die schwalben

lästig wedelt der hund nach der fliege

kastanien fallen hier und da schon herab

wir liegen engumschlungen

Nikolausfabriken

Die Nikolausfabriken hatten schon Hochkonjunktur. Auch die Produktion der Weihnachtsmänner lief bestens. Lebkuchen warteten schon auf die Auslage. Franz sah dies immer mit gemischten Gefühlen, wenn er nach dem Sommerurlaub heim kam. Aber er hatte ihn ja noch vor sich. Mit Zug und Rad nach Italien. Maria wollte ihre Eltern besuchen und drumherum wollten sie ein wenig über die Hügel der Toskana fahren. Für die Weinernte würde es noch arg früh sein. Die Eltern hatten nebenbei ein paar Rebstöcke. Aber sie würden ein wenig mithelfen. Als Student hatte Franz öfters in den Weinbergen gearbeitet. Lustiger Urlaub. Kost und Logis frei. Ein wenig seine Sprachkenntnisse erweitern. War öfters in Frankreich gewesen. Vergangenen Zeiten. Das Zugticket nach Firenze hatten sie schon. Doch vorher noch ein wenig Geld verdienen, ein wenig schreiben. Überall gab es jetzt wieder Trachtenmoden. Selbst der Aldi macht nicht halt. Da kam ihm der Urlaub recht. Die Wiesen kam früh genug. Die Nikoläuse auch

Sommerloch

Franz ging immer gern wählen, doch er verspürte diesmal noch wenig Lust. War noch Zeit, Spannung ging aber anders. Vielleicht war es ja das Sommerloch. Oder er wurde einfach älter. In der Früh hatte Franz ein paar Runden im Schyrenbad gedreht. Sein Heimstrecke.  Zwar fuhr er auch gern mal zum See, doch einfach den Berg runter und rein ins Wasser war wunderbar schnell. Danach harter er oft gute Ideen. Schrieb gleich los. Entweder noch im Bad, wenn es angenehm leer war. Oder daheim. Hauptsache eine gute Idee irrte durch den Kopf und wollte aufs Papier. Später musste er noch Geld verdienen, die Bar wartete auf ihn. Zuviel Schreiben war eben auch nichts.

abschiedslied auf den sommer

geschwind reifen die birnen, die meisten

rosen längst verblüht, der mais steht

noch das korn liegt in der kammer, die

eichhörnchen sammeln fleissig ihr

 

winterfutter, verflogen die zeitungen

der letzten tage, schon lange hat

der wecker nicht mehr geklingelt,

am see gegen die kinder runde um

 

runde verloren, zur insel geschwommen

jahr für jahr, mit jedem flügelschlag

fingen die barthaare an zu wachsen, das

abschiedslied auf den sommer schon geübt

Am Meer das Salz #2

Am Meer das Salz von den

Lippen geküsst, sacht plätscherte

die Gischt an den Strand, wir

liefen über den nassen Sand

 

durch´s Haar fuhr der Wind

die Postkarten hatten wenig Text

für Fotos keine Zeit, in der Früh

schwarzen Kaffee, der Sommer

 

schien unendlich lang die Hitze

der Nacht erfreute, Homer wurde

nur selten herausgeholt, die Irrfahrten

 

mussten warten, der Gesang

der Sirenen, so schön

war er, die Insel war nicht weit

der billige rotwein

briefe nicht geschrieben und

doch weggeschickt, die saiten

der gitarre längst zerrissen, der

billige rotwein langt auch für

einen rausch, der küsse der

geliebten vergessen, fahl nur der

mond scheint in der trüben nacht

die tränen nicht geweint

 

 

 

Postkarten

Mitunter, wenn es ihm gerade einfiel, als Fingerübung, als Laune, schöne Geste, langsamer als Twitter, schrieb Franz Postkarten. Mal aus München. Mal aus der Ferne. Mal seiner Freundin. Mal einem Freund. Oder der Familie. Wenig Platz. Doch mehr als 120 Zeichen. Keine an Trump. Auch nicht an Frau Merkel. Er mochte diese Enge. Liebe den Füllfederhalter oder Bleistift. Schrieb im Café. Oder am Schreibtisch. Auf der Parkbank. Oder an der Isar. Meist weniger über das Wetter. Um in Schwung zu kommen. Um den Menschen einen Gruß zu senden.