götterspeise

kein schnee ende juli, die

haikus liegengelassen, hölderlins

hymne an die freiheit erklingt im

ohr, ankämpfend gegen das chaos

werden riesen gewünscht, die

höllenqualen rauben den verstand

götterspeise längst vertilgt, brombeeren

reifen in schnellen schritten voran

die freiheit fern und nah

Kampenwand II

Die Anfahrt zur Kampenwand erfolgte mit Bahn und Rad. Zwar wollten Franz und Maria den Berg ohne Rad erobern, aber sie hatten die Räder mitgenommen. Vielleicht wollten sie ja noch ein paar Runden schwimmen. Der Anstieg war nicht besonders schwierig, doch die Sonne hinterließ Spuren. Als sie oben waren, gingen sie noch bis zur Gorialm, um Rast zu machen. Freunde warteten schon auf sie. Später gingen sie noch weiter, die Aussicht auf den Chiemsee war wunderbar, die Bergblumen in voller Blüte. Teufelskralle und Enzian erstrahlen in blaulila, Hornklee und Trollblume knallten ihr Gelb dem Wanderer um die Ohren. Hier und dort Gleitschirmflieger am Himmel. Später radelten sie noch nach Chieming, drehten ein paar Runden im Wasser. Blieben über Nacht bei Freunden. Die Sterne strahlten am Himmel.

sommerschlussverkauf

der kalte nebel des novembermorgens

weit entfernt, die astern bereit für

den start, die sonnenblumen warten auf

die krönung des sommers. das

marmeladenregal im keller schon halb

gefüllt. in den kaufhäusern ist die auswahl

an bademode kleiner geworden. gäbe es

noch sommerschlussverkauf, würde er bald

beginnen. erst nach einigen tagen

sommerferien wird sich die genussvolle

langeweile einstellen. den büchervorrat

willst du noch auffüllen. die küsse zwischen

den bücherdeckeln werden länger. der sommer

scheint unendlich lang.

Kampenwand

Die Proviantdosen für die Tour gut gefüllt. Brot, Speck, Käse, hart gekochte Eier. Gurken. Tomaten. Großmutter hatte es immer mit Liebe gemacht, wenn sie in die Berge ziehen wollten. Keine Powerriegel. Einfach eine Tafel Schokolade. Oder zwei. Manchmal auch eine Flasche Wein. Wenn es eher eine entspanntere Tour wurde. Gern ging Franz in die Berge. Blieb auch nachts mitunter auf dem Berg. Gigantischer Sternenhimmel. Unendliche Weite. Maria ging auch gerne mit. Mal gingen sie mit mehreren Freunden, mal alleine. Nicht nur die Kampenwand. Oder die Benediktenwand. Gerne gingen sie auch einsamere Wege. Aber auf der Kampenwand traf er immer Freunde.

im sommerhaus #2

der garten ein paradies

rittersporn, rosen, hyazinthen

die bäume hängen schwer mit

ihren früchten, die johannisbeeren

 

neckisch auf hohen stämmen

die brombeeren ranken wild

kinder springen über wiesen

wenn freunde kommen

 

wird der abendstern begrüßt

schwalben und kohlmeisen

umflattern die köpfe, im sommer

besuchen uns auch die wespen

Hang zur Monarchie

Die Bayern hatten immer noch einen großen Hang zur Monarchie. Der Besuch des schwedischen Königshauses in Bayern ging dem einen oder anderen schon sehr zu Herzen. Auch bei den Festspielen in Bayreuth war das Königshaus mehr Thema als die Qualität der Aufführung. Auch beim Fussball mochten die Menschen klare Verhältnisse. Kaiser Franz und Uli Hoeneß als ewiger Herrscher von Bayern München. Auch die CSU schien dem Franz als Ersatz für die Monarchie zu dienen. Vielleicht würde Bayern einmal nicht Meister werden. Das würde dem Franz gefallen. Möglicherweise hatte ja die Asien-Reise, Marketing hin oder her, mehr geschadet denn genützt und irgend ein andere der 17 Mannschaften würde die Gunst nutzen. Darauf wollte Franz nicht wetten. Aber es wäre eine Möglichkeit

die mäßigung #2

der goldene weg scheint

in der mitte zu liegen, mehr

als nichts und doch nicht alles

zwischen wollust und nichts

 

empfinden können das rechte

maß eben, wie man so sagt

doch was wäre denn so schlimm

daran, über die stränge zu schlagen?

 

wäre dann die liebe ein exzess

des glücks? sonst die

mittelmäßigkeit scheint schnell

 

auf die mäßigung zu folgen

obwohl besonnenheit mitunter

von vorteil sein kann

Dienstwagen

Am liebsten fuhr Franz ja Fahrrad. Doch hatte er auch ein Auto. Eher ältere Modell, nicht der Rede wert. Auf die Autoindustrie war er aber trotzdem nicht gut zu sprechen. Vertrauen komplett verloren. Würde beim nächsten Mal sicher ein anderes Modell wählen. Sein Vater und Großvater hatten immer eins von der gleichen Firma gekauft. Die Zeiten waren vorbei. Zum Glück musste er sich jetzt nicht entscheiden. Doch er fühlte die Unlust auf die alten Entscheidungen. Franz liebäugelte mit Elektroautos, doch waren sie ihm viel zu teuer. Er arbeitete ja nicht bei einer Firma, die ihm dann einen Geschäftswagen zur Verfügung stellten. Franz hatte nie den Impuls gehabt, bei BMW zu arbeiten oder bei Siemens. Auch nicht bei einer Beratungsfirma. Vielleicht könnte ihm ja ein Verlag einen Dienstwagen zur Verfügung stellen? Bei der Farbe wäre er auch flexibel.

im Hafen #2

vorbei die stürme, gelandet

im glücklichen hafen

in hamburg, in bremen

geborgen, fern der stürme

 

der wellen, dem meer, gelandet

im glücklichen hafen,

gekommen von der herren meere

aus amerika, aus afrika, aus

 

indien, die männer sind

heimgekommen, von hoher see

aus aller fernen länder und freuen

und trinken und essen und lieben

 

im hafen, fern der stürme, fern

der see und lauscht heine ihren

geschichten, von fernen ländern

und frauen und liebe und glück

 

im hafen, im glücklichen hafen

in hamburg oder bremen, lauscht

heine den männern, die

heimkommen von hoher see

der sämann #2

den acker abschreitend

großen schrittes, das tagwerk

begehen, der bauer, aussäend

die saat. kräftig die sonne

 

untergehend schon, es geht zu

ende die arbeit des tages

göttliche sonnenkraft scheinend

die muttererde eingetaucht in ein

 

orange und blau, der sämann

gibt der erde, gibt, wachsen

möget das korn, so malt der

 

maler das samenkorn

gedeihen möget es, das

korn, gedeihen