Sprachlos umherirrend

Die Zeichen nicht gedeutet. Welche Sprache sprechen die Gebärden? Lächelten seine Lippen? Sprachen seine Augen zu ihm? Sprachlos irrte Franz in Tokio umher. Nicht lesen konnte er die Sprache. Nicht sprechen. Vorbei rauschenden die Menschen. Gedränge in der U-Bahn. Geschichten konnte er keine erzählen, Geschichten konnte er keine verstehen. Der reich gedeckte Tisch ließ ihn nicht verhungern. Viele kleine Schälchen, Tellerchen, Reis, Gemüse, Fisch. Stäbchen. Ungeübt bem Essen. Die Gastgeber waren da eindeutig im Vorteil.

Mit Odysseus übers Meer

Früher hatte Franz Pound gelesen. Diesen großen modernen Lyriker. Diesen elenden Faschisten. Mieser Mussolini-Fan. Judenhasser. Ein Schmied seinesgleichen. Ernst Jünger hatte Franz auch nur in der Bibliothek gelesen. Zuhause wollte der Jünger nicht stehen haben. Franz tat sich schwer mit Pound und Jünger. Heidegger hatte er auch nur mit Seidenhandschuhen angefasst. Den hatte er aber dann doch zu sich nach Hause geholt. Mit Odysseus war das leichter. Den konnte jeder mögen. Musste Literatur und Philosophie korrekt sein? Durfte er ein Gedicht gut finden, dessen Autor ein Antisemit war? Maria hatte ihm von CasaPound erzählt. Ein harmloser Name. Doch dahinter stecken Neofaschisten. Rechtsradikale. Franz hatte keinen Pound daheim. Las ihn nicht mehr. Lieber Joyce. Oder gleich Homer. Mit Odysseus übers Meer fühlte sich Franz wohl.

Und der Wind

Guter Dinge war Franz. Das Grünwalder Stadion würde wohl bald belebt werden. Uraltes Teil, dieses Stadion, sein Großvater hatte es geliebt, hatte die Meisterschaft dort erlebt. Vergangene Zeiten. Aber 4. Liga hat auch ihren Reiz. Kohl war gestorben. Franz war nie ein großer Freund von Kohl gewesen. Er war sich nicht sicher, was er ihm zu verdanken hatte. Aber einem Toten würde er nichts Schlechtes nachsagen. Bei Trump war das was anders. Der Sommer lag in der Stadt. Und der Wind. Als läge München an der Nordsee. Beim Rad fahren zog sich Franz eine Jacke an. Der kräftige Wind gefiel ihm gut. Zumindest, solange er nicht müde war. Maria liebte den Wind nicht so sehr. Ihr war die Luft zu kalt, bekam schnell Gänsehaut. In den hellen Nächten träumten sie vom Norden. Die Sonnenwende kam näher.

altaussee

die töne durchschlugen die

schleusen, die basslinie ging

über die ufer, mayröcker beim

kiesertraining, zwischen den

 

fugen den besen genommen

im altaussee den schnee

versenkt, die oktaven zu tief

gespielt, beim kirchenausgang

 

die ohren eingezogen, vergeigt

den bach runter geflossen, das eis

der berge schmeckte vorzüglich

das glas ausgetrunken

süßsauer küssten wir uns

auf blauen espadrilles durch den

sand der stadt, die pinen gaben

den schatten,  zitroneneis gespachtelt

 

zerronnen fast vor dem mund

süßsauer küssten wir uns

wir grüßten cäsar von weitem

 

in der nacht hörten wir

den vespas zu, die mücken

lagen erschlagen auf dem boden

wagners leid

wenn öd und leer das

meer, der gesang durch

die knochen geht, kein

schiff will fahren ans

 

rettende, gewiss scheint

der tod im hyazinthengarten,

so grün irland liegt weit, die

liebe geschenkt und verloren

 

die grillen singen ihr lied

dazu, am end nur bleibt

der tod, betrübnis

vergangen der liebe freud

umkreisen die blumenwiese

die gieskanne sammelt spinnennetze

getrocknete blumensträuße hängen

in der ecke wild wuchert der

rosenstrauch, die alten hände

 

schneiden nur das nötigste, die

obstbäume sind knöchrig, schmetterlinge

umkreisen die blumenwiese, das gesicht

des gärtners zeigt gegerbte haut, gerne

 

nimmt er die beeren direkt in den mund

bevor die vögel sie fressen, die süßen kirschen

die oberen lässt er hängen, auf die leiter

 

steigt er nur noch selten, manchmal

kommen kinder und kraxeln in den

bäumen herum, von der verwitterten bank

aus sieht er ihnen zu. manchmal lächelt er

die götter haben ihm gezürnt

zwischen mussolini und den

chinesischen herrschern den

schirm der poesie aufgespannt

auf dem meer herumgeirrt

 

die götter haben ihm gezürnt

amerikaner sowieso, pounds

abgesänge der hölle, verloren

auf rauen wasser, das paradies

 

geschlossen, von den göttern

verstoßen, vom wind vertrieben

verstummt die lieder und doch auf

der suche nach der sprache

ihren göttlichen gesang #2

die musik, eine frau und

spielt gitarre. mit übergroßen

händen gitarre, nicht klavier.

geige nicht, sie spielt, die frau

 

mit ihren großen händen, gitarre

das instrument so klein in ihren

händen. zu klein geraten fast, in

ihren übergroßen händen, das

 

instrument. als könnt sie, ganz

auch ohne, die töne klingen lassen

ohne, ganz ohne die gitarre. entsprungen

 

dem olymp, als wäre polyhymnia, die

muse des gesangs, als könnt sie ohne

leier singen ihren göttlichen gesang

Schachfiguren liegen unberührt

das rad der zeit umgeworfen

verloren in der unwirklichkeit

der städte, entlanggelaufen den

heißen teerwüsten, den nachtfrost

 

des sommers erlegen, die

schachfiguren liegen unberührt

am fluss, shakespeares sonette

abgekürzt, verloren in der wüste