ihr haar wehte im wind

im grase nicht gelegen, die gänseblümchen

zierten fein das zarte grün. die liebe kam

vorbei, doch blieb sie nicht, ihr kuss

flüchtig, verflogen. ihr haar wehte im

wind, die lippen so süsslich schien

doch der schnee so kalt.

Apfelbäume

Nicht gefreut haben sich

die Apfelbäume über den

späten Schnee. Die Tulpen

wehren sich aufrechter.

 

Auf den Bergen liegt Ende

April ein weißer Teppich.

Der gelbe Löwenzahn ragt

aus dem eisigen Grund. Ein

 

Tag später schon setzen die

Segler über den See. Am

heiligen Berg wird für die

Pilger der Weg geräumt.

 

Die Hoffnung des Sommers

hängt erfroren am Baum.

Zwischen den Wolken des Septembers

Wer möchte nicht im Sommer

über das Land? Katzen dösen

in der Sonne. Der Hund hat sich

hinter dem alten Traktor versteckt.

Wer möchte nicht dem Storch

nachschauen, wie er seine

Kreise zieht? Die Frösche

quaken um die Wette.

Wer läge nicht gern im August

auf der Wiese und schaut in der

Nacht die Sternschnuppen an?

Wer riecht nicht gern den

ganzen Sommer frisch gekochte

Marmelade in der Küche?

Zwischen den Wolken des Septembers,

Sarah, hast du die Droste geküsst.

als jandl den führerschein machte #2

als jandl den führerschein

machte, da hatte es der fahrlehrer

nicht leicht. verwechselte jandl

 

schnell mal links mit rechts oder

rechts mit links und fuhr nach da

und nach dort anstatt nach dort

 

und nach da. als dann jandl dort

war und nicht da, war der

fahrlehrer fort. beim nächsten

 

mal, der fahrlehrer war wieder

da, fuhr jandl nach dort und nach

da, anstatt von da nach dort und

 

fuhr nach rechts und nach links

und auch im kreis. doch als

fuhr jandl im kreis verkehrt,

 

anstatt links nach rechts, da war

der fahrlehrer

fort und

 

kam nicht mehr.

Schlehdornbusch

Zwischen offenem Himmel und

schneeumwehten Löwenzahnwiesen der

Droste nicht das Wasser gereicht,

 

kein Tee getrunken mit ihr im dunklen Moor.

Girlanden um Haar gern geflochten ihr, ein Lied

nicht gesungen mit ihr bei Mondenschein,

 

den kühlen Wein allein getrunken,

zwischen dem Schlehdornbusch und

den Anemonen, die Ringelblumenblätter

 

abgezupft. Die Vögel des Waldes

sangen ihr Lied dazu. Den Blumenstrauß

ganz vergessen.

Der Himmel fast schwarz #2

frühgotisch die kirche,

empor sie ragt, fast

noch in der romanik

 

verhaftet, wehrhaft, die

kirche von auvers, als

van gogh sie malte,

 

am ende seines lebens,

sie malte und der himmel

fast schwarz wurde, dunkel

 

das blau, wehrhaft und doch

zerbrechlich, nicht halt

gebend und nicht findend,

 

der himmel fast schwarz,

als nacht wäre, doch so

hell scheint, die bäuerin,

 

so hell, als tag wäre.

über dem feld einen fasan nachjagen

die gartenzwerge hatten auch

schon bessere zeiten gesehen.

ihre schönheit in gefahr. gern

wollt ich über dem feld einen

 

fasan nachjagen. engelsgleich

mit flatternden flügeln. später

taten die arme weh. mit dem

rad über die eisenbahnbrücke

 

geprescht. die roten lichter des

zuges wurden immer kleiner.

den reisenden die besten

wünsche nachgerufen. das

 

moos von der parkbank hatte

schon lang keiner mehr

entfernt. löwenzahnsalatzeit.

in nachbars garten kämpft eine

 

glyzinie gegen den frost der

aprilnacht. auf dem feldweg

kommt ein bauer mit einem

milchwagen entgegen.

 

nebenerwerbsbetrieb. die anderen

bauern im dorf haben längst

aufgegeben, besitzen den bulldog

nur noch für spazierfahrten.

der giersch spannt seine wurzeln aus

auf dem rad fliegt die landschaft

dahin. der fluss schiebt die steine

vor sich her. dort und hier ein specht

 

bei der arbeit. fleissig bauen die sperlinge.

das kalte wasser lädt nicht ein. flussaufwärts

fester in die pedalen.

 

eingezwängt in ein künstliches bett bleibt

dem fluss keine luft zum atmen. gerne würde

er ein paar schleifen drehen. ab und an springt

 

eine bachforelle dem angler davon. für rast

bleibt keine zeit. der giersch spannt

seine wurzeln aus. erst als die beine

 

brennen, endet die fahrt. die vögel sind lange

noch nicht müde. das wasser fließt weiter

hinab.

die kühe sind der wiese verlorengegangen

das land schnell durchfahren, kein

tempolimit hat uns gehindert. auch

die reise mit dem zug lässt die großen

städte schnell näherkommen. für das

 

meer, die berge braucht es etwas

länger. doch bin ich in den bergen, was

geschieht mit der gewonnen zeit?

ratlos laufe ich umher. die diesellok

 

längst im museum. im zug immer

vernetzt, keine mail verpasse ich. auf der

autobahn geht es nie schnell genug. der

motor muss ja endlich einmal ausgefahren

 

werden. wie halten das nur die franzosen,

schweizer, italiener aus? der gelbe

löwenzahn färbt die wiesen. die kühe

sind ihr verlorengegangen.

voller ungeduld

der hölzerne steg führte

weit aufs wasser, die möwen

schrien ein lied uns ins ohr,

 

segelboote lagen am ufer in

wartestellung, noch wagten

sich wenige hinaus, badende

 

übten noch in der halle für den

kühlen sprung, sonnenmilchverkäufer

hatten ihre regale gefüllt. der fischer

 

räucherte seine renken, die zart belaubten

bäume spenden schatten, ungeduldig

warten wir auf den sommer.