Auf Schiermonnikoog ging es Franz gut. Der Wind pfiff im gewaltig um die Ohren. Dicke Mütze auf dem Kopf. Im Haus gab es einen schönen Ofen, der im ordentlich einheizte. Stundenlang wanderte er herum. Von einem Ende der Insel zum andern. Drei oder vier mal so lang wie breit war die Insel. So genau hatte er nicht nachgerechnet. Ein paar Hände voll Einwohner gab es hier. Hatte er auch nicht nachgezählt. Früher gab es hier wohl mal ein Kloster. Die Deutschen hatten hier früher wohl auch einmal Bunker gebaut. Für die tausendjähriges Reich. Sein Großvater war früher wohl auch mal hier gewesen. Warum wusste Franz nicht so genau. Franz dachte oft über seinen Großvater nach. Aber alles wusste er nicht über ihn. Jetzt war es zu spät zum Fragen. Damals waren hier viele deutsche Soldaten gewesen. Aber was sein Großvater auf der Insel gemacht hatte, wusste er nicht.
Autor: orangeblau
als sturm aufkam #2
als sturm aufkam, die nordsee
überströmte, die wellen immer
höher, die schiffe sich abmühten,
rauf und runter, abmühten
heim zu kommen, den hafen zu
erreichen, da hörte heine
die harfenlaute tönen,
die wellen prallen hart,
doch heine hört die harfe,
von ferne kommen die töne,
getragen übers meer und hört den süßen,
himmlischen gesang der schönen.
bet and win
bet and win. wer kann da schon nein
sagen, so groß doch das glück winkt.
schokoladenostereier war früher.
heute müssen es schon größere
überraschungen sein. zum glück
wird im fussball nicht gedopt.
spiele sind nie manipuliert. schiedsrichter
treffen immer die richtige entscheidung.
gelbe punkte überfluten die wiesen. aus
dem gehege ausgerissen hat das raubtier
unmenge an zähnen verloren. im wettbüro
coole jungs, beste tipps auf lager.
betriebsgeheimnisse werden nicht
verraten. nur der bmw tiefergelegt. bei einem
kratzer kommen dem fahrer die tränen.
goldkettchen sind pflicht.
die haut trägt gemälde spazieren. frauen
sind nicht dabei. erst später wird nach
hause geflogen. mutter hört den sohn
schon von weitem anröhren.
daheim zieht er seine Schuhe aus.
car wash
die engel haben schon lange
keinen mehr wachgeküsst,
auf den friedhöfen laufen
alle durcheinander, der zugang zur
kirche versperrt ein container mit
sondermüll, car wash angesagt, ultimative.
citrus power garantiert. bei bet365 kann
man nicht besonders gut schlafen.
wasserbetten sind nicht zu gewinnen.
der krankenwagen fährt wieder
einmal zu schnell um die ecke. das
fenster gegenüber bleibt leer.
das zimmer im gelben haus #2
ein bett, ein waschtisch, zwei stühle,
mehr brauchte van gogh nicht. einen schrank
vielleicht. ein paar bilder an der
wand. der boden grobe dielen,
kein teppich im gelben haus in arles,
eine klosterzelle fast.
in wunderträumenden farben, froh und warm.
zitronengelb, mohnrot, himmelblau,
feuerorange. doch schräg malte van gogh
das zimmer, als würde wanken der
boden, die bilder schief hängen
an der wand, als begänne der wahnsinn
zu kriechen. so ist es nicht
das paradiese, das zimmer im
gelben haus in arles,
kein ort der stille nicht.
stille woche
wolkenverhangen schiebt der himmel
sich, die dünne haut trocknet in der
frischen luft, das kreuz der tage
passt in keine u-bahn, schneller als
alle pilger radelt das kind auf dem
alten bonanza-rad,
für neue bauwerke wird der beton
flüssig angeliefert, schnell noch alle
leichen aus dem keller geräumt
im beichtstuhl haben wir alle
geschwiegen und doch
den rosenkranz gebetet, in der
karwoche wird nicht
geschrien. zwischen den angeln der
türe notiert. die rollentreppen schubsen
die passagiere aus dem einkaufparadies.
verhangen die kruzifixe.
stille woche.
leis.
es schweigt die orgel.
Luigi kennt sie alle
Großstadtglück sieht anders aus. Plattenbaugeformte Hochhäuser bilden das Zentrum des Stadtteils. Villenbesitzer sind woanders. Zwischen geschlossenen Läden und Wettbüros eine Eisdiele. Die Sprache Deutsch. Grammatikalisch nicht frei von Fehlern. Ein gemeinsamer Wortschatz quer durch die verschiedenen Nationen. Als wäre die Spielwiese das Zentrum einer großen Stadt, bietet der Eismann verschiedenste Kreationen an. Alles frisch. Beste Qualität. Geringer Preis. Die Gäste aus aller Welt. Keine Touristen. Migranten. Aus der Türkei. Tunesien. Albanien. Oft die Frauen mit Schleier. Menschen ohne Migrationshintergrund. Die Eiskarte etwas abgegriffen. Die Bestuhlung zumindest Geschmacksache. Der Eisdielenbesitzer ist jung und hatte goldene Hände. Beim Eis machen. Aber auch bei Sportwetten. Wettet aber nur im Konjunktiv. Macht keine Wettschulden. Verleiht kein Geld fürs Wetten. Die anderen wetten alle. Fürs schnelle Glück. Bei 50 Euro Einsatz 1500 Gewinn. Da kann nicht jeder Nein sagen. Vereinzelt verirren sich hier auch Menschen ohne Migrationshintergrund. Freuen sich über die Eissorten. Reiche Auswahl. Luigi kennt sie alle. Redet mit allen.
Gebackene Taube
Ostern ohne Familie war für Maria nicht möglich. Mit dem Zug war sie über den Brenner gefahren. Florenz war schnell erreicht. Manchmal fuhr sie auch über Nacht, doch diesmal war sie in aller Früh losgefahren. Karfreitag wollte sie mit ihrer Familie nach Assisi fahren. Dort fand immer eine Prozession statt. Ostersonntag würden alle zum Frühstück kommen. Jeder bekam ein riesiges Schokoladenosterei, kitschig verpackt in einem Haufen Folie. Zu den vielen Verwandten kommen auch immer zahlreiche Freunde. Mittags zum Pranzo di Pasqua, gab es natürlich Lamm. Immer schon. Kochte noch immer die Großmutter. Alle wollen feiern. Draußen. Den Frühling geniessen. Am Ostermontag würden sie einen Ausflug machen. Das erste Picknick im Freien. Zu Ostern durfte die gebackene Taube nicht fehlen. Sie selber zu machen war in Marias Familie Ehrensache. Das Rezept stammt von der Urgroßmutter. Aber die hatte es vielleicht auch von ihrer Urgroßmutter. So genau wusste das keiner. Zumindest brauchte man viel Zeit. Die Hefe für die Ostertaube will langsam gehen. Überhaupt brauchte das Essen Zeit. Nicht nur das Vorbereiten. Aber Maria wollte es so. Ostern drehte sich alles um Kirche und Essen. Manchmal schien es ihr, es drehte sich mehr ums Essen.
Nase im Wind
Lorelei längst abgetaucht. Die Züge fahren jetzt woanders. Der Rhein schleppt den Unrat zum Meer. Noch blühen die Kirschbäume, noch. Franz hat seine sieben Sachen, oder waren es ach?, gepackt und ist verreist. Feiertagsdepression entfliehen. Musst sich frischen Wind um die Nase wehen lassen. Fuhr zur Nordsee. Weniger Pollen. Steife Brise. Eher kühle Luft. Tulpen allenthalben. Ganz Holland schien zu blühen. Tod oder Tulpen? Van Gaal sprach immer von Gladiolen. Franz traf sich mit ein paar Freunden auf einer Insel. Hatten ein Häuschen gemietet. Maria war zu ihrer Familie gefahren. Franz wollte die Zeit nutzen und schreiben. Die Nase im Wind. Am Abend würden alle da sein. Die Überfahrt zur Insel war ein wenig stürmisch. Danach konnte Franz einen Schnaps vertragen. Genever als Gruß.
Osterhasenzüchter
Masslos überschätzt werden Ponyhöfe. Auch das Ausmisten des Schweinestalls ist nicht mehr das, was es einmal war. Ein Stall mit tausend Schweinen? Kein Problem. Ein Stall mit 10.000 Schweinen. Erst recht nicht. Erledigt alles der Computer. Doch das Leben im Schweinestall sollte man sich nicht als Paradies vorstellen. Mit Pferdehaarallergie ist nicht einmal das Leben auf dem Ponyhof das Leben auf dem Ponyhof. Dann doch lieber Osterhasenzüchter werden. Osterhasen erfreuen sich gerade jetzt wieder großer Beliebtheit. Das Leben als Osterhase ist auch kein schlechtes. Viele Monate kann man in Ruhe seine Karotte mümmeln. Oder Körner fressen. Nur irgendwann nach Weihnachten beginnt dann so langsam der Stress. Aber dafür kann man sich dann 3/4 des Jahres erholen. Ist schon fair. Und als Braten endet man auch nicht. Nicht einmal mit Tierschützern bekommt man Ärger. Die wissen nämlich gar nicht, wo der große Osterhasenstall steht.