Masslos überschätzt werden Ponyhöfe. Auch das Ausmisten des Schweinestalls ist nicht mehr das, was es einmal war. Ein Stall mit tausend Schweinen? Kein Problem. Ein Stall mit 10.000 Schweinen. Erst recht nicht. Erledigt alles der Computer. Doch das Leben im Schweinestall sollte man sich nicht als Paradies vorstellen. Mit Pferdehaarallergie ist nicht einmal das Leben auf dem Ponyhof das Leben auf dem Ponyhof. Dann doch lieber Osterhasenzüchter werden. Osterhasen erfreuen sich gerade jetzt wieder großer Beliebtheit. Das Leben als Osterhase ist auch kein schlechtes. Viele Monate kann man in Ruhe seine Karotte mümmeln. Oder Körner fressen. Nur irgendwann nach Weihnachten beginnt dann so langsam der Stress. Aber dafür kann man sich dann 3/4 des Jahres erholen. Ist schon fair. Und als Braten endet man auch nicht. Nicht einmal mit Tierschützern bekommt man Ärger. Die wissen nämlich gar nicht, wo der große Osterhasenstall steht.
Autor: orangeblau
30 Silberlinge
Der Hahn krähte dreimal.
Schlecht gelaunt der Busfahrer, er
würde wohl am liebsten den Fahrgast
verprügeln. Sich der Langeweile
hingebend vergisst die Bäckereifachverkäuferin
den Kaffee. Autos werden ab sofort
von der Post hergestellt. Am anderen
Ende der Leitung erhellt ein Lachen
den Tag. Bittere Tränen sind dem Petrus
über die Wangen gelaufen. Die Apfelblüte
erhellt die Landschaft, Luthers gepflanzter
Baum eine schöne Lüge. 30 Silberlinge
genügtem dem Judas. Und doch wart
nicht glücklich damit.
Zwischen dem
Zwischen dem, was könnte, als wäre,
möglicherweise, Faltenwürfe
allenthalben, die Wellen treiben gegen
den Hafen, geile Zeit abgesagt, nicht nur
der Rausch geht vorbei, die Indianer haben
die Reservate verlassen, im neuen Schloss
wird kein König wohnen, der Aprilsturm
fegt die Blütenblätter davon, auf dem
Kopfsteinpflaster hüpfen zwei Verliebte
um die Wette. Der Wind hat ihre
Haare längst zerzaust. Möglicherweise,
als könnte, zwischen dem.
Emmaus # Bach, Bleib bei uns, denn es will Abend werden
Nach Emmaus gingen zwei Jünger,
der eine gewesen Kleopas und sie stießen
auf IHN, den Gekreuzigten, den Gottessohn und
sie erkannten nicht IHN, den Erlöser.
Da legte ER, der Gottessohn, ihnen, den Zweifelnden,
den Ungläubigen dar die Schrift, legte sie aus,
die Schrift, erklärte sie und als sie erreichten
Emmaus, und als sie erreichten, die Jünger
Emmaus, zu bleiben, sie flehten IHN an zu bleiben.
Bleib bei uns, Herr, bleib bei uns, Herr, bleib bei
uns, sie flehen, die Jünger, Abend ist geworden, Abend,
so dunkel die Nacht, als fürchteten sie sich, als fürchteten
sie die Dunkelheit, die Nacht, die Einsamkeit,
bleibe bei uns Herr, bleibe bei uns. So blieb ER und sie
aßen das Brot, das er brach und den Fisch und
sie erkannten IHN.
Als Jesus das Brot brach #Abraham Bloemaert, Emmaus, 1622
Als Jesus das Brot brach,
erkannten sie ihn, als brach
das Brot entzwei. Doch Brot
nicht nur sie aßen. Fisch auch
und Fleisch, Oliven und Linsen,
Feigen und Wein. Was wäre das
für ein Fest des Lebens, brächen wir
nicht nur das Brot. In Emmaus sie
speisten, die zwei Jünger und Jesus,
sie speisten und es wurde warm
ihnen ums Herz, verloren die
Traurigkeit. Beim Abendmahl in
Emmaus. Ein Fest des Lebens.
Radfahrer haben die Müdigkeit nur noch nicht entdeckt
Die Banalitäten füllen Mülleimer, der
Frühling ist nichts für Angsthasen. Rollerfahrer
knattern gegen den Vogelgesang, die
Rollatorfahrer haben einen Gang
zugelegt. Der Junge bläst mit seinem
Saxofon den Nachbar den Marsch, entstaubte
Gießkannen tragen Wasser. Radfahrer
haben die Müdigkeit nur noch nicht
entdeckt, akkurat verrichtet der warmgelaufene
Rasenmäher seinen Dienst, die frisch Verliebten
küssen sich vor der Gelateria. Die Cabrios
hängen längst am Brenner fest.
Kartographie #7 Starnberg
Am Sonntag war Maria früh aufgestanden, sie wollte mit Franz eine Radtour machen. Der Frühling forderte sein Recht. Alles grünte und blühte. Am Abend zuvor hatte sie ein wenig Antipasti fürs Picknick vorbereitet. Sie wollten unterwegs nicht hungern. Sie waren die Isar Richtung Süden geradelt. Bis Wolfratshausen. Von dort wollten sie zum Starnberger See. Zu Beginn war es noch recht ruhig auf der Strecke gewesen. Gegen Mittag schien ganz München die gleiche Idee gehabt zu haben. Es wurde recht warm, die Speisen waren schnell vertilgt, Radfahren machte Hunger. Sie freuten sich auf den See. Wollten die Beine ins Wasser hängen. In Ammerland kamen sie endlich ans Wasser. Viel zu kalt fürs Baden, doch die Füße freuten sich. Zum Ausruhen hatten sie eine Decke dabei. Später wollten sie von Starnberg aus mit der S-Bahn heimfahren. Niemand mochte Starnberg, doch der See war wunderschön. Berggipfel schienen zum Greifen nah. Die Zugspitze trug noch Schnee. Maria war kein Ludwig-Fan. Franz gleich gar nicht. Doch sie sahen das Kreuz bei der Fahrt nach Starnberg im See. Bevor sie heimfuhren, hatten sie aber noch Ambach aufgesucht. Franz sagte, da muss man hin. Dem Bierbichler sein Wirtshaus sei dort. Hunger hatten sie keinen großen. Doch ein Bier und eine Brotzeit ging immer. Die Kastanien waren noch zurückhaltend mit dem Grün. Die Speisekarte schien Maria vertraut. Fast wie in Italien. Es gab sogar italienische Bratwürste. Fand Maria lustig. Sie hatte gedacht, die Bayern hätten ihre eigenen Würste. Erst in der Dunkelheit waren sie in Starnberg. Zum Glück war der Bahnsteig nicht mehr so voll.
die gedanken flogen durch den kopf
nicht auf den mund gefallen
die wörter, wörterbücher durchgeschüttelt
und doch, auf der suche nach den
richtigen wörtern, geschwiegen.
die gedanken flogen durch den
kopf, doch der mund bliebt stumm.
die liebe ging weiter. das gestammel
der wörter machte keinen sinn.
das schweigen dauerte. nur ein
kuss konnte die stille durchbrechen.
Die Engel fliegen tief in der Nacht
Die Engel fliegen tief in der Nacht,
der Schlag der Flügel weht ihm ins Gesicht,
die müde Hand kritzelt unscharfe Worte aufs
Papier, die Wünsche und Träumen kämpfen
ein verlorenes Rennen. Die heißen
Küsse sind längst verflogen, die Gedanken
sausen den Engeln hinterher.
Zurück bleibt ein Blatt Papier
Zwischen dem falschen und dem richtigen Leben #2
Zwischen dem falschen und dem richtigen
Leben, ein wahres Leben im Falschen, ein
verlorenes Leben im Richtigen, zwischen
den Buchstaben, den Wörtern, die abgeschliffen,
gesägten, zusammengefügten, gepressten, geleimten
und den Gedanken, die davonfliegen, kaum das Fenster geöffnet,
fern der Großfürstendichter, auf seiner Schreibmaschine,
in der Nacht, in der Früh, zwischen dem Tagwerk
und dem täglich Brot, fräst, bohrt, schmiedet
am Wort, am Satz, faltet und entfaltet,
am Abendhimmel, die Sterne leuchten ihm.