Schweden

20.02.2017

Schweden konnte nicht überall sein. Trotz Ikea. Michel war auch nicht überall. Nicht Bullerbü. Natürlich hatte Franz gerne Pippi Langstrumpf gelesen. Saltkrokan geliebt. Immer von einem Ferienhaus in Schweden geträumt. War ein paar Mal dort gewesen. Mit dem Bulli. Trump war wohl noch nicht dort. Hatte nur ein paar postfaktische Lügen erzählt. Zu viel Phantasie für einen Politiker. Sollte besser einen Schwedenkrimi schreiben. Im Regen des Spätwinters hatte das Radeln wenig Freude bereitet. Seltsamer Weise hatten die Schweden noch immer einen König. Dabei schien es doch so urdemokratisch zu sein. Franz würde gerne einmal zur Sommersonnenwende in den Norden fahren. Nur die Moskitos brauchte er nicht. Das Midsommarfest wollte er feiern. Nicht nur bei dem Möbelhändler einkaufen. Wenn er nicht immer so schnell gestochen würde, wäre er bestimmt öfters dort. Mochte keine Schwedenkrimis. Weder im Fernsehen. Noch zu lesen.  Desto älter er wurde, um so weniger mochte er Krimis. Hatte früher gern einmal einen Krimi angeschaut. Vorbei. Höchstens, wenn die Coen-Brüder einen neuen Film machen würden. Hatte Fargo geliebt. Ein sonderbarer Heimatfilm gewesen.

Wenn Schnee lag, frisch und zart

19.02.2017

Wenn Schnee lag, frisch und zart, zog Franz gerne seine Wanderstiefel an – gut eingefettet – und zog los. Über die Felder, Wiesen, in die Berge, auf die Hügel. Zog die Luft ein, hüpfte vergnügt wie ein kleines Kind. Fuhr mit dem Auto aus die Stadt oder dem Zug. Nicht allzu weit. In das Weiße. Saß sich die tiefen Spuren an. Die Rillen, die Abdrücke. Ging oft stundenlang. Bis die Beine schwer wurden vom tiefen Schnee. Kein Halten war. Liebte das Knirschen unter den Sohlen. Wollte in den unberührten Schnee. Sah Spuren vom Reh. Oder Hasen. Blieb dann gern über Nacht auf dem Land. Besuchte Leute. Fern der Stadt. Hin- und hergerissen zwischen Stadt und Land. Konnte ohne Stadt nicht sein. Konnte ohne Land nicht sein. Der Schnee lag wie Sanddünen über dem Feld. Verweht vom Wind. Bis zum Abend wollte er gehen.

Wochenende

Der Lech fließt fast vorbei, eingeengt von Beton,

der Freiheit beraubt. Kaiser Augustus schaut

auf sein fremdes Volk. Der Dom steht kleingedrückt

zwischen den Häusern. Nur Ulrich ragt empor.

Fremd schaut der Hotelturm auf die

Stadt. Das Theater ist wegen Mängel geschlossen.

Auf der Maxstraße trinkt sich  der fröhliche

Stadtbewohner um seinen Verstand. Gegen die

Ödnis der Großstadt sammelt sich die Jugend

beim Schnellimbiss. Ein chilliger Abend.

Erhellt das Abendvergnügen

Einkaufstempelglück. Rollentreppen

zum Konsum. Keine Feuchtigkeit dringt

an die Haut. Höchstens Schweißausbrüche.

Wohltemperiert werden die Jacken über

Board geworfen. Die untergehende Sonne

wird hier nicht vermisst. Erhellt das

Abendvergnügen. Volle Bäuche reihenweise.

Im Parkhaus ist ein Stau zu vermelden. Hier

braucht keiner etwas. Mit vollen Taschen

fahren sie heim.

Wenn der Föhn drückt die Berge in die Stadt

18.02.2017#2

Wenn der Föhn drückt die Berge in die Stadt, wird Franz immer nervös, packt ihn Sehnsucht zu den Alpen. Fuhr dann schnell mit dem Auto hin zur Kampenwand. Am liebsten eigentlich dort. Weniger oft nach Garmisch. Kannte Leute im Chiemgau, mochte den Weg hinauf. Manchmal fuhr er auch Ski dort. Auch mit seinem Großvater war er oft dort gewesen. Im Sommer. Im Winter. Das Skigebiet war eigentlich kein Skigebiet. Eine Hand voll Pisten. Das wars. Aber Franz war das oft recht. Keine Eskapaden. Keine Party im Schnee. Frische Luft. Manchmal wanderte er auch durch den Schnee. Liebte den Blick auf den See. Kehrte ein. Traf sich mit Freunden. Aß eine Kleinigkeit. Trank ein wenig. Oder manchmal auch mehr. Großvater liebte auch die Kampenwand. Immer wieder waren sie durchs Gebirge gezogen. Wenn sie Hunger bekam, waren sie immer auf die Gorialm gegangen. Im Winter, auch im Sommer. Mit einer Suppe gewärmt. Brotzeit gemacht. Ein Bier getrunken. Der Abstieg gelang immer. Zur Not konnte er bei Freunden übernachten.

Manchmal ist ja ein Abstieg hilfreich

18.02.2017

Bei den Löwen ging es ein wenig drunter und drüber. Ständig wurden neue Stellen frei. Franz würde sich nicht einmal im Spaß bewerten. Viel zu unsicher. Er mochte die Leipziger auch nicht besonders, aber sie machten einen guten Job, dies war keine Frage. Dass konnte man von den 60er nicht behaupten. Manchmal ist ja ein Abstieg hilfreich, um neu anzufangen. Den Löwen war aber auch dies nicht zuzutrauen. Am Samstag hörte Franz gerne Radio. Bayern 1. Heute im Stadion. Sonst hörte er nie Bayern 1. Eher Bayern 2. Nicht immer. Manchmal auch andere Sender. Er wechselte aber selten. Nur Samstags immer Bayern 1. Fußball schaute er selten im Fernsehen an. Hatte kein Sky. Wollte kein Sky. Ab und an Sportschau. Mochte die privaten Fernsehsender nicht. War da eigen. Noch mit den öffentlich-rechtlichen Sendern aufgewachsen. Werbung war ihm ein Graus. Im Grunde mochte er auch keine Fernbedienung. Natürlich schrieb er meistens am Computer. Doch hin und wieder setzte er sich an eine alte Schreibmaschine. Mochte das haptische. Den festen Druck auf die Tasten. Jeder Finger musste arbeiten, um den jeweiligen Buchstaben aufs Papier zu drücken. Machte er aber nur bei kurzen Texten. Mitunter schrieb er ein Gedicht wiederholt an der Maschine. Liebte die Geräusche. Das Einspannen des Papiers. Fast wie ein Klavier. Beim Radeln durch die Innenstadt hatte er einen Umweg machen müssen. Wegen der Sicherheitskonferenz war vieles abgesperrt. Aber dies war eigentlich Routine. Am Abend musste er noch einmal mit der Band spielen. Eine Hochzeitsfeier. Könnte länger werden. Wurde gut bezahlt.

Besuch aus Rom

Am Cafétisch schräg hinten links schien

fast ein kokettes Lachen gegen die grauen

Regentropfen, die schwarze Brille liegt auf der

zugefalteten Zeitung, genau über

 

der Krawatte des Politikers, ihr Cappuccino

ist schon fast leer, ihr Blick fällt immer auf das

Smartphone, unruhig schaut sie sich um, endlich

kommt die Verabredung, eine  ältere Dame legt

 

ihren Mantel ab, es könnte ihre Mutter sein, der

Kellner bringt die ausgesuchte Ware. Sie lebt jetzt

in Rom, ist nur auf der Durchreise, alte Freunde

 

treffen, die Tochter sorgt sich um die

Gesundheit, heut Abend geht wieder der Flieger

nach Italien. Der Aperitif schmeckt ihr gut.

Leere im Kopf

Überrascht hatte Franz in der Früh Regen vernommen. Tropfen prasselten gegen die Scheiben. Hatte auf Sonne gehofft. Kurz war die Nacht gewesen, das Proben länger gedauert. Ihm wurde wohl nicht viel einfallen heute. Er spürte eine Leere im Kopf. Ging erst einmal etwas für das Frühstück einkaufen. Nach dem Kaffee würde es schon noch was werden. Am Abend musste er spielen, davor wollte er auf jeden Fall noch ein paar Sätze schreiben. Auch ein paar eMails wollten noch beantwortet werden. Die Presse lässt an Trump kein gutes Haar. Der Alptraum würde schon vorübergehen, da war sich Franz sicher. Sonne hätte er lieber gehabt, aber der Regen schmeckte irgendwie auch nach Frühling. Die letzten Schneereste der Stadt wurden so weggespült.

Hatte das Fenster weit geöffnet

16.02.

Vernachlässigt war das Klavier worden. Als die Sonne ins Zimmer kam, fing Franz an zu spielen. Sang auch ein wenig. Fast, als wäre er fröhlich. Freute sich auf die Band, mussten am Abend proben. Am Wochenende zwei Auftritte. Musste mal wieder unter Leute. Spielen, danach noch ein wenig feiern. Nichts großes. Hatte das Fenster weit geöffnet. Mochte die Zuhörer. Spielte ein paar Lieder von Rio Reiser. Fast schien der Frühling zu kommen. War noch gar nicht darauf vorbereitet. Der Nachtfrost verriet ihn nicht. Rote Krawatten waren out. Franz trug nur selten welche. Später wollte er noch Bach spielen. Heute gefiel ihm alles. Hatte schon einen Text fertigt gestellt. Zufrieden durchgelesen, hier und da etwas verändert. Vergnügt sich einen Kaffee gemacht. Er liebte den Duft. Von draußen drangt der Frühling in die Wohnung, Franz setzte sich auf den Balkon, schaut ins Blau.