Einfaches Holz

10.02.2017

Kurzfristig war es um Trump ein wenig ruhiger geworden. Für die Deutschen war jetzt Schulz der neue Messias. Oder der neue Trump. Die Medien spekulierten viel über Aufstieg und Abstieg. Franz beobachtete dies mit Neugierde. Ihm gefiel die Belebung der Politik. Das Auferstehen der dahinsiechenden SPD. Er mochte die Demokratie und wollte einen spannenden Wahlkampf. So war er Gabriel dankbar. Auch hatte er Obamas Urlaubsfotos gesehen. Das Lachen von Obama gefiel ihm. Am Abend wollte er mit ein paar Freunden ins Anti gehen. Man ging nicht dorthin wegen dem Essen. Aber man musste dort Essen, um dann auch etwas zu trinken. Es war ein einfacher Grieche. Immer voll am Wochenende. Das Personal trank auch gerne Ouzo. Das gefiel den Gästen. Es würde sicher ein schöner Abend werden. Draußen war es kalt, aber er nahm das Rad. Franz gefiel es, dass es dort nicht so chic war. Er liebte die Einfachheit. Wollte heute keine weißen Tischdenken. Einfaches Holz. Solide Lautstärke. Sein Großvater war auch gern Essen gegangen. Oder trinken. Oder beides. In Frankreich hatte er Wein getrunken. Es sich gut gehen lassen. Ein großes Abenteuer. Stolz durch Paris gelaufen. Den Frauen nachgeschaut.

Hellwach durch die Dunkelheit

09.02.2017

Wenn Franz Ruhe hatte, kochte er gerne. Er mocht das Handwerk. Das Schneiden. Das Rühren. Auch das Kneten. Und liebte das fertige Produkt. Manchmal war er traurig, dass das Essen so schnell aufgegessen war. Er war eben doch kein Schreiner, der einen Tisch für eine halbe Ewigkeit baute. Nur manchmal fehlte eben die Zeit, die Muße zum Kochen. Wenn er auftreten musste oder länger in der Bar am arbeiten war. Er liebte es, nachts zu arbeiten, in der sternklaren Nacht nach Hause zu radeln. Hellwach durch die Dunkelheit. Am Wochenende würde er auf einer Hochzeit spielen. Brachte gutes Geld. Machte manchmal aber auch Spaß. Franz liebte das Publikum. Wenn er tagelang nur am Schreibtisch war, musste er Menschen sehen.

Dann lag München am Meer

08.02.2017

Bekanntlich liegt München nicht am Meer. Auch wenn München gerne, zumindest wenn der Himmel blau ist, sich zu Italien rechnet. Auch liegt München weder am Chiemsee noch am Tegernsee. Sicher, der Starnberger See ist nicht weit, oft sieht Franz Autos mit Starnberger Kennzeichen durch München fahren. Und doch hat nicht nur Franz ab und zu Lust auf einen guten Fisch. Die Isar gibt da zu wenig her. Hier und da ein paar Forellen. Und Franz war kein Angler. Am Viktualienmarkt war eher selten, bloß was für Touristen und für die, die ihr Geld unbedingt ausgeben müssen. Aber Fisch kauft er gerne dort. Dort gab es wunderbaren Fisch. Wenn er am Schlachthof vorbei kam, wusste er auch eine Quelle. Aber auf seinem täglichen Weg kam er eher am Viktualienmarkt vorbei. Wenn er gut bei Kasse war, aß er manchmal auch eine Bouillabaisse. Sonst nur eine Fischsemmel. Bismarck. Oder Matjes. War auch gut. Nur die Zwiebeln waren meist zu viel. Manchmal kochte Franz daheim auch eine Fischsuppe. Sie roch so schön nach Ferne. Dann lag München am Meer.

Am grauen Himmel zogen Vögel

07.02.2017

Franz ging gern durch die Stadt. Oder radelte. Sah das, was er schon kannte. Die Menschen, die zur U-Bahn strömten. Auf dem zur Arbeit. Zum Einkaufen. Nur wenige gingen einfach nur so. Am grauen Himmel zogen Vögel ihre Bahn. Durch die feuchte Winterluft. Der versprochene Schnee wollte nicht kommen. Die vertrauten Häuser wärmten ihn. Er kannte die Gehsteige. Ihre Löcher. Auch die Radwege waren ihm geläufig. Manchmal bliebt er länger stehen. Dachte nach. Suchte ein Wort. Setzte sich auf eine Bank. Es eilte ihm nicht. Auch im Winter war er gern an der frischen Luft. Im Gewühl der Stadt fand er seine Sprache. Machte sich Notizen. Ging später an den Schreibtisch.

Nach nebenan

Früher war Franz gern ins Hohenwart gegangen. Mit seinen Eltern. Einfach nach gegenüber. Auch mit Großvater und Großmutter. Ein schönes Wirtshaus. Sein Wirtshaus. Kommunion gefeiert. Firmung gefeiert. Seine Eltern hatten dort ihr Hochzeitfest. Auch sein Großvater und seine Großmutter. Waren gern auch dort zum Kegeln gewesen. Die Bahn gemietet für einen Abend. Den Schweinsbraten dort geliebt. Immer zwei Knödel bestellt. Oder nur Knödel mit Soße gegessen. Als kleines Kind. Seinen ersten Rausch dort gehabt. Das Bier kam immer schon vom Land. Nie ein Münchner gewesen. Die Theke war jetzt eine Bar. Gentrifizierung auch hier. Das Waschbecken ein Steinblock. Das Bier teuer geworden. Nichts mehr für die Giesinger. Manche kamen immer noch, seit 30 oder 40 Jahre, her. Aber nicht mehr Tag für Tag. Die falschen Leute saßen jetzt drin. Franz mochte es nicht mehr. Seine Eltern auch nicht. Die Zeiten ändern sich. Früher traf man hier nur Giesinger. Keine Studenten aus der Innenstadt oder Leute aus irgendwelchen Büros. Die Decke ist heute viel zu weiß. Früher war man froh, wenn man sie vor lauter Rauch sehen konnte. Die Kirche ist gleich um die Ecke. So ging Franz am Sonntag gern nach der Kirche hierher. Draußen haben sie Lampen angebracht, damit bloß keiner vorbei läuft. Vollkommen überflüssig. Im Sommer jetzt riesige Sonnenschirme aufgebaut. Nur noch selten ging Franz hin. War da eigen. Wer die Speisekarte las, wusste Bescheid. Franz ging gerne gut essen. Aber im bayrischen Wirtshaus mitten in Giesing, weit entfrent von See und Meer, wollte er keine Fischsuppe. Erst recht nicht mit Scampi, Gemüsejulienne und Sauce Rouilly. Wenn er dies wollte, ging er zum Viktualienmarkt oder zum Franzosen. Nicht um die Ecke. Aber zum Kegeln wollte er irgendwann schon noch gehen. Mit ein paar Freunden.

 

Lächerlichkeit

05.02.2017

The opinion of this so-called judge, which essentially takes law-enforcement away from our country, is ridiculous and will be overturned! So viel hielt Trump von der Gewaltenteilung. Franz mochte die Gewaltenteilung. Erdogan weniger. Trump auch nicht. Beleidigungen mochte Franz nicht. Die Lächerlichkeit ist etwas schweres. Die Leichtigkeit ist abhanden gekommen. Als Schutz gegen die bösen Mächte ein schöner Spruch, der Riddikulus-Zauber. Franz war kein Potter-Fan. Doch hier und da ein wenig gelesen. Die Lächerlichkeit. Schon Cicero benutzte 70 v. Chr. die Lächerlichkeit, ridiculus. […] sed quia stomachabantur, ridiculi videbantur esse […]. Verres war nicht beliebt im alten Rom. Ganz und gar nicht. Franz hatte ihn in der Schule kennengelernt. Cicero hatte den Verres in Rom angeklagt. Franz war sich nicht sicher, ob Trump Cicero gelesen hatte. Wohl eher nicht. Sein Reden und Twittern erinnerte ihn er an dunkle Zeiten. Trump schien von Autokratie zu träumen. Unkontrolliert. Alleine. Noch wehrte sich die Demokratie in der USA. Franz musste an die frische Luft. Der Schnee war verschwunden, die Wintersonne schien ihm warm ins Gesicht. Er wollte eine Runde drehen. Die Isar aufwärts radeln. Raus aus die Stadt. Vielleicht wo einkehren. Ein Freund wollte mitkommen. Sie hatten Zeit. So schnell würde ihnen heute nicht kalt. Sie fuhren schnell. Der Matsch der Schneereste schlug gegen die Beine. Nur weiter.

Allein die Frisur

04.02.2017

Allein die Frisur. Franz mochte Trump nicht. Aber eins war klar. Langweilig wurde es mit Trump erst mal nicht. War jetzt auch in Wachs. Hitler gab es ja auch in Wachs. Trumps Dekret zum Einreiseverbot hatte ein Richter gestoppt. Fand Trump natürlich empörend. Trump gegen die Presse. Trump gegen die Richter. Franz mochte Trump nicht. In der Früh meinte er fast, es würde der Frühling kommen. Die Sonne hatte ihn geblendet beim Gang zum Bäcker. Nach den Wochenendeinkäufen wollte er noch ein wenig schreiben. Doch zuerst las er die Zeitung. Vielleicht war Trump ein Bewährungstest für die amerikanische Demokratie. Ein Stresstest. Am Nachmittag würde er sich um die Fußballergebnisse kümmern. Musste sein. War ja Wochenende.

Auch Seesterne waren unterwegs

An der nördlichen Insel, oder

war es die südliche? Fische zogen

ihre Kreise. Auch Seesterne waren

unterwegs. Die Boote der Fischer

 

tanzten auf den Wellen, die Felsen

in der Brandung spürten die Gischt

In der Mittagshitze verödet der Strand.

An der Bar wurden Abkühlungen

 

gereicht. Auf dem Heimweg war längst

der Drachentöter, sein Schwert

abgeschnallt, der aufkommende Wind bog

die Pinien, später wurde am Strand

 

ein Thunfisch geteilt. Der Esel

wurde heimgeführt.

Gegen das Wasser

Immer musste er den Fluss überqueren. Schier immer. Gegen das Wasser ankämpfen, die wogenden Wellen, das Rauschen, welches ihn in den Bann zog. Franz wollte ins Theater. Maximiliansstraße. Die Straße liebte er nicht. Viel zu teure Geschäfte. Nicht sein Fall. Was für Grünwalder. Doch das Theater war wunderbar. Zärtlich klein fast. Die Bühnentechnik bescheiden. Viele Blätter an den Wänden. Hatte hier den Kroetz gesehen, den Wilson. Doch die Hobmeier wollte hier nicht mehr spielen. Damals hatte der Dorn seine Leute über die Straße mitgenommen. Und sind dageblieben. War dem Franz nicht recht. Gehörten in die Kammerspiele. Franz fuhr mit dem Rad ins Theater. Früher hatte er immer lange auf Studentenkarten warten müssen. Heute rief er Freunde an. Oder kaufte selber welche. Später würden sie noch über den Fluss radeln. Später.

Lichtmess

Die schweren Schuhe hinterliessen auf

den nassen Februarwegen ihre Abdrücke.

Die Spatzen flogen schon nervös umher

 

hinter den hohen Zäunen brannte nur hier und da

ein Licht, Mägde und Knechte werden schon lang

nicht mehr entlassen, die unzeitgemäßen Christbäume

 

lagen jammernd vor der Türe, bald wird sich hier und

da ein Schneeglöckchen trauen, unter den Wurzeln

der alten Bäume wohnen Träume

 

Maria zeigte das Kind, vierzig Tage nach

der Geburt, Herodes suchte umsonst

in der dunklen Nacht