Handschuhe vergessen

23.01.2017

In den letzten Tagen hatte Franz ein paar Bücher von Kling gelesen. „Botenstoffe“ fand er ziemlich arrogant. Das war wohl das Besondere an Kling. Sein Ton. Die Gedichte gefielen ihm besser. Ein wenig zu gewollt. Herz fehlte ihm Er liebte Mayröcker. Hatte sie immer geliebt, schon bevor er anfing selber Gedichte zu schreiben. Aber Botenstoffe. Unmöglich. Das Herziehen über Bachmann völlig übertrieben. Auch die Dankabstattung für Huchel viel zu bitter. Bitterkalt wie die eisige Luft. Die Hände wären ihm in der Früh fast abgefroren. Handschuhe vergessen. war kurz einkaufen gewesen. Milch war aus gewesen. Dann noch schnell eine geraucht. Am Schreibtisch dann lange gebraucht, bis die Finger wieder warm wurden. Der Nebel verzog sich schleppend in der Morgenstund. Weiß grüßten die Bäume ihn. Holunderbüsche im Innenhof träumten. An die Droste dachte er selten. Germany first? Soll ein Handelskrieg stattfinden? Der Regierungssprecher von Trump präsentierte alternative Fakten. Früher nannte man dies Lügen. Franz mochte keine Lügen. Gerne las er seine Zeitung. Vertraute ihr. Mochte nicht den Lärm der AfD. Mochte nicht den Lärm von Trump. Thomas Kling war ihm auch zu laut. Später würde er noch an die Isar gehen. Liebte das Geräusch des Flusses. Erstickte allen Lärm. Auf seinem Handy schaute er sich den Twitteraccount von Obama an. Ein wunderschönes Abschiedsbild war dort zu sehen. Zwischen Obama und seiner Frau der Bürgerrechtler  John Lewis, kein Freund von Trump. Yes we can. Yes we did. Thank you for being a part of the past eight years. Die Zeiten änderten sich. Da war sich Franz sicher.

Gegen Katar

22.01.2017 #2

Draußen schien die Welt stillzustehen. Weißer Reif legte sich um die Bäume. Die Luft war schwer vom Gestank der Holzöfen. Die Hunde pinkelten gelbe Löcher in den Schnee. Trump mochte die Menschen nicht, die gegen ihn waren. Weder die Presse, noch die Demonstranten. Er musste sie ja auch nicht mögen. Watched protests yesterday but was under the impression that we just had an election! Why didn’t these people vote? Celebs hurt cause badly. Hin und her getwittert. Franz hätte sich gern die Handballer im Fernsehen angeschaut. Am Ende haben sie eh verloren. Gegen Katar. Nix verpasst. In der Stadt schliefen immer noch viel zu viele Menschen draußen. Er freute sich auf sein kleines Konzert. Lässige Leute. Ein wenig Spaß. Vor allem sollte es Freude bereiten. Und ein wenig Geld in die leeren Kassen. Lieber schrieb er Gedichte. Aber mit Musik konnte er eher Geld verdienen.

Eisnebelkalt

22.01.2017

Die Nacht war recht kurz gewesen. Das Frühstück genoss er nicht alleine. Schnell noch Semmeln geholt. In der langen Schlange müde Gesichter angeschaut. Die Verkäuferin freundlich wie immer. Frisur akkurat. Er wollte jetzt erst einmal einen starken Kaffee. Schöne Crema. Wenig Schaum. Auf dem Fußweg war es glatt, sonst wäre er die paar Schritte gelaufen. Nebel lag noch wie eine Glocke über der Stadt. Eisnebelkalt. Dummerweise hatte er die Handschuhe vergessen. Paul Auster wird jetzt Präsident. Nein, nicht von den Vereinigten Staaten von Amerika. Nur vom amerikanischen PEN. Kaum im Amt wird gegen Trump demonstriert. Trump verstört manch einen. In der Türkei schickt Erdogan die Demokratie in Urlaub. Oder in Rente? Die Frage ist noch offen. Zumindest benötigt er sie erst einmal nicht mehr. Franz ging, die Müdigkeit bekämpfend, an den Schreibtisch. Ein paar Zeilen wollte er unbedingt noch schreiben. Am Abend en Auftritt mit seiner Band. Das Protokoll der Wannseekonferenz lies ihn nicht los. Früher hatte er einmal eine Schreibmaschine gesehen mit Runen-SS. Amtsstubenmaschine. Für die Verwaltung des Grauens. Man hätte auch ohne Sonderzeichen die Abkürzung von Schutzstafel schreiben können. Einfach zwei große S. Genügte nicht. Sonderbar perfide. Der Blick auf den Wannsee muss schön gewesen sein. Für die deutschen Herren. Die Temperaturen in der Villa moderat. Man wollte ja nicht frieren. Winter lag über Deutschland.

Wunderbarer Bart

21.01.2017/2

Das Wasser reichen wollte auch er der Droste. Doch schien ihm im Winter dies knapp. Die Bauern mussten den Kühen das warme Wasser reichen. Frost war im Stall. Die Eisbrecher hatten dieses Jahr endlich wieder Arbeit. Auch der Winterdienst in der Stadt. Die Welt würde sich enden. Die Welt würde sich drehen. Jeden Tag. Er freute sich schon auf die Cocktails der Nacht. Nervös war die Welt. Im Kunstkalender hatte er Rodin gesehen. Er liebte ihn. Wunderbarer Bart. Den „Denker“ mochte er nicht so sehr. War ihm zu muskulös. Neid eben. Besser gefiel ihm „der Kuss“. Er mochte die Frauen. Der Abend würde kommen.

Die Trambahntüren zickten rum

21.01.2017

Einen amerikanischen Pass hatte er nicht, hatte er auch nicht haben wollen. Sich nie um eine Greencard beworben. New York hätte ihn schon gereizt. Die Temperaturen waren im Keller. In jeder Hinsicht. Die Eisschichten wurden stärker. Die Sonne glänzte über den weißen Schichten. Die Trambahntüren zickten rum. Mochten die Kälte nicht. Radfahrer verstoßen gegen das Vermummungsverbot. Kinder laufen mit Schlitten bewaffnet über die Felder. Greater Again, Together. Obamacare ausgebremst. Die Sprache vom 45. amerikanischen Präsidenten lässt ihn schaudern. Franz mochte keine aggressive Sprache. An seinem Schreibtisch war wenig Platz. Immer schrieb er an verschiedenen Texten. Im Winter spielte er selten Fußball. Alles vereist. In der Früh hatte er eine kleine Runde durch den englischen Garten gedreht. Heute Abend musste er in der Bar arbeiten. So wollte er zumindest noch ein paar Zeilen schreiben. Seine Finger waren noch kalt von der Kälte. Er kannte Jerichos nicht. War nie dort gewesen.

Vielleicht ist das Leben eine Baustelle

20.01.2017

Schon wieder ging die Welt nicht unter. Weder wegen der Eiseskälte. Noch wegen Amerika. Früher ging er gerne in den Türkendolch. Kleines Kino. Türkenstraße. Programmkino. Die Sitze waren nicht neu. Die Popkornauswahl stark begrenzt. Gute Filme liefen. Bier gab es auch. Vielleicht ist das Leben eine Baustelle. Die Schaufenster waren recht klein. Heute ist da ein gesichtloses Café. Nichts für ihn. Da ging er nicht hin. Heute wollte er ins Isabella gehen. Das gab es noch. Wie früher. Fast unverändert. „Paula“ lief da gerade. Die hatten auch kaum Popkorn. Er hasste Popkorn im Kino. Lieber Bier. Oder Eis. Gegenüber gab es eine französische Bar. Die hatte er immer geliebt. Vielleicht ist das Leben eine Baustelle. Manchmal wollte er aber keine. Obama räumt das weiße Haus. Trump hält eine Rede. Die Kabarettisten laufen sich war. Friseure haben ein Haufen Arbeit.

In die weiße Landschaft

Sein Auto war nicht mehr das jüngste. Aber im Winter fuhr Franz doch hin und wieder mit ihm. Zur Arbeit. Oder schnell noch Freunde treffen. Zum Supermarkt. Die Kälte der Nacht gab der Batterie den Garaus. Sommergelb war sein Auto. Wirklich nichts für Angeber. Vier Räder. Innen nur ein wenig aufgeräumt. Manchmal rauchten seine Freunde im Auto. In der Früh war es nicht angesprungen. Minus zehn Grad. Nicht mehr gepackt. Nachbarn haben ihn angeschoben. Die KFZ-Werkstatt lag in einem Hinterhof. Sollten sich die Batterie einmal anschauen. Und ob sonst noch was fehlte. Zwei junge Polen. Verlangten nicht so viel. Hatte er beim Fußball kennengelernt. Jeden Mittwoch spielte er zum Spaß. Mit ein paar Jungs. Später gingen sie ins „Vereinsheim“. Musste sein. Aber heut musste er sich um seine alte Kiste kümmern. Die Bremsen waren auch nicht mehr die jüngsten. Am Wochenende fuhr er gerne über die Landschaften Richtung Horizont. Raus aus Berlin. Auch im Winter. In die weiße Landschaft. Bis zur Abenddämmerung.

Es muss gewünscht werden

Als hätte geholfen das

Wünschen. Was müssen das

für Zeiten gewesen sein. Am Meer

wohnten sie, der Fischer und seine

 

Frau, bescheiden ihr Leben war.

Klein nur das Haus. Und doch

war zufrieden der Mann. Nichts

wünschte er sich und als er fing den

 

Butt, ihn leben lässt, ihn, den

verwunschenen Prinzen und sich

nichts wünscht. Und wäre nicht

gewesen seine Frau. Plattfisch hin oder

 

her. Es muss gewünscht werden. Bis

dass das Meer pechschwarz, Gewitter

überall, der Wind das Meer auftürmt

Manntje, Manntje, Ilsebill

Dem Glück hinterhergelaufen

Wer träumte nicht Frau Holles

Geschütte herbei, Feder um

Feder, Flocke um Flocke?

Wer zog nicht in die weite

 

Welt, zu lernen das Fürchten?

In den Spiegel geschaut und

gefragt. Ließ fallen in den Brunnen.

Dem Glück hinterhergelaufen.

 

Ach Hans. Und küsstest nicht

gerne falsche Frösche? Nach

unruhigen Träumen schon wieder

drei Haare weniger. Muss das sein?

 

Zwischen Hochhäusern und achtspurigen

Autobahnen, durch den Tunnel jagende ICEs

die alten Musikanten wollen nur nach Haus

den Weg leuchten die Smartphones nicht

Alexanderplatz

Die Mitte von Berlin war nicht sein Ding. Zu laut. Zu bunt. Der Alexanderplatz schien ihm ziemlich missraten. Die Weltzeituhr albern. Shoppingcenter hasste er sowieso. Franz Biberkopf ist hier schon lange nicht mehr herumgelaufen. Éducation sentimentale. Aber warum nicht. Das Scheitern und die Hoffnung waren immer in seiner Nähe. Früher war hier das Interhotel. Waren gerne höhere Gäste der DDR zu Gast. Die Stasi hatte da immer viel zu beobachten. Auch das Hotelpersonal pflegte besondere Aufgaben. Aber er kramte nicht gerne in der Vergangenheit. Manchmal vermisste er die DDR. Heute irrte er oft durch die Stadt ohne Ziel. Er fuhr mit dem Aufzug ins Casino. Der Ausblick war wunderbar. Hatte immer ein wenig Spielgeld in der Tasche. Vielleicht war ja heute sein Glückstag. Die Kugel rollt schon.