Vom Flug der Vögel

Die Silben der Woche noch nicht zusammengekehrt. Erzähl mir von dem Flug der Vögel. Von der Weite des Horizonts. Russland ist unendlich weit. Wollt den Ural überfliegen. Die Felder zugefroren. Lada will hier keiner mehr fahren. An die Wolga zum Kaviar essen. Früher waren es Eimer, die als Abendessen gereicht worden. Der Kormoran findet immer noch einen Fisch. Der Handfeger findet noch immer Silben auf dem Fußboden. Entwischen immer wieder. Sie warten auf weißes Papier. Der Bleistift müsste auch mal wieder. Am Abendhimmel sind die Vögel nicht mehr zu sehen.

Schlaf Kindelein

Lullaby geträumt. Der Mond so klar und hell. An der Wiege. Sehnsucht. Zwischen Mond und Nacht. Den Sternen träumen. Schlafe mein Prinz Kindlein. Die Schafe gehütet immerdar. Still. Still. Nur einen Hauch. So ruhig gehst, so leis´dahin. Über Wald und Feld lass Frieden kehren ein. Schlaf Kindelein.

Philosophen durchgekaut

Nach dem Seminar ging er gerne zum Atzinger. Mit ein paar Freunden. Auf ein Bier oder zwei. Und Currywurst. Eine Münchener Eskapade. Immer eine rote Currywurst. Nie eine weiße. Im schwarzen Bayern. An der Theke standen die, die schon länger tranken und längst nicht mehr zur Universität gingen. Vertrieben sich den Tag mit Nebel. Philosophen wurden durchgekaut. Goethe weniger. Eher Kafka oder Kleist. Der Raum erfüllt vom Qualm der Zigaretten. Wer hier rein ging, brauchte sich keine mehr zu kaufen. Betriebswirtschaftler traf man nicht an. Auch keine Juristen. Nur wenn sie jemand suchten. Nicht kompatible Welten gewesen. Trachtenjanker wurden nicht gesehen. Vielleicht ging man später noch weiter. Oder zum Auslüften in den Englischen Garten. Die Buchhandlungen waren längst geschlossen. Heute machen sie gar nicht mehr auf.

Zu Kaffee und Kuchen

Versammelt am Kaffeetisch. Selber gebacken. Die Enkelkinder brav die Hände gewaschen. Oma hat extra starken Kaffee gemacht. Apfelkuchen mit viel Sahne. Der Fernseher schläft. Heino trällert von der Langspielplatte. Die Gemälde an der Wand, Kopien nur, erzählen von einer biederen Zeit. Die Hirsche werden heute nicht gejagt. Im Garten gibt es schon lang keine Obstbäume mehr. Überall Blautanne. Man kann es sich leisten. Ihm Frühjahr werden die Läuse todgespritzt. Auch wenn sie noch gar nicht da sind. Sicher ist sicher. Im Keller steht noch ein Handkarren aus vergangener Zeit. Der Käfer in der Garage wird oft geputzt und selten bewegt. Rosen blühen im Juni. Am Freitag wird die Straße gekehrt. Unkraut ausgerupft. Nach dem Krieg hielt Großvater Kaninchen. Die Kuchengabeln klappern auf den Tellern. Das Gespräch bei Tisch nimmt schnell einmal eine falsche Wendung. Dann werden die Krallen ausgefahren. Am Sonntag sind alle versammelt. Als wären wir eine Familie. Die Gitarre hängt traurig an der Wand. Eine Saite fehlt ihr schon länger. Der Leuchter an der Decke hat falsche Kerzen. Gelsenkirchener Barock steht an der Wand. Wenn es ins Wirtshaus geht, legt Großvater sich seine Krawatte an. Ohne Anzug wird nicht aus dem Haus gegangen. Ohne Hut schon gar nicht.

Abgeräumte Bäume

Hänsel verlaufen. Mitten

im Wald. Irgendwo.

Nur nicht daheim. Finster der

Mond blickt. Die Fetzen

 

Schnee fliegen um die Tannen. Die

nackten Bäume tragen einen

weißen Pelz. Der Hund

markiert gelbe Löcher in das

 

weiße Paradies. Auf dem Balkan

frieren die Heimatlosen.

Siege werden nicht gefeiert.

Die letzten Brotkrumen

 

verzehrt. Ein Hadern geht übers

Land. Abgeräumte Bäume säumen

den Straßenrand. Entsorgt das

Christkind. Vorbei ist vorbei.

 

Am Himmel zwei verliebte Schwäne

vor Schneewolken. Gretel fürchtet sich.

ist e sso und eh aral

von tankstelle zu tankstelle. zwischen aralblau und shellgelb. der duft der weiten welt. immer wieder frische ware. bald vergangene zeiten. wird man hier strom tanken? oder eine leere brache vorfinden? tankstellenfriedhof? schwer nutzbar als wohnraum. eher als umschlagplatz für verlorene träume. sehnsuchtsort der motorradfahrer. lkw-fahrer tanken hier auch gern kaffee. In der großstadt füllen die abenteurer ihren biervorrat auf und die väter kaufen noch schnell grillkohle. für mutti gibt es auch einen blumenstrauß. rauchware sowieso. manchmal sind sie auch total. zwischen jet und omv liegt immer eine lange ölspur, ist e sso und eh aral. wir jet gern über die grenze, ist total a via. a gip schmeckt irgendwie nach all guth. die sehnsucht nach bp wird nicht gestillt. omv omv ruft es. schnell noch einen ta mo il, nur eni ist da.

Unter Wasser kein Empfang

Die letzten Tauchgänge des U-Bootes brachte nichts zu Tage. Brennstoffzelle lieferte genug Strom. Die Bewohner von Lesbos kämpften immer noch gegen den Schnee. Handyfreie Zone. Unter Wasser kein Empfang. Die Zelte der Flüchtlinge bersten unter der Last. Rettungswesten werden nicht mehr gebraucht. Nicht nur die Ernte der Bauern ist in Gefahr. Auf den Wäscheleinen trocknet keine Wäsche. Übers Meer kommen jetzt keine Flüchtlinge. Schallsignale gehen ins Leere.

Tonbandaufzeichnungen aus dem All

Im Beinhaus aufgetürmt

die Vergangenheit, die Reste

zusammengekehrt. Tonbandaufzeichnungen

aus dem All. In der weiten Ferne

 

wird doch jemand sein. Zwischen

großer Bär und kleiner Wagen.

Der Schnee treibt die Wörter in die

Ritzen. Spiegelglatt landet der

 

Radfahrer. Die Bänder lassen nur ein

Rauschen erkennen

roger und wilco

Erde an. Erde an

 

Die Knochen sind das, was bleibt

Let me know that you have received and

understood this message, Rauschen

I say again, bitte, es muss

 

As a request: Communication is difficult.

Please send every word, or group of words, twice

Rauschen. Nichts als Rauschen

Heute Nacht kein Empfang

 

Jukebox

Johanniscafe. Nicht abgestürzt. Etwas muss schief gelaufen sein. Kuchen und Kaffee. Hat nicht mit Schafskopf gespielt. Wie auch. Schon wieder nichts in die Jukebox geschmissen. Später noch einmal wiedergekommen. Auf ein oder zwei Bier. Wienerle. Irgendwann in der Nacht. Es gab noch nüchterne Gäste im Café. Ist nicht immer so. Konnte noch nicht einschlafen. Warum auch. Die Nacht war noch lang.

Im Vereinsheim

Im Winter war es immer ruhig in der Schrebergartenanlage. Aber im Vereinsheim war doch immer jemand anzutreffen. Manchmal ging er abends hin. Früher, als seine Eltern noch in Berlin wohnten, ging er öfter. Er selber hatte ja wenig Zeit für den Garten. Fand  das alles auch immer irgendwie spießig und peinlich. Aber er liebte den Apfelbaum. Auch den Kirschbaum. Schon als Kind hatte er mit seinen Eltern hier den Sommer verbracht. Bornholm I. Prenzlauer Berg. Der ganze Kiez ist da immer rumgelaufen. Das Rosenfest hatte er immer sehr geliebt. Manchmal gab es hier Sänger, die ihr bestes gaben. Als Kind war er auch gerne in der Gethsemanekirche gewesen. Aber da ging er heute kaum noch hin. Dann lieber ins Vereinsheim. Dann lieber zur Bauernstube. Im Vereinsheim gab es wenigstens etwas zu essen.