Mit der Post angekommen

Frisch gedruckt und kurz vor Weihnachten angekommen, alles über Tugenden & Sünden.

Ein kleiner Text von mir ist auch dabei. Über die Faulheit.

 

 

Poesiealbum neu

Am tiefsten die Nacht

Am tiefsten die Nacht

nicht enden wollend

schon früh gehen Has und

Igel zur Ruh, die Sonn´

 

wendet sich, welch vermessen

nimmt sie doch nicht ihren

Lauf, die Lichter brennen

überall gegen das Dunkle

 

an, auf der Ofenbank

gewärmt die neuesten Wörter

zwischen dem knisternden

Holz und der heißen Glut, die

 

schweren Schuh des Wanderers

zum Wärmen, das gesammelte

Schweigen wäre Gold wert

Heinrich Böll kam nur bis Sparta

 

der Engel schweigt

Ein Blumenstrauß für Friederike Mayröcker

Nacht schon und doch

ein Blumenstrauß zum Fest.

92. Nicht rund und doch so groß

die Zahl schon ist. Wörterglück

Girlandensätze, Sachertorte,

Ekstase der Geburtstagslieder

der großen Königin der Sprache

ein wunderbares Fest, möge noch

Sprache finden, das ein oder andere

Gedicht in die Schreibmaschine

pressen.

Der Rausch der Sätze

Es gibt schlechteres als Sätze

die explodieren im Kopf

die einen betrinken sich

 

mit Alkohol, die anderen mit Wörtern

der Rausch der Sätze ist

nicht immer frei von Nebenwirkungen

 

gebannt auf Papier ist

die Ekstase erträglich,

der frische Wind weht

 

um die Nase, die Wörter

schreien aus dem Mund

die Sucht ist groß

Schnee will nicht fallen

Kalt der Wind über

die kahlen Apfelbäume

Mumien hier und da hängen

vom Sommer noch

 

von Fern das Blöken der

im Wintermantel gehüllten

Schafe, die Schlitten

stehen schon, ungeduldig

 

schauen die Kinder

zum Himmel, im Ofen

die Äpfel schmoren

Schnee will nicht fallen

Kerze #Gerhard Richter

 

Aus Freude, aus Glück,

aus Trauer, aus Ungeduld

angezündet die Kerzen

am Leuchter oder einfach so

weil es dunkelt, ein Licht aufgehen soll

hat Richter gemalt die Kerzen, unscharf

das Photo scheint, doch ein Photo

nicht ist, mit langer Belichtungszeit

fast ein wenig verwackelt, mal schärfer

das Bild, mal kälter das Licht, das Gemälde

das kein Photo ist und doch vorgibt

eins zu sein, Serie über Serie

Kerze folgt Kerze, eine stattliche

Größe annehmend

sprengend den Rahmen

des Üblichen, das Licht

metaphysisch gegen

Jenseits gewandt

den großen Fragen zu

 

Gerhard Richter, Kerze, 1982

 

Im Waldhaus gewesen #Sils Maria

Im Waldhaus gewesen, als sei magisch, ein Orakel gleich, der Hesse, auch Frisch und Thomas Mann, gewesen, im Waldhaus, auf Sommerfrische, Wanderungen, um den See, auf die Berge, durch die Täler, Chabrol filmte gleich, Strauss schrie Melodien zum Fenster raus, in Sils, im Engadin, der Richter malte die Fotos voll, gegen die Simulation der Wirklichkeit, die Künstler als Touristen, Erholung bedürftig, der Inspiration, auf der Suche nach neuer Kraft. Raufgeschleppt die Körper in dünner Luft, Gletscher angerannt, die süßesten Küsse getauscht auf der Blumenwiese. Das Pfeifen der Murmeltiere im Ohr, das Gemaule der Kühe, wenn zu spät der Bauer die Milch. Nur Nietzsche wohnte nicht im Waldhaus er. Zarathustras Stürme gingen vorüber.

Kund der Christstern gibt

Kund der Christstern gibt

von der Freud aufs Fest

von weit her erzählt

er die Geschichte

 

erfreute schon Großmutter

in der Kindheit.

Berichtet von der wundersamen

Zeit der stillen Nacht

 

Es weihnachtet, von

überfall die Lichter

auch drüben, am Fenster

erleuchtet hell, schauen

 

die Ellbogen aufs Kissen gestützt

zwei alte Leut die Staße an, zwischen

ihnen ein Christstern rot, tut kund

die selige Zeit

#Aleppo. Am Ende bleibt nur das Schweigen.

Am Ende bleibt nur das Schweigen. Über die Unmenschlichkeit. Über die Handlungsunfähigkeit. Über die Grausamkeit. Über die Unfähigkeit der Politik. Über die Grausamkeit der Menschen. Über das, was so einfach scheint und nicht erreicht wird. Über die Unerreichbarkeit von Frieden. Das Schweigen. Über die Abwesenheit der Menschlichkeit.

Wir staunen nachts in den leuchtenden Himmel

Die Sterne, die wir lieben, sie kommen, sie gehen, sie verglühen. Wir staunen nachts in den leuchtenden Himmel und strahlen. Kalt sind die Wangen, doch mit funkelnden Augen laufen wir heim.